{"id":874,"date":"2023-02-24T18:22:52","date_gmt":"2023-02-24T17:22:52","guid":{"rendered":"http:\/\/wienernachrichten.at\/?p=874"},"modified":"2023-02-24T18:22:52","modified_gmt":"2023-02-24T17:22:52","slug":"fidelio","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wienernachrichten.at\/?p=874","title":{"rendered":"FIDELIO"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Musik<\/em>\u00a0Ludwig van Beethoven<em>Text\u00a0<\/em>Joseph Sonnleithner &amp; Georg Friedrich Treitschke<\/p>\n\n\n\n<h2>BESETZUNG 25.02.2023<\/h2>\n\n\n\n<p><em>Musikalische Leitung<\/em><a href=\"https:\/\/www.wiener-staatsoper.at\/ensemble-gaeste\/detail\/artist\/721-kober-axel\/\">Axel Kober<\/a><em>Regie<\/em>Otto Schenk<em>B\u00fchne nach Entw\u00fcrfen von<\/em>G\u00fcnther Schneider-Siemssen<em>Kost\u00fcme<\/em>Leo Bei<em>Don Fernando<\/em><a href=\"https:\/\/www.wiener-staatsoper.at\/ensemble-gaeste\/detail\/artist\/2054-haessler-martin\/\">Martin H\u00e4\u00dfler<\/a><em>Don Pizarro<\/em><a href=\"https:\/\/www.wiener-staatsoper.at\/ensemble-gaeste\/detail\/artist\/538-schmeckenbecher-jochen\/\">Jochen Schmeckenbecher<\/a><em>Florestan<\/em><a href=\"https:\/\/www.wiener-staatsoper.at\/ensemble-gaeste\/detail\/artist\/413-jovanovich-brandon\/\">Brandon Jovanovich<\/a><em>Leonore<\/em><a href=\"https:\/\/www.wiener-staatsoper.at\/ensemble-gaeste\/detail\/artist\/2580-kampe-anja\/\">Anja Kampe<\/a><em>Rocco<\/em><a href=\"https:\/\/www.wiener-staatsoper.at\/ensemble-gaeste\/detail\/artist\/2819-fischesser-christof\/\">Christof Fischesser<\/a><em>Marzelline<\/em><a href=\"https:\/\/www.wiener-staatsoper.at\/ensemble-gaeste\/detail\/artist\/2165-zamecnikova-slavka\/\">Sl\u00e1vka Z\u00e1me\u010dn\u00edkov\u00e1<\/a><em>Jaquino<\/em><a href=\"https:\/\/www.wiener-staatsoper.at\/ensemble-gaeste\/detail\/artist\/2064-jenz-daniel\/\">Daniel Jenz<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2>INHALT<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Kurzinhalt:&nbsp;<\/strong>Als Mann verkleidet und unter dem Namen Fidelio arbeitet die zu allem entschlossene Leonore als Gehilfe in einem Gef\u00e4ngnis. Sie plant die Befreiung ihres dort unschuldig inhaftierten Ehemannes Florestan, der es gewagt hatte, die verbrecherischen Machenschaften des m\u00e4chtigen Gouverneurs Don Pizarro aufzudecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele sehen in&nbsp;<em>Fidelio<\/em>&nbsp;\u2014 mit dem apotheotischen Schlussjubel, der die Ideale&nbsp;der Freiheit, Gleichheit und Br\u00fcderlichkeit verherrlicht \u2014 die Freiheitsoper&nbsp;schlechthin. Vision\u00e4r zeigt Beethoven, dass Glaube, Liebe, Hoffnung aus&nbsp;dem Kleinen ins Gro\u00dfe wirken \u2014 und selbst politische Systeme ins Wanken&nbsp;bringen k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><br><a href=\"https:\/\/issuu.com\/wienerstaatsoper\/docs\/fidelio_programm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Digitales Programmheft (2,50\u20ac)<\/a><br>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>HANDLUNG<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vorgeschichte<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gouverneur eines spanischen Staatsgef\u00e4ngnisses, Don Pizarro, f\u00fchrt in seiner Anstalt ein Schreckensregiment. Unschuldige werden zu politischen Opfern seines brutalen Zugriffs. Don Florestan aus Sevilla will diese Willk\u00fcrakte aufkl\u00e4ren, ger\u00e4t aber dabei selbst in die Hand des Gewaltmenschen. Seit \u00fcber zwei Jahren schmachtet er in unmenschlicher Einzelhaft. Seine Freunde halten ihn f\u00fcr tot, nur seine Frau Leonore gibt den Verschollenen noch nicht verloren. Da sie Florestan in Gefangenschaft w\u00e4hnt, verdingt sie sich beim Kerkermeister Rocco als Schlie\u00dfer. In M\u00e4nnerkleidern und unter dem Namen Fidelio verrichtet sie schwere Arbeit, erwirbt sich das Vertrauen ihres Vorgesetzten und gewinnt sogar die Liebe seiner Tochter Marzelline.<\/p>\n\n\n\n<p>Erster Aufzug<\/p>\n\n\n\n<p>Vergeblich bem\u00fcht sich der Pf\u00f6rtner Jacquino um die Zuwendung Marzellines. Seit Fidelio im Haus ist, hat sie f\u00fcr sein Werben kein Ohr. Fidelio-Leonore kehrt von Erledigungen aus Sevilla zur\u00fcck. Rocco ist wieder vom Geschick und Pflichtbewusstsein seines neuen Gehilfen angetan: Bald schon sollen Fidelio und Marzelline ein Paar werden. Marzelline und Rocco tr\u00e4umen von einer behaglichen Zukunft, Jacquino sieht seine Aussichten schwinden, Fidelio-Leonore graut es vor der Ungewissheit. Da tritt Don Pizarro auf. Aus einem vertraulichen Schreiben erf\u00e4hrt er, dass der Minister seinem Amtsmissbrauch auf der Spur ist: Eine \u00fcberraschende Visite soll ihn endg\u00fcltig \u00fcberf\u00fchren. Pizarro reagiert prompt: Ein Posten beobachtet die Hauptstra\u00dfe, ein Trompetensignal soll den Besuch ank\u00fcndigen. Florestan, das prominenteste Opfer, muss schleunigst beseitigt werden. Da Rocco den Mord verweigert, wird der Gouverneur die Tat selbst vollziehen. Nur ein Grab im Verlies soll ihm der Kerkermeister zuvor schaufeln. Marzelline und Fidelio-Leonore erbitten von Rocco einen kurzen Ausgang f\u00fcr die leichteren Gefangenen. Voller Freude genie\u00dfen die H\u00e4ftlinge die warme Fr\u00fchlingssonne &#8211; vergeblich sp\u00e4ht Fidelio-Leonore nach einem vertrauten Gesicht. Sie erf\u00e4hrt vielmehr best\u00fcrzt von dem neuen Auftrag Roccos und will seine schwere Arbeit im Kerker teilen: Wird sie dem Gatten sein Grab bereiten helfen? Emp\u00f6rt hat Pizarro den Spaziergang der Gefangenen bemerkt und l\u00e4sst keine Rechtfertigung gelten. Nur der dringende Mordplan an Florestan verhindert schlimme Sanktionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zweiter Aufzug<\/p>\n\n\n\n<p>Im Kerker gr\u00fcbelt der ersch\u00f6pfte Florestan \u00fcber sein Schicksal. Seine Lage erscheint ihm aussichtslos, nur das Bewusstsein erf\u00fcllter Pflicht tr\u00f6stet ihn. In einer ekstatischen Vision f\u00fchlt er sich von einem Engel mit den Z\u00fcgen Leonores in die himmlische Freiheit entr\u00fcckt. Rocco und Fidelio-Leonore legen m\u00fchsam eine Zisterne frei. Florestan erf\u00e4hrt endlich, wer dieses Gef\u00e4ngnis leitet und will seine Gattin in Sevilla verst\u00e4ndigen lassen. Fidelio-Leonore wei\u00df nun sicher, wen sie vor sich hat. Eine kleine Labung mit Brot und Wein scheint Florestans letzte Freude zu sein, denn schon naht Pizarro. Aber als er zum t\u00f6dlichen Streich ausholt, stellt sich Fidelio-Leonore vor den Gefangenen: &#8222;T\u00f6t&#8216; erst sein Weib!