Neun Kindergesundheitszentren für Wien
Die Österreichische Gesundheitskasse und die Wiener Ärztekammer haben sich auf Rahmenbedingungen für kindermedizinische Versorgungseinrichtungen geeinigt. Neun Standorte sind jetzt ausgeschrieben. Sie sollen bis Ende des Jahres starten.Online seit heute, 11.00 Uhr (Update: 13.10 Uhr)Teilen
Konkret werden fünf kindermedizinische Zentren und vier Primärversorgungseinrichtungen (PVE) geschaffen, mit mindestens zwei bzw. drei Ärzten, erweiterten Öffnungszeiten (40 bzw. 50 Wochenstunden) und ohne Schließtage unter der Woche. Die PVE werden auch am Samstag offen haben. Das außerhalb der Spitäler angesiedelte Angebot wird von den Kassen bezahlt.
All das läuft über eine Pilotvereinbarung, die für fünf Jahre gilt und bei der nicht nur die ÖGK, sondern auch die Kassen für öffentlichen Dienst/Eisenbahn/Bergbau (BVAEB), die Selbstständigen-Kasse SVS und die KFA der Stadt Wien dabei sind. Pro Einrichtung – je drei in jeder der drei Wiener Versorgungsregionen – sind im Schnitt 1,8 Mio. Euro pro Jahr vorgesehen.
Kleinere Zentren sollen später aufgestockt werden
Innerhalb der fünf Jahre sollen auch die kleineren Zentren (die quasi als Starthilfe für ärztliche Neueinsteiger gedacht sind) zu vollwertigen PVE aufstocken. Gedacht ist das als Modellprojekt, das später auf ganz Österreich ausgerollt, in die entsprechende Bund-Länder-Vereinigung aufgenommen und letztlich auch im PVE-Gesetz verankert wird – auch um entsprechende EU-Fördergelder lukrieren zu können.
Die Suche nach den Teams von Ärztinnen und Ärzten sowie Vertreterinnen und Vertretern anderer Gesundheitsberufe, die in den Einrichtungen tätig sein werden, läuft. Grundsätzlich sind in allen Einrichtungen jedenfalls mehrere Fachärztinnen und -ärzte für Kinder- und Jugendheilkunde beschäftigt. Dazu kommen Ordinationsassistenz, diplomierte Gesundheits- und Krankenpflege sowie nach Bedarf Sozialarbeit, klinische Psychologie, Physiotherapie und Ähnliches.
Alle Leistungen unter einem Dach
„Das ist der Riesenvorteil dieser Einrichtungen, dass wir unter einem Dach Kinder so weit wie möglich versorgen können“, sagt Mario Ferrari, Vorsitzender des Landesstellenausschusses der ÖGK in Wien. Peter Voitl, Wiener Fachgruppenobmann für Kinder- und Jugendheilkunde und selbst Bewerber um eine der Einrichtungen, betonte, dass man damit entscheidende Verbesserungen in der Versorgung anbieten könne. „Ich denke, dass wir hier vor einem wesentlichen Umbruch in der Versorgung stehen.“ Für die Patienten gebe es ein vielfältiges Angebot an einem Ort. Den Ärzten komme entgegen, dass sie hier im Team verschiedener Spezialisten arbeiten könnten.
Derzeit gibt es in Wien 88 Kassenplanstellen für Kinderärzte, sechs davon konnten zuletzt schon nicht mehr besetzt werden – weil die Einzelpraxen für die Ärzte nicht mehr attraktiv genug waren bzw. die Privatmedizin als Wahlärztin oder -arzt lockte. Auch solche Mediziner will man mit dem neune Modell anlocken. Die Zahl der Planstellen soll laut Ferrari aber nicht steigen.
Neues Modell einzigartig in Österreich
Das Modell ist einzigartig in Österreich. Die Ärztinnen und Ärzte zeigen großes Interesse. Ziel sei es jetzt, die neun Standorte sinnvoll über das Stadtgebiet zu verteilen und so auch einige der derzeit freien Kassenstellen wieder besetzen zu können, heißt es von der Ärztekammer.
Die Kammer sieht aber noch einen Aspekt: Die attraktiven Arbeitsbedingungen könnten dazu führen, dass auch Wahlärztinnen und -ärzte der Kinder- und Jugendheilkunde wieder mehr Interesse an einem Kassenvertrag zeigen. Schließlich ermöglicht diese neue Struktur, dass Ärztinnen und Ärzte die unterschiedlichen Aufgaben untereinander verteilen können und dadurch größere Flexibilität, etwa bei der Planung von Urlauben, ermöglicht wird. Insgesamt ist man optimistisch, dass schon im Sommer die ersten kindermedizinischen Versorgungseinrichtungen in Wien eröffnen können.
red, wien.ORF.at/Agenturen
Links:
Kassen-Kinderärzte „aussterbende Spezies“
Aktuell in wien
Ärztekammer: Steinhart zieht sich zurückPolitik
QELLE : ORF.AT