{"id":996,"date":"2023-03-22T18:20:29","date_gmt":"2023-03-22T17:20:29","guid":{"rendered":"http:\/\/wienernachrichten.at\/?p=996"},"modified":"2023-03-22T18:20:29","modified_gmt":"2023-03-22T17:20:29","slug":"raphaela-edelbauer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wienernachrichten.at\/?p=996","title":{"rendered":"Raphaela Edelbauer"},"content":{"rendered":"\n<h1>Literatur als Leistungssport<\/h1>\n\n\n\n<p>Literatur als Leistungssport teilen<a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?tags=Kultur\">Kultur<\/a><a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?tags=Kultur\/Literatur\">Literatur<\/a><a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?tags=Portr%C3%A4t\">Portr\u00e4t<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>06. Februar 2023, 17:21 Uhr<\/p>\n\n\n\n<p>Acht Stunden schreiben, danach ein bis zwei Stunden Sport \u2013 so lautet die Tagesformel, mit der Raphaela Edelbauer in den letzten sechs Jahren vier hochambitionierte B\u00fccher vorgelegt hat. Inzwischen spielt sie in der ersten Liga der deutschsprachigen Gegenwartsliteraur.<a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?authors=Alice+Pfitzner\">Alice Pfitzner,&nbsp;<\/a><a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?authors=Florian+Baranyi\">Florian Baranyi<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Edelbauers Schreiben zeugt von Beginn an von gro\u00dfem Selbstbewusstsein. Schlie\u00dflich hat sie als erste Publikation eine Poetik namens \u201eEntdecker\u201c ver\u00f6ffentlicht, die die Grenzen von Sprache und Naturwissenschaft auslotet.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit hat sie von Anfang an markiert, dass sie einem starken Werkbegriff anh\u00e4ngt, wie sie auch im ORF-Gespr\u00e4ch betont: \u201eIm Grunde interessiert mich eine Frage durchwegs, durch alle Werke hindurch, und das ist die Frage, was Sprache ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/soph-assets.orf.at\/sis\/image\/7c11b75b-e13a-4c68-8c49-ff1110a503b2\/AAABhicy0A4\/AAABhKSy4UM\/topos_bigpicture_16_9\/archive-des-schreibens-raphaela-edelbauer106.jpeg\" alt=\"Autorin Raphaela Edelbauer mit einer Tasse Kaffee\" title=\"Auf der Suche nach der Natur der Sprache: Raphaela Edelbauer\"\/><figcaption>Auf der Suche nach der Natur der Sprache: Raphaela Edelbauer<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2>Systematische Grenzg\u00e4nge<\/h2>\n\n\n\n<p>Was Sprache ist und wo ihre Grenzen liegen, diesen Bereich erkundet die Absolventin der Philosophie und der Sprachkunst seit ihrem ersten Roman \u201eDas fl\u00fcssige Land\u201c (2019) systematisch.<\/p>\n\n\n\n<p>War es darin die Physikerin Ruth, die als unzuverl\u00e4ssige Erz\u00e4hlerin eine verdichtete \u00d6sterreich-Parabel zwischen NS-Schuld und Phantastik vermittelte, nahm sich Edelbauer vor, in \u201eDave\u201c (2021) K\u00fcnstliche Intelligenz erz\u00e4hlbar zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>In ihrem aktuellen, k\u00fcrzlich erschienenen Roman \u201eDie Inkommensurablen\u201c (2023), der drei jungen Menschen durch ein Wien am Rande des Ersten Weltkriegs folgt, verschiebt sie den Fokus von Physik und Computerwissenschaften Richtung Massenpsychologie.<\/p>\n\n\n\n<p>Sendungshinweis: \u201eDie Archive des Schreibens\u201c. Die Folge zu Raphaela Edelbauer ist am Montag ab 22.30 Uhr in ORF2 im \u201eKulturMontag\u201c zu sehen. Am Dienstag um 11.05 Uhr ist in den \u00d61-\u201eRadiogeschichten\u201c eine Lesung aus Edelbauers Roman \u201eDie Inkommensurablen\u201c zu h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<h2>Bildungssatt und sprachlich extravagant<\/h2>\n\n\n\n<p>Gemeinsam ist ihren Romanen ein gro\u00dfer sprachlicher Aufwand, mit dem sie in Tiefenbohrungen eine Kunstsprache entwickelt, die sich vor historischen und zeitgen\u00f6ssischen Vorbildern der \u00f6sterreichischen Literatur von Robert Musil \u00fcber Alfred Kubin bis hin