&#8220; Dem Nachsetzenden h\u00e4lt sie eine Pistole vor, da ert\u00f6nt das Trompetensignal. Die Ankunft des Ministers verhei\u00dft einen Umschwung: Befreiung f\u00fcr die Unterdr\u00fcckten, Strafe f\u00fcr den Unterdr\u00fccker. Pizarro eilt aus dem Kerker, Rocco sagt sich von seinem alten Herrn los, Leonore und Florestan sinken einander gl\u00fccklich in die Arme. &#8211; Das Volk und die Strafgefangenen begr\u00fc\u00dfen auf dem Paradeplatz vor dem Schloss erwartungsvoll den Minister, Don Fernando. Im Auftrag des K\u00f6nigs verk\u00fcndet er allgemeine Amnestie und das Ende der politischen Willk\u00fcr. In Florestan erkennt er seinen totgesagten Freund wieder. Leonore darf die Ketten des lange Gedem\u00fctigten l\u00f6sen, Pizarro wird festgenommen. Der befreite Jubel gilt dem wiedervereinten Paar, ein Lobpreis feiert die treue Liebe. ,,Nie wird es zu hoch besungen, Retterin des Gatten sein!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/tickets.wiener-staatsoper.at\/webshop\/webticket\/seatmap?eventId=439\">https:\/\/tickets.wiener-staatsoper.at\/webshop\/webticket\/seatmap?eventId=439<\/a><\/p>\n\n\n\n<h1>DIE WIENER STAATSOPER<\/h1>\n\n\n\n<p>Als eines der international bedeutendsten Opernh\u00e4user blickt die Wiener Staatsoper sowohl auf eine traditionsreiche Vergangenheit zur\u00fcck als auch auf eine vielseitige Gegenwart: Jede Spielzeit stehen in rund 350 Vorstellungen mehr als 60 verschiedene Opern- und Ballettwerke auf dem Spielplan. Allabendlich sind neben den fest engagierten Ensemblemitgliedern internationale Stars auf der B\u00fchne und am Dirigentenpult zu erleben, im Graben begleitet von einem einzigartigen Orchester: dem Staatsopernorchester, dessen Musiker in Personalunion den Klangk\u00f6rper der Wiener Philharmoniker bilden.<\/p>\n\n\n\n<h1>DIREKTION<\/h1>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><th scope=\"row\">DIREKTOR<\/th><td><a href=\"https:\/\/www.wiener-staatsoper.at\/staatsoper\/das-haus\/personalia\/bogdan-roscic\/\">Dr. Bogdan Ro\u0161\u010di\u0107<\/a><\/td><\/tr><tr><th scope=\"row\">MUSIKDIREKTOR<\/th><td><a href=\"https:\/\/www.wiener-staatsoper.at\/ensemble-gaeste\/oper\/detail\/artist\/2222-jordan-philippe\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Philippe Jordan<\/a><\/td><\/tr><tr><th scope=\"row\">BALLETTDIREKTOR<\/th><td><a href=\"https:\/\/www.wiener-staatsoper.at\/ensemble-gaeste\/detail\/artist\/1976-schlaepfer-martin\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Martin Schl\u00e4pfer<\/a><\/td><\/tr><tr><th scope=\"row\">KAUFM\u00c4NNISCHE GESCH\u00c4FTSF\u00dcHRERIN<\/th><td><a href=\"https:\/\/www.wiener-staatsoper.at\/staatsoper\/das-haus\/personalia\/petra-bohuslav\/\">Dr. Petra Bohuslav<\/a><\/td><\/tr><tr><th scope=\"row\">&nbsp;<\/th><td>&nbsp;<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<h1>GESCHICHTE<\/h1>\n\n\n\n<p>Geplant wurde das Opernhaus von den Wiener Architekten August von Sicardsburg, der den Grundplan entwarf, und Eduard van der N\u00fcll, der die Innendekoration gestaltete. Aber auch andere bedeutende K\u00fcnstler wirkten mit. Etwa Moritz von Schwind, der die Fresken im Foyer und den ber\u00fchmten \u00bbZauberfl\u00f6ten\u00ab-Freskenzyklus in der Loggia malte. Die beiden Architekten erlebten die Er\u00f6ffnung \u00bbihres\u00ab Opernhauses nicht mehr. Der sensible van der N\u00fcll beging Selbstmord, sein Freund Sicardsburg erlag wenig sp\u00e4ter einem Schlaganfall.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 25. Mai 1869 wurde das Haus mit Mozarts \u00bbDon Giovanni\u00ab&nbsp;in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth feierlich er\u00f6ffnet. Mit der k\u00fcnstlerischen Ausstrahlung unter den ersten Direktoren Franz von Dingelstedt, Johann Herbeck, Franz Jauner und Wilhelm Jahn wuchs jedoch auch die Popularit\u00e4t des Bauwerkes. Einen ersten H\u00f6hepunkt erlebte die Wiener Oper unter dem Direktor Gustav Mahler, der das veraltete Auff\u00fchrungssystem von Grund auf erneuerte, Pr\u00e4zision und Ensemblegeist st\u00e4rkte und auch bedeutende bildende K\u00fcnstler (darunter Alfred Roller) zur Formung der neuen B\u00fchnen\u00e4sthetik heranzog.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein dunkles Kapitel in der Geschichte des Hauses sind die Jahre von 1938 bis 1945, als im Nationalsozialismus viele Mitglieder des Hauses verfolgt, vertrieben und ermordet wurden, zahlreiche Werke nicht mehr gespielt werden durften. Am 12. M\u00e4rz 1945 wurde das Haus am Ring durch Bombentreffer weitgehend verw\u00fcstet, doch bereits am 1. Mai 1945 wurde die \u00bbStaatsoper in der Volksoper\u00ab&nbsp;mit einer Auff\u00fchrung von Mozarts \u00bbLe&nbsp;nozze di Figaro\u00ab&nbsp;er\u00f6ffnet, am 6. Oktober 1945 folgte die Wiederer\u00f6ffnung des in aller Eile restaurierten Theaters an der Wien mit Beethovens \u00bbFidelio\u00ab. Damit gab es f\u00fcr die n\u00e4chsten zehn Jahre zwei Spielst\u00e4tten, w\u00e4hrend das eigentliche Stammhaus mit gro\u00dfem Aufwand wiedererrichtet wurde. Schon am 24. Mai 1945 hatte der Staatssekret\u00e4r f\u00fcr \u00f6ffentliche Bauten, Ing. Julius Raab, den Wiederaufbau der Wiener Staatsoper verk\u00fcndet. Nur die Hauptfassade, die Feststiege und das Schwindfoyer waren von den Bomben verschont geblieben &#8211; mit neuem Zuschauerraum und modernisierter Technik wurde die Wiener Staatsoper glanzvoll mit Beethovens \u00bbFidelio\u00ab&nbsp;unter Karl B\u00f6hm am 5. November 1955 wiederer\u00f6ffnet. Die Er\u00f6ffnungsfeierlichkeiten wurden vom \u00d6sterreichischen Fernsehen \u00fcbertragen und in der ganzen Welt zugleich als Lebenszeichen der neuerstandenen 2. Republik verstanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute gilt die Wiener Staatsoper als eines der wichtigsten Opernh\u00e4user der Welt, vor allem als das Haus mit dem gr\u00f6\u00dften Repertoire. Direktor ist seit 1. Juli 2020 Bogdan Ro\u0161\u010di\u0107, Ballettdirektor ist Martin Schl\u00e4pfer.<\/p>\n\n\n\n<h1>ARCHITEKTUR<\/h1>\n\n\n\n<h2><a href=\"https:\/\/www.wiener-staatsoper.at\/staatsoper\/das-haus\/geschichte-architektur\/architektur\/#accordion-98\" class=\"\">&nbsp;AUSSENANSICHT<\/a><\/h2>\n\n\n\n<p>Betrachtet man das Geb\u00e4ude vom Opernring aus, also von seiner Vorderfront her, so hat man jenen historischen Teil vor sich, der vom urspr\u00fcnglichen Bau von 1869 erhalten geblieben ist. Die Fassaden sind im Renaissance-Bogenstil gehalten, die Loggia der Ringstra\u00dfenseite soll den \u00f6ffentlichen Charakter des Geb\u00e4udes unterstreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden Reiterdarstellungen \u00fcber der Hauptfassade der Loggia wurden erst 1876 aufgestellt. Sie wurden von Ernst Julius H\u00e4hnel geschaffen und stellen zwei gefl\u00fcgelte Pferde dar, die von der Harmonie und der Muse der Poesie (Erato) gef\u00fchrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenfalls von H\u00e4hnel stammen die f\u00fcnf Bronzestatuen (von links nach rechts: Heroismus, Melpomene, Phantasie, Thalia und Liebe) die auf Podesten in den Arkadenb\u00f6gen der Loggia stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Rechts und links des Hauses befinden sich die beiden alten Brunnen von Josef Gasser. Sie stellen gegens\u00e4tzliche Welten dar. Links: \u00bbMusik, Tanz, Freude, Leichtsinn\u00ab, rechts: \u00bbLoreley, Trauer, Liebe, Rache\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Der hintere Teil des zweiteiligen Baus, ist deutlich breiter und enth\u00e4lt die B\u00fchne und die dazugeh\u00f6rigen R\u00e4umlichkeiten, der schm\u00e4lere Vorderteil enth\u00e4lt das Auditorium und dem Publikum zug\u00e4ngliche Nebenr\u00e4ume. Bemerkenswert sind die unterschiedlichen Dachformen: das allseitig gew\u00f6lbte Dach \u00fcber dem alle Nebenr\u00e4ume \u00fcberragenden Kernbau der Anlage, bestehend aus Auditorium und B\u00fchne, die Walmd\u00e4cher der Quertrakte, die Satteld\u00e4cher der zweigeschossigen Verbindungsbauten zwischen den Quertrakten und die franz\u00f6sische D\u00e4cher der Eckt\u00fcrme.<\/p>\n\n\n\n<p>Die senkrecht auf den Haupttrakt stehenden Querfl\u00fcgel dienten urspr\u00fcnglich als Wagenvorfahrten. An den Quertraktfronten findet man die Wappendarstellungen der \u00f6sterreichisch-ungarischen Monarchie.<\/p>\n\n\n\n<h2><a href=\"https:\/\/www.wiener-staatsoper.at\/staatsoper\/das-haus\/geschichte-architektur\/architektur\/#accordion-96\" class=\"\">&nbsp;DAS HAUS VON INNEN<\/a><\/h2>\n\n\n\n<p>Betritt man durch eine der T\u00fcren der Hauptfront das Kassenvestib\u00fcl, das in seiner urspr\u00fcnglichen Form erhalten geblieben ist, so gewinnt man einen unmittelbaren Eindruck vom Interieur des alten Opernhauses. In der urspr\u00fcnglichen Form erhalten blieben die ganze Hauptfront und mit ihr das Hauptvestib\u00fcl, die zentrale Treppenanlage (deren unterer Teil auch \u00bbFeststiege\u00ab&nbsp;genannt wird), Schwindfoyer und Loggia sowie der Teesalon im ersten Stock. Auf dem ersten Absatz der Feststiege, seitlich vom zentralen Eingang zu den Parterrelogen, sind die Portr\u00e4ts der beiden Erbauer August Sicard von Sicardsburg und Eduard van der N\u00fcll angebracht: zwei Medaillons, entworfen von dem Bildhauer Josef Cesar. Dar\u00fcber sieht man zwei Hochreliefdarstellungen von Johann Preleuthner, die \u00bbBallett\u00ab&nbsp;und \u00bbOper\u00ab&nbsp;symbolisieren. Eine besondere Zierde des Treppenhauses ist das Deckengem\u00e4lde \u00bbFortuna, ihre Gaben streuend\u00ab&nbsp;nach einem Entwurf von Franz Dobiaschofsky. Von ihm stammen auch die drei in den Rundb\u00f6gen befindlichen Wandgem\u00e4lde auf Leinwand, die Ballett, komische und tragische Oper darstellen. Die sieben von Josef Gasser gestalteten allegorischen Statuen stellen die sieben freien K\u00fcnste (Baukunst, Bildhauerei, Dichtkunst, Tanz, Tonkunst, Schauspiel und Malerei) dar.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Prunkst\u00fcck des historischen Traktes ist der Teesalon (vormals Kaisersalon), der sich zwischen Feststiege und Mittelloge befindet. Die einstige Hoffestloge war, ebenso wie der dazugeh\u00f6rige Teesalon, dem Hof vorbehalten. Das Deckengem\u00e4lde von Karl Madjera (\u00bbDie Musik auf Adlerschwingen\u00ab) mit den Darstellungen von lyrischer und tragischer Musik zu den Seiten, ist in frischen Farben erhalten. Decke und W\u00e4nde zieren 22kar\u00e4tiges Blattgold. Weiters zu sehen sind Bildhauerarbeiten von August La Ligne, Wandstickereien aus dem Atelier Giani und Tapisserien mit den Initialen Franz Josephs I.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Pausens\u00e4le der Staatsoper umrahmen das Haupttreppenhaus mit einer rund 120 Meter langen Kette zusammenh\u00e4ngender R\u00e4ume. Rechts vom Stiegenhaus erstreckt sich der sogenannte Gustav Mahler-Saal, der bis Mai 1997 den Namen Gobelinsaal trug, benannt nach den von Rudolf Eisenmenger entworfenen Gobelins mit Motiven aus Mozarts \u00bbZauberfl\u00f6te\u00ab, die seine W\u00e4nde zieren. In diesem Raum hatte sich bis 1944 die Direktionskanzlei befunden, hier amtierten alle Direktoren von Dingelstedt bis Karl B\u00f6hm. 100 Jahre nach Gustav Mahlers Dirigentendeb\u00fct an der Hofoper (11. Mai 1897), dem wenig sp\u00e4ter seine Bestellung zum Direktor folgte, wurde der Raum nach ihm benannt. Seitdem ziert auch ein Portr\u00e4t des K\u00fcnstlers von R. B. Kitaj die Stelle, an der einst Mahlers Arbeitszimmer lag. Ein Mauerdurchbruch schuf die unmittelbare Verbindung zwischen Gustav Mahler-Saal und dem original erhalten gebliebenen Foyer (in fr\u00fcheren Zeiten \u00bbPromenadensaal\u00ab). Sechzehn \u00d6lgem\u00e4lden nach Kartons von Moritz von Schwind verdankt dieser prachtvolle Saal auch seinen Beinamen \u00bbSchwindfoyer\u00ab. Die Gem\u00e4lde stellen einstmals bekannte, heute zum Teil kaum mehr gespielte Werke des Opernrepertoires sowie ein Konzertst\u00fcck dar. In der Loggia findet man den von Moritz von Schwind gemalten Zauberfl\u00f6ten-Zyklus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wiederaufbau<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Bombardement der Wiener Staatsoper am 12. M\u00e4rz 1945 wurde noch w\u00e4hrend des Krieges mit