zu Elfriede Jelinek verbeugt, ohne den einen oder die andere dabei zu kopieren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/soph-assets.orf.at\/sis\/image\/9bbfdd83-da82-4d54-a563-6d0050c841c0\/AAABhieH35s\/AAABhKSy4UM\/topos_bigpicture_16_9\/archive-des-schreibens-raphaela-edelbauer108.jpeg\" alt=\"Die drei Buchcover von Raphaela Edelbauer\" title=\"Edelbauers Romanwerk: \u201eDas fl\u00fcssige Land\u201c, \u201eDave\u201c und \u201eDie Inkommensurablen\u201c\"\/><figcaption>Edelbauers Romanwerk: \u201eDas fl\u00fcssige Land\u201c, \u201eDave\u201c und \u201eDie Inkommensurablen\u201c<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Zwischen sprachlicher Extravaganz und bildungssattem Recherchehintergrund \u2013 findet man in den \u201eInkommensurablen\u201c doch Arthur-Schnitzler-Anleihen, psychoanalytische Diskurse und Sch\u00f6nberg-Exegesen \u2013 verl\u00e4sst Edelbauer aber nie die Lust am literarischen Spiel.<\/p>\n\n\n\n<h2>Leistungssport und Bezugssysteme<\/h2>\n\n\n\n<p>Diese lebt sie auch mit der \u201ePataphysischen Gesellschaft Wien\u201c aus, die sie mitgegr\u00fcndet hat. Die Pataphysik, die Wissenschaft von den imagin\u00e4ren L\u00f6sungen hat selbst ein literarisches Bezugssystem \u2013 wurde sie doch vom franz\u00f6sischen Autor Alfred Jarry ersonnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben Literatur, Philosophie und Naturwissenschaften kennt ihr Schreiben aber noch weitere Einfl\u00fcsse, allen voran die digitalen Welten von Computerspielen, denen ja \u201eselbst eine eigene Form von Weltwahrnehmung zugrunde liegt\u201c, so Edelbauer.<br><br>Ohnehin bleibt als Ausgleich f\u00fcr das als Leistungssport betriebene, t\u00e4gliche Schreiben das k\u00f6rperliche Training, denn: \u201eF\u00fcr mich ist der K\u00f6rper die Grundlage unseres Lebens. Ich glaube, dass wir zun\u00e4chst leibliche Gesch\u00f6pfe sind und dass alle unsere Geisteskr\u00e4fte davon abh\u00e4ngen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2>Das Projekt \u201eArchive des Schreibens\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p>\u201eArchive des Schreibens\u201c ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem ORF und dem Gastlandprojekt \u00d6sterreich bei der Leipziger Buchmesse 2023. TV, Online und Radio pr\u00e4sentieren gemeinsam die neue Generation des Schreibens in \u00d6sterreich. Die Autorinnen und Autoren sprechen dabei \u00fcber sich selbst, ohne dass jemand ihre Arbeit von au\u00dfen kommentiert. Bis zum \u00d6sterreich-Schwerpunkt bei der Leipziger Buchmesse 2023 sollen zahlreiche Portr\u00e4ts des neuen Schreibens entstehen und dar\u00fcber hinaus weiter produziert werden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Alice Pfitzner (Gestaltung), TV-Kultur<\/em>,&nbsp;<em>Florian Baranyi (Text), ORF Topos, Rosanna Stark (Kamera), f\u00fcr ORF Topos, Yannick Kurzweil (Schnitt), f\u00fcr ORF Topos<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2>Links:<\/h2>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"https:\/\/www.klett-cotta.de\/buch\/Gegenwartsliteratur\/Die_Inkommensurablen\/650526\">Raphaela Edelbauer bei Klett-Cotta<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/klever-verlag.com\/buecher\/entdecker\/\">Raphaela Edelbauer im Klever Verlag<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.pataphysik.at\/\">Pataphysische Gesellschaft Wien<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>v1.0.4-production (14. March 2023, 10:02:17)<\/p>\n\n\n\n<p>QELLE : ORF.AT <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Literatur als Leistungssport Literatur als Leistungssport teilenKulturLiteraturPortr\u00e4t 06. Februar 2023, 17:21 Uhr Acht Stunden schreiben, danach ein bis zwei Stunden Sport \u2013 so lautet die Tagesformel, mit der Raphaela Edelbauer in den letzten sechs Jahren vier hochambitionierte B\u00fccher vorgelegt hat. 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