der Beseitigung der Schuttmassen begonnen, es folgten Sicherungsarbeiten und statische Untersuchungen sowie die langwierigen, aufgrund des Baumaterial- und Arbeitskr\u00e4ftemangels mehrere Jahre in Anspruch nehmenden Aufr\u00e4umungs- sowie Restaurierungsarbeiten. Die Staatsoper, eines der bedeutendsten identit\u00e4tsstiftenden Denkmale \u00d6sterreichs, sollte wie der Stephansdom als Erstes wiederaufgebaut werden. Im Jahr 1946 rief man daf\u00fcr das beratende Opernbaukomitee ins Leben, 1947 den Wiederaufbaufonds. Nach zwei Wettbewerben zur Erlangung von k\u00fcnstlerischen Entw\u00fcrfen f\u00fcr den Wiederaufbau des Zuschauerhauses \u2013 einem offenen Ideenwettbewerb, der kaum Zuspruch fand, sowie einem geladenen Wettbewerb \u2013 wurde im Prinzip zugunsten jenes Bauprogramms entschieden, das die staatliche Bauleitung bereits in einem Grundentwurf 1946 vor den Wettbewerben ausgearbeitet hatte. Erich Boltenstern erhielt 1949 den Auftrag f\u00fcr die k\u00fcnstlerische Gesamtleitung des Wiederaufbaus sowie f\u00fcr die Gestaltung des Zuschauerraumes nach fr\u00fcherem Vorbild, die Architekten Ceno Kosak sowie Otto Prossinger \/ Fritz Cevela wurden mit der Neugestaltung des heutigen Gustav Mahler-Saals und des Marmorsaals betraut.<\/p>\n\n\n\n<p>War man von einem beinahe originalgetreuen Wiederaufbau des von Eduard van der N\u00fcll und August Sicard von Sicardsburg in den 1860er-Jahren entworfenen Zuschauerraumes ausgegangen \u2013 inklusive der sichtbehindernden, technisch nicht notwendigen Galeries\u00e4ulen \u2013, konnte Erich Boltenstern im Laufe der Jahre mit viel \u00dcberzeugungskraft doch noch eine st\u00fctzenfreie Gestaltung der beiden R\u00e4nge durchsetzen. Der Zuschauerraum rekurriert mit seiner rot-gold-elfenbeinernen Farbgebung stark auf die Gestaltung des 19. Jahrhunderts, gleichzeitig kommt es zu einer Vereinfachung der Logengestaltung, zur Reduzierung und Vereinfachung des Ornaments und plastischen Dekors sowie zum vollst\u00e4ndigen Verzicht auf eine malerische Ausgestaltung. Boltenstern selbst spricht von einer \u00bbL\u00f6sung au\u00dferhalb des Zeitgeschehens in der modernen Architektur\u00ab und beklagt, dass eine st\u00e4rkere Abstrahierung des Ornamentalen von Seiten des Auftraggebers abgelehnt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Robert Obsieger entwickelte mit dem Architekten die aus wenigen Grundelementen (profilierte Bl\u00e4tter und St\u00e4be) bestehenden Dekorelemente, w\u00e4hrend Hilda Schmid-Jesser, die einzige K\u00fcnstlerin beim Wiederaufbau, f\u00fcr die endg\u00fcltige Fassung verantwortlich zeichnete. Der Raum verliert durch diese reduzierte Formensprache von seiner ehemaligen historistischen Schwere, bewahrt aber seinen repr\u00e4sentativen Charakter. Als Vorbild f\u00fcr die Entscheidung gegen eine Neugestaltung und f\u00fcr die Wiedererrichtung nach altem Vorbild diente der Wiederaufbau der Mail\u00e4nder Scala im Jahr 1946. Wie beim Hofopernbau des 19. Jahrhunderts kann auch bei der wiedererbauten Oper von einem Gesamtkunstwerk gesprochen werden, stammen doch neben der Architektur auch s\u00e4mtliche Einrichtungsgegenst\u00e4nde wie Sessel, B\u00e4nke, Pulte, Buffets, Garderoben, Lampen, Spiegel bis hin zu den T\u00fcrgriffen und Notenst\u00e4ndern aus \u00bbeiner\u00ab Hand. Auch hier zeichneten die jeweiligen Architekten f\u00fcr \u00bbihre\u00abR\u00e4ume verantwortlich, das Gleiche gilt f\u00fcr die Wahl der K\u00fcnstler f\u00fcr die malerische, plastische und kunsthandwerkliche Ausgestaltung. Erich Boltenstern hatte Wander Bertoni f\u00fcr zwei Reliefs in einem Foyer und Giselbert Hoke f\u00fcr die beiden monumentalen Wandbilder in den Rauchsalons eingeladen, den Festsaal von Otto Prossinger \/Felix Cevela stattete Heinz Leinfellner mit gro\u00dfformatigen Marmorarbeiten aus, w\u00e4hrend Rudolf Hermann Eisenmenger f\u00fcr die Tapisserien des Gobelinsaals, heute Gustav Mahler-Saal, die Entw\u00fcrfe lieferte. Bei dem eigens f\u00fcr den Eisernen Vorhang ausgeschriebenen Wettbewerb \u2013 insgesamt gab es vier Wettbewerbsrunden mit insgesamt 16 K\u00fcnstlern \u2013 konnte sich ebenfalls Rudolf Hermann Eisenmenger durchsetzen und einen traditionellen, eher fantasielosen, antikisierenden Entwurf zur Ausf\u00fchrung bringen (der&nbsp;<em>Bild Telegraph<\/em>&nbsp;sprach von \u00bbOrpheus und Eurydike im KdF-Stil\u00ab). Die N\u00e4he des K\u00fcnstlers zum Nationalsozialismus und vor allem der Umgang der seinerzeit f\u00fcr den Wiederaufbau Verantwortlichen mit diesem Umstand f\u00fchrten \u00fcber 40 Jahre sp\u00e4ter schlie\u00dflich zu einem Ausstellungsprojekt, bei dem der Eiserne Vorhang des Jahres 1955 als tempor\u00e4rer Bildtr\u00e4ger f\u00fcr j\u00e4hrlich wechselnde Vorhangentw\u00fcrfe zeitgen\u00f6ssischer Kunstschaffender dient. W\u00e4hrend der von Ceno Kosak gestaltete und mit den Tapisserien von Eisenmenger ausgestattete Gobelinsaal mit seiner bem\u00fchten Repr\u00e4sentationsarchitektur eher an die Architektur der vergangenen Jahre des Nationalsozialismus anzuschlie\u00dfen scheint (\u00bbBeamtenbarock\u00ab), kann der Wiederaufbau des Zuschauerhauses durch Erich Boltenstern sowie der Marmorsaal von Otto Prossinger \/ Felix Cevela als qualitativ hochwertig, stilistisch jedoch eher konservativ, der gem\u00e4\u00dfigten Moderne zugeh\u00f6rig bezeichnet werden. Erich Boltenstern ist nicht zu den gro\u00dfen Modernen der Architektur des 20. Jahrhunderts zu z\u00e4hlen, doch zeigen Vergleiche mit seinen zeitnah entstandenen Werken, dass sich hier vor allem das Kunstwollen der Auftraggeber und nicht jenes des Architekten durchsetzen konnte. Trotzdem, und wahrscheinlich ist das die wirkliche Leistung Boltensterns, vermittelt die Wiener Staatsoper, wenn wir sie heute betreten, das Gef\u00fchl eines geschlossenen Ganzen, bei dem alte und neue Bereiche ohne viel Aufhebens harmonisch ineinander \u00fcbergehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Anna Stuhlpfarrer (gek\u00fcrzt aus: Wiener Staatsoper, Der Wiederaufbau 1945-1955, Molden Verlag, Wien, 2019<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.wiener-staatsoper.at\/staatsoper\/das-haus\/geschichte-architektur\/mahler-saalmarmorsaal\/\">Gutachten zur k\u00fcnstlerischen Ausgestaltung der Pausens\u00e4le in der Wiener Staatsoper 1949-1955<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2><a href=\"https:\/\/www.wiener-staatsoper.at\/staatsoper\/das-haus\/geschichte-architektur\/architektur\/#accordion-100\" class=\"\">&nbsp;B\u00dcHNENHAUS<\/a><\/h2>\n\n\n\n<p>Das B\u00fchnenhaus wurde im Zuge des Wiederaufbaus nach dem Kriege innerhalb der bestehenden Grundmauern neuerrichtet. Hier wurde ausreichend Platz f\u00fcr Probens\u00e4le geschaffen, an denen ein empfindlicher Mangel geherrscht hatte. Weiters brachte man hier nebst einer Theaterkantine auch die aus dem Zuschauerhaus ausgelagerten Direktionsr\u00e4ume mit allen administrativen Nebenr\u00e4umen unter. Die meisten R\u00e4umlichkeiten, einschlie\u00dflich der K\u00fcnstlergarderoben, sind mit einer Lautsprecher- und einer Videomonitor-Anlage ausgestattet, die es erlauben, das B\u00fchnengeschehen laufend zu verfolgen.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Sommermonaten 1991 bis 1993 sowie in einer l\u00e4ngeren Schlie\u00dfzeit von Juli bis Mitte Dezember 1994 wurde die Wiener Staatsoper umfangreichen Erneuerungsarbeiten unterzogen. Auf den neuesten technischen Stand gebracht, erm\u00f6glichen seither die hydraulisch betriebenen Hubpodien und neue elektromechanische Prospektaufz\u00fcge einen noch pr\u00e4ziseren und st\u00f6rungsfreien B\u00fchnenbetrieb. Die Elektroanspeisung der Staatsoper, die bis dahin \u00fcber die Hofburg erfolgt war, ist seit dem Umbau zwei Umspannwerken anvertraut. W\u00e4hrend diese Ma\u00dfnahmen, ebenso wie neue Heizungs-, L\u00fcftungs-, Brandschutz- und Brandmeldesysteme, f\u00fcr das Publikum unsichtbar blieben, fanden auch im Zuschauerraum Renovierungsarbeiten statt: etwa Malerarbeiten und die Montage einer neuen Logenbestuhlung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenfalls im Rahmen der Schlie\u00dfzeit wurde ein bis dahin ungen\u00fctzten Raum unter dem Walmdach der Staatsoper zu einem ein neuen Probensaal ausgebaut. Akustisch so adaptiert, dass er nicht nur f\u00fcr szenische, sondern auch f\u00fcr Orchesterproben nutzbar ist. Am 1. September 1995 wurde dieser Saal seiner Bestimmung \u00fcbergeben. Sein Name, \u00bbProbeb\u00fchne Eberhard Waechter\u00ab, h\u00e4lt das Andenken an den verstorbenen S\u00e4nger und Staatsoperndirektor lebendig.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 2. November 2004 wurde die gr\u00f6\u00dfte Probeb\u00fchne der Wiener Staatsoper in Carlos Kleiber Probeb\u00fchne umbenannt. Auf diese Weise wird das Andenken an den au\u00dfergew\u00f6hnlichen Dirigenten Carlos Kleiber, der trotz seiner zahlenm\u00e4\u00dfig eher geringen Auftritte Interpretationsgeschichte geschrieben hat, hochgehalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben diesen Probens\u00e4len besitzt die Staatsoper heute drei S\u00e4le f\u00fcr Ensembleproben mit Chor und Orchester sowie den Orgelsaal im 6. Stock. Dieser Raum dient nicht nur dem Probenbetrieb: seinen Namen erhielt er von der gro\u00dfen Orgel mit 2.500 Pfeifen (die Staatsoper ist weltweit das einzige Opernhaus mit einer so gro\u00dfen Pfeifenorgel), deren Klang bei Bedarf in den Zuschauerraum \u00fcbertragen wird. Auch andere akustische Eindr\u00fccke werden live aus dem Orgelsaal zugespielt, so etwa das H\u00e4mmern der Ambosse in Wagners \u00bbRheingold\u00ab. Weiters verf\u00fcgt die Staatsoper \u00fcber zehn akustisch isolierte Solo\u00fcbungsr\u00e4ume sowie einen gro\u00dfen und einen kleinen Ballettprobensaal.<\/p>\n\n\n\n<h2><a href=\"https:\/\/www.wiener-staatsoper.at\/staatsoper\/das-haus\/geschichte-architektur\/architektur\/#accordion-102\" class=\"\">&nbsp;ZUSCHAUERRAUM<\/a><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Mittelloge gew\u00e4hrt einen eindrucksvollen Blick auf den hufeisenf\u00f6rmigen Zuschauerraum, der nach dem Zweiten Weltkrieg vollst\u00e4ndig neu aufgebaut werden mu\u00dfte. Erich Boltenstern, Professor der Technischen Hochschule und der Akademie der Bildenden K\u00fcnste in Wien, wurde aufgrund eines Wettbewerbs mit der Ausf\u00fchrung des Zuschauerraums, der neuen Stiegenaufg\u00e4nge auf die ehemalige 3. Galerie, s\u00e4mtlicher Publikumsgarderoben und der Pausenr\u00e4ume in den oberen R\u00e4ngen betraut; die Architekten Otto Prossinger, Ceno Kosak und Felix Cevela \u00fcbernahmen die Ausgestaltung der Pausenr\u00e4ume im ersten Rang. Die Grundgestalt des Logentheaters mit drei Logenr\u00e4ngen und zwei offenen R\u00e4ngen (Balkon und Galerie) nach den Pl\u00e4nen Sicardsburgs und van der N\u00fclls wurde beibehalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Fassungsraum des Auditoriums betr\u00e4gt statt wie zuvor 2881 nun 2284 Pl\u00e4tze (davon 1709 Sitz-, 567 Steh-, 4 Rollstuhl- und 4 Begleiterpl\u00e4tze). Die Verringerung der Anzahl ist durch strengere bau- und feuerpolizeiliche Vorschriften bedingt. Die Logenbr\u00fcstungen aus Eisenbeton wurden aus akustischen Gr\u00fcnden mit Holz verkleidet (die Akustik des Wiener Opernhauses ist von beispielloser Brillanz). Einige der seitlichen oberen Rangsitze mit eingeschr\u00e4nkter Sicht wurden mit Lampen zum Mitlesen ausgestattet. Die traditionellen Farben Rot-Gold-Elfenbein f\u00fcr das Auditorium wurden \u00fcbernommen, der gro\u00dfe Mittelluster wurde aus Sicherheitsgr\u00fcnden durch einen in die Decke eingebauten Beleuchtungskranz aus Kristallglas ersetzt. Dieser wiegt etwa 3000 Kilogramm und beinhaltet 1100 Gl\u00fchbirnen. Die Konstruktion hat einen Durchmesser von 7 Metern, ist 5 Meter hoch und bietet Raum f\u00fcr einen Beleuchterstand und G\u00e4nge zur Wartung des Lichtkranzes.<\/p>\n\n\n\n<p>Rudolf Eisenmenger gestaltete den eisernen Vorhang, der den Zuschauerraum von der B\u00fchne trennt. Er zeigt ein Motiv aus Glucks Oper Orpheus und Eurydike. Im Fr\u00fchjahr 1998 wurde museum in progress mit der Realisierung einer Serie von Gro\u00dfbildern &#8211; eines pro Saison &#8211; f\u00fcr die Staatsoper beauftragt. Die Umsetzung und Fixierung der Bilder erfolgt \u00fcber ein eigens entwickeltes Verfahren, das sowohl die Erhaltung des Eisenmenger-Bildes als auch eine optimale Qualit\u00e4t des neu zu schaffenden zeitgen\u00f6ssischen Werkes garantiert. Mit der Schaffung eines Museumsraumes in der Wiener Staatsoper entspricht das Traditionsgeb\u00e4ude seiner Verantwortung, gegen\u00fcber zeitgen\u00f6ssischen k\u00fcnstlerischen Entwicklungen offen zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Orchestergraben beherbergt allabendlich die Musiker des vielleicht ber\u00fchmtesten Ensembles der Welt: aus den Mitgliedern des Staatsopernorchesters rekrutieren sich die Wiener Philharmoniker. Der Orchesterraum bietet mit seiner Gr\u00f6\u00dfe von 123m2 etwa 110 Musikern Platz.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Feuersicherung dienen drei eiserne Vorh\u00e4nge: die Hauptkurtine, welche die B\u00fchne vom Zuschauerraum trennt, und zwei weitere, die Seiten- und Hinterb\u00fchne feuersicher abschlie\u00dfen. Im \u00fcbrigen wurde schon bei der technischen Konstruktion der neuen Hausteile auf gr\u00f6\u00dfte Sicherheit hingezielt: die fr\u00fcheren Holzdecken wurden durch Stahlbetondecken ersetzt. Anstelle des einstmaligen Schieferdaches mit Zwischenschindeln aus Holz trat eine feuer-, wasser- und windsichere Kupferhaut auf einer d\u00fcnnen Eisenbetonschale, womit ein Wunsch des Architekten van der N\u00fcIl versp\u00e4tet in Erf\u00fcllung ging.<\/p>\n\n\n\n<h2><a href=\"https:\/\/www.wiener-staatsoper.at\/staatsoper\/das-haus\/geschichte-architektur\/architektur\/#accordion-104\" class=\"\">&nbsp;EISERNER VORHANG<\/a><\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/www.wiener-staatsoper.at\/fileadmin\/_processed_\/2\/6\/csm_Cao_Fei__The_New_Angel__2022__Eiserner_Vorhang__museum_in_progress__Wiener_Staatsoper__2022_2023__Grossbild__Copyright-_museum_in_progress_9f58b9910e.jpeg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Cao Fei \u2013 The New Angel<br>Eiserner Vorhang 2022 \/ 23<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbMein digitaler Avatar China Tracy lebt in der virtuellen Welt. Im Opernhaus gleicht das riesige Portr\u00e4t einer ruhigen Skulptur. China Tracy ist still und mitf\u00fchlend, wie eine Buddha-Statue. Sie beobachtet die reale Welt schweigend und blickt vom schweren B\u00fchnenvorhang, ohne Antworten zu geben.\u00ab&nbsp;<\/em><em>(Cao Fei)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im Proszenium erscheint ein Gesicht. Es ist \u00bbChina Tracy\u00ab \u2013 der Avatar der K\u00fcnstlerin Cao Fei, das Spiegelbild ihres Alter Egos. Die digitale H\u00fclle China Tracys gleicht einer Ansammlung visueller Stereotypen einer \u00bbKriegerin\u00ab: Der doppelte Haarknoten ist von Chun-Li aus dem Film Street Fighter angeregt, die R\u00fcstung ist eine gepixelte Nachbildung des Maschinenmenschen Maria aus Fritz Langs Metropolis. Dennoch wurde China Tracy nicht erschaffen, um zu k\u00e4mpfen, und sie ist auch keine \u00bbehrliche\u00ab Nachbildung Cao Feis in ihrem echten Leben. Schlie\u00dflich wurde sie in Second Life geboren, einer virtuellen Welt ohne fixe Handlungen, choreographierte Aktionen oder Missionen, in der man sich auch nicht der (anpassbaren) Schwerkraft, ja nicht einmal des (virtuellen) Todes sicher sein kann. Als \u00bbEinwohnerin\u00ab eines solch virtuellen Reiches bewegt sich China Tracy durch die von Benutzer-Inhalten gesteuerte virtuelle Welt, driftet oder teleportiert sich zwischen virtuellen St\u00e4dten hin und her. Durch ihre (virtuelle) physische Verbindung mit den Fingern Cao Feis auf der Computertastatur verk\u00f6rpert sie eine Erfahrung au\u00dferhalb herk\u00f6mmlicher r\u00e4umlicher Dimensionen. Diese in China Tracy versinnbildlichte Erfahrungswelt hat Cao Fei in ein (mittels Spiel-Engine inszeniertes) Machinima-Video mit dem Titel iMirror \u00fcberf\u00fchrt, das bei der 52. Biennale von Venedig zum ersten Mal gezeigt wurde. Das Publikum interagierte dort mit China Tracy in einem aufblasbaren Pavillon mit Kuppeldach. Man be\u00e4ugte sich im relativen Hohlraum zwischen Virtuellem und Tats\u00e4chlichem, wie Sterne, die am Rande lokaler Blasen im Universum blinken.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erschaffung von China Tracy l\u00e4utete auch die Entstehung von RMB City (2009\u20132011) ein, einer von Cao Fei in Second Life erbauten virtuellen Stadt. Fragmente chinesischer Stadtlandschaften f\u00fcgen sich collageartig auf einer virtuellen Plattform zusammen. Dabei verbinden sich Versatzst\u00fccke einer ungebremsten Urbanisierung des realen Lebens zu einer multiperspektivischen Bildrolle. Der \u00bbVolkspalast\u00ab als Kernarchitektur von RMB City gleicht einem Hybrid zwischen der Gro\u00dfen Halle des Volkes und den Wacht\u00fcrmen am Tor des Himmlischen Friedens in Peking, dessen unterer Teil von einem Wasserpark eingenommen wird. An der K\u00fcste der virtuellen Stadt ruht halb im digitalen Meer versunken ein verrostetes \u00bbVogelnest\u00ab (das f\u00fcr die Olympischen Spiele 2008 von Herzog &amp; de Meuron geplante Nationalstadion in Peking); die von Rem Koolhaas entworfene Sendezentrale von China Central Television schwebt am Himmel, dessen digitales Blau an den Film Die Truman Show denken l\u00e4sst. In RMB City verdichten sich Chinas Sehensw\u00fcrdigkeiten, Stadtr\u00e4ume und gesellschaftliche Realit\u00e4ten mit ihren Ausnahmen, Ausschl\u00fcssen, Unvereinbarkeiten und Widerspr\u00fcchen. Dennoch wird RMB City, errichtet in teleologischer Distanz, nie zum digitalen utopisch-dystopischen Doppelg\u00e4nger einer Stadt aus der realen Welt des Landes. Cao Fei erkl\u00e4rt, dass RMB City \u00bbweder die Gegenwart zur G\u00e4nze wiederherstellt, noch unsere Erinnerung an die Vergangenheit zur\u00fcckruft. Es ist ein nur zum Teil reflektierender Spiegel; wir sehen, woher wir gekommen sind, entdecken so manche \u201aZusammenh\u00e4nge\u2018, die die Grauzone zwischen dem Realen und dem Virtuellen f\u00fcllen.\u00ab Die Liminalit\u00e4t beziehungsweise der Schwellenzustand von RMB City zwischen Realit\u00e4t und Virtualit\u00e4t liegt zum Teil in der Zeitlichkeit begr\u00fcndet: Die Zeitzone der Stadt ist die Pacific Standard Time, wobei Sonnenaufg\u00e4nge und Sonnenunterg\u00e4nge sich wie im echten Leben regelm\u00e4\u00dfig wiederholen \u2013 allerdings alle vier Stunden anstatt alle vierundzwanzig; au\u00dferdem ist stets Vollmond. Alles dreht sich um spekulative Realit\u00e4ten, die sich wom\u00f6glich gar nicht mit unserem Lebensalltag decken.<\/p>\n\n\n\n<p>RMB City schloss 2011 offiziell die Pforten und ist seither aus Second Life verschwunden. Sie wurde zu einer unsichtbaren Stadt, die mit Bildern und Texten im Internet sowie in Form von Ausstellungskopien in Museen herumspukt. China Tracy ist noch nicht abgetreten und existiert weiter als Chenghuang von RMB City. (Ein Chenghuang ist die Schutzgottheit einer alten chinesischen Stadt, eine Verg\u00f6ttlichung ihrer Mauern und Gr\u00e4ben.) Sie h\u00e4lt einen Zweiwegspiegel zwischen Wirklichkeit und Virtualit\u00e4t und bezeichnet und verbindet so diese beiden nebeneinander existierenden Welten. W\u00e4hrend in unserem wirklichen Leben die \u00bbGrauzone\u00ab zwischen dem Virtuellen und dem Tats\u00e4chlichen immer gr\u00f6\u00dfer wird und Konzepte f\u00fcr ein Metaversum entwickelt werden, kann eine RMB City \u00fcberall entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Walter Benjamin beschreibt den Engel der Zeichnung Angelus Novus von Paul Klee als einen, der in die Vergangenheit blickt und der Zukunft, aus der ihm ein himmlischer Sturm entgegenbl\u00e4st, den R\u00fccken zuwendet. China Tracy ist ein \u00bbneuer Engel\u00ab, ein Engel unserer Zeit, mit einer ewigen Gegenwart vor Augen, in der Ereignisse gleichzeitig und in Echtzeitkommunikation auftauchen, sich entfalten und wieder in sich zusammenfallen, w\u00e4hrend man auf das dunkle Loch spekulativer, noch nicht ans Licht gekommener Zuk\u00fcnfte zusteuert, wie sie die mittlerweile l\u00e4ngst vergangene RMB City darstellt. Michel Serres bringt in \u00bbLa L\u00e9gende des anges\u00ab (Die Legende der Engel, 1993) Engel mit \u00bbNachrichten \u00fcbermittelnden Netzwerken\u00ab unserer Zeit in Verbindung, in der wir allesamt Nachrichten\u00fcberbringer sind. Serres bemerkte, dass die Engel sich hinter \u00bbden unsere Welt ausmachenden elementaren Str\u00f6mungen und Bewegungen\u00ab verbergen k\u00f6nnen. China Tracy verbirgt sich hinter einem Bild \u2013 ihrem eigenen Bild, erbleicht zu blassem, monochromem Grau. Bilder sind die Hauptelemente unseres Lebens als mit elektronischen Ger\u00e4ten verbundene Cyborgs, durch die Informationen kodiert, dekodiert und umkodiert werden. Jeder und jede von uns k\u00f6nnte China Tracy sein, und RMB City jeder sich zwischen dem Virtuellen und dem Tats\u00e4chlichen abzeichnende Zwischenraum.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Manifest von RMB City begr\u00fc\u00dft China Tracy die Besucherinnen und Besucher mit einem Gespr\u00e4ch aus Italo Calvinos \u00bbIl castello dei destini incrociati\u00ab (Das Schloss, darin sich Schicksale kreuzen, 1973), dessen Erz\u00e4hlung durch die Bilder auf Tarotkarten vorangetrieben wird. Der zitierte Dialog findet zwischen einem J\u00fcngling statt, der die Stufen zu einer Stadt hinaufgestiegen ist, und einem Engel mit einer Krone auf dem Kopf, den er dort oben trifft: \u00bbIst das deine Stadt?\u00ab fragt der J\u00fcngling, und der Engel antwortet: \u00bbEs ist deine.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p><em>Venus Lau<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Ausstellungsreihe \u00bbEiserner Vorhang\u00ab ist ein Projekt des museum in progress in Kooperation mit der Wiener Staatsoper und der Bundestheater\u00adHolding.<\/p>\n\n\n\n<p>Projektpartner:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.bmca-art.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Blue Mountain Contemporary (BMCA)<\/a><br>Support: ART for ART, Hotel Altstadt, Johann Kattus, Foto Leutner und PRIVAT BANK der Raiffeisenlandesbank Ober\u00f6sterreich<br>Medienpartner: Die Furche und Die Presse<br>Jury: Daniel Birnbaum, Bice Curiger, Hans-Ulrich Obrist<br>Text: Venus Lau, \u00dcbersetzung: Brigitte Willinger<br>Management: Kaspar M\u00fchlemann Hartl, Alois Herrmann<br>Produktion: Trevision<br>Copyright: Cao Fei und museum in progress.<br>Konzept: Kathrin Messner, Joseph Ortner, museum in progress<\/p>\n\n\n\n<p><strong>www.mip.at<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/www.wiener-staatsoper.at\/fileadmin\/_processed_\/a\/1\/csm_logos_-_print_Eiserner_Vorhang_5ddc847d66.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img\/><\/figure>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.mip.at\/projects\/eiserner-vorhang\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u2192 mip.at\/projects\/eiserner-vorhang<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Cao Fei<\/strong>&nbsp;(*1978, Guangzhou) pr\u00e4sentierte ihre Werke in zahllosen Ausstellungen weltweit, darunter: &nbsp;Centre Pompidou (Paris), Fondation Louis Vuitton (Paris), Guggenheim Museum (New York), K21 (D\u00fcsseldorf), MAXXI (Rom), MoMA PS1 (New York), Mori Art Museum (Tokio), Palais de Tokyo (Paris), Para Site (Hong Kong), Serpentine Galleries (London), UCCA Center for Contemporary Art (Peking) und Wiener Secession. Sie hat an der Aichi Triennale, der Biennale von Venedig, der Biennale von Sydney, der Istanbul Biennale und der Yokohama Triennale teilgenommen und wurde unter anderem mit dem Deutsche B\u00f6rse Photography Foundation Prize ausgezeichnet. In ihren Videos, digitalen Arbeiten, Fotografien und Installationen setzt sie sich mit den Auswirkungen des Wirtschaftswachstums, der Stadtentwicklung und der rasanten Globalisierung auseinander. Viele Werke der K\u00fcnstlerin untersuchen die Auswirkungen von Automatisierung, virtuellen Realit\u00e4ten und der Hyperurbanisierung auf die menschliche Existenz und werfen Fragen zu Erinnerung, Geschichte, Konsumverhalten und gesellschaftlichen Strukturen auf. Cao Fei lebt in Peking.<br><br>Der \u00bbEiserne Vorhang\u00ab 2022\/2023 wird unterst\u00fctzt von:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.bmca-art.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">BLUE MOUNTAIN CONTEMPORARY ART (BMCA)<\/a>, ART for ART, Johann Kattus, Foto Leutner und PRIVAT BANK der Raiffeisenlandesbank Ober\u00f6sterreich. Medienpartner: Die Furche und Die Presse.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Seit 1998 wurden im Rahmen der Ausstellungsserie die \u00bbEisernen Vorh\u00e4nge\u00ab folgender K\u00fcnstler\/innen verwirklicht: Kara Walker (1998\/99), Christine und Irene Hohenb\u00fcchler (1999\/2000), Matthew Barney (2000\/01), Richard Hamilton (2001\/02), Giulio Paolini (2002\/03), Elmgreen &amp; Dragset (Komische Oper Berlin, 2002\/03), Thomas Bayrle (2003\/04), Tacita Dean (2004\/05), Maria Lassnig (2005\/06), Rirkrit Tiravanija (2006\/07), Jeff Koons (2007\/08), Rosemarie Trockel (2008\/09), Franz West (2009\/10), Cy Twombly (2010\/11), Cerith Wyn Evans (2011\/12), David Hockney (2012\/13), Oswald Oberhuber (2013\/14), Joan Jonas (2014\/15), Dominique Gonzalez-Foerster (2015\/16 und 2019 in der Op\u00e9ra de Th\u00e9\u00e2tre Metz), Tauba Auerbach (2016\/17), John Baldessari (2017\/18), Pierre Alechinsky (2018\/19) und Martha Jungwirth (2019\/20),&nbsp;Carrie Mae Weens (2020\/21),&nbsp;Beatriz Milhazes (2021\/ 22),&nbsp;Cao Fei (2022\/23)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ausstellungsreihe \u00bbEiserner Vorhang\u00ab ist ein Projekt von museum in progress in Kooperation mit der Wiener Staatsoper und der Bundestheater-Holding.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.mip.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mehr \u00fcber das&nbsp;museum in progess<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Wettbewerb f\u00fcr den Eisernen Vorhang 1954<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der neue Zuschauerraum von Erich Boltenstern ab dem Tag der Er\u00f6ffnung am 5. November 1955 vom Opernpublikum aus dem In- und Ausland als auch der Fachwelt im Gro\u00dfen und Ganzen positiv angenommen wurde und auch die vereinzelt aufgetretene Kritik innerhalb kurzer Zeit verhallte, ist der Eiserne Vorhang von Rudolf Hermann Eisenmenger bis heute umstritten und Anlass teils impulsiver Auseinandersetzungen. Es liegt dies an der damaligen Entscheidung zugunsten des restaurativen, traditionell-figuralen Entwurfs Eisenmengers gepaart mit der Person des Malers. Wie so oft im Nachkriegs\u00f6sterreich schien auch seine nationalsozialistische Vergangenheit nur wenige Jahre nach dem Krieg \u2013 nach Aufhebung seines zweij\u00e4hrigen Berufsverbots 1947 \u2013 bereits vergessen: die Mitgliedschaft in der NSDAP ab 1933, das Engagement im \u00bbBund deutscher Maler\u00ab und im \u00bbKampfbund f\u00fcr deutsche Kultur\u00ab in den 1930er-Jahren, seine Funktion als Pr\u00e4sident des Wiener K\u00fcnstlerhauses 1939\u20131945 sowie die Propagandabilder f\u00fcr das Wiener Rathaus und das Geb\u00e4ude des Reichsarbeiterdienstes in den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft. Sein \u00fcber Jahre aufgebautes Netzwerk, wie unter anderem die Gesellschaft bildender K\u00fcnstler \u2013 K\u00fcnstlerhaus, verhalf ihm in den sp\u00e4ten 1940er- und fr\u00fchen 1950er-Jahren zu wichtigen Auftr\u00e4gen wie den Wandgem\u00e4lden f\u00fcr das K\u00fcnstlerhauskino und \u00bbauch bei der Auftragsvergabe des Eisernen Vorhangs hatte Eisenmenger eine starke Lobby, allen voran die Vertreter des Ministeriums f\u00fcr Handel und Wiederaufbau, hinter sich\u00ab (Veronica Floch). Bereits 1951 war er der Berufung an das Institut f\u00fcr zeichnerische und malerische Darstellung an der Technischen Hochschule Wien gefolgt, ein Jahr nach dem Eisernen Vorhang erhielt er das \u00d6sterreichische Ehrenkreuz f\u00fcr Wissenschaft und Kunst I. Klasse. Die Karriere Rudolf Hermann Eisenmengers bildete dabei keine Ausnahme, sie zeigt viel eher beispielhaft den Umgang \u00d6sterreichs mit seiner Vergangenheit und die halbherzigen Versuche der Entnazifizierung nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Jahr 1945 brachte keinen radikalen Neubeginn, vielmehr war die Zeit durch ein kulturkonservatives Kontinuit\u00e4tsstreben bestimmt. \u00bbEs gab nach 1945 keinen Bruch, sondern Kontinuum. Unmittelbar nach Kriegsende verbesserte sich zwar das geistige Klima, aber ab 1948 konnten \u203aalte Seilschaften\u2039 und deren nationalsozialistische und konservative Tendenzen wieder an Macht und Einflu\u00df gewinnen. Erneut war die Moderne in eine Au\u00dfenseiterposition geraten.\u00ab (Peter Weibel).<\/p>\n\n\n\n<p>Den Vorschlag Erich Boltensterns, eine rein dekorative L\u00f6sung zu w\u00e4hlen \u00bbund damit allen Diskussionen aus dem Weg zu gehen\u00ab, wies das Ministerium mit dem Argument zur\u00fcck, dadurch mit dem Vorwurf der Ideenarmut konfrontiert werden zu k\u00f6nnen. Sektionschef F\u00f6hner vom Handelsministerium betonte, \u00bbdass man wohl der Moderne entgegenkommen wolle, andererseits jedoch mit R\u00fccksicht auf das Wiener Publikum, das ja noch stark mit dem Bild der fr\u00fcheren Oper verkn\u00fcpft ist, eine L\u00f6sung anstreben m\u00fcsse, die dem traditionellen Charakter des Hauses, der auch beim baulichen Wiederaufbau eingehalten wurde, entspricht\u00ab. Diese Aussage bringt die grundlegende Ideologie des verantwortlichen Ministeriums gezielt auf den Punkt und erkl\u00e4rt sowohl die Entscheidung zugunsten Erich Boltensterns als Architekten f\u00fcr den Wiederaufbau als auch jene zugunsten des Vorhangentwurfs von Rudolf Hermann Eisenmenger.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wettbewerbsablauf mit vier Durchg\u00e4ngen und insgesamt 78 Entw\u00fcrfen von 16 K\u00fcnstlern, das Ringen um ein Ergebnis und die Art der Entscheidungsfindung verliefen alles andere als einwandfrei. Dass dies sowie die wechselnde Jury eine entsprechend scharfe und anhaltende Kritik in den Medien ausl\u00f6ste, unabh\u00e4ngig welcher Ausrichtung, verwundert somit nicht. Die Arbeiten bedeutender Vertreter der \u00f6sterreichischen Moderne wie Fritz Wotruba, Wolfgang Hutter und Herbert Boeckl, aber auch die abstrakten Kompositionen Georg Jungs widersprachen von Beginn an der konservativen Kunstauffassung der zust\u00e4ndigen Ministerialbeamten. Im Endeffekt hatte sich die Jury f\u00fcr das Traditionelle und Bew\u00e4hrte und nicht f\u00fcr das Neue in der Kunst entschieden.<\/p>\n\n\n\n<p>Anna Stuhlpfarrer (gek\u00fcrzt aus: Wiener Staatsoper, Der Wiederaufbau 1945-1955, Molden Verlag, Wien, 2019<\/p>\n\n\n\n<p>QELLE : https:\/\/www.wiener-staatsoper.at\/<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.wiener-staatsoper.at\/typo3temp\/assets\/_processed_\/8\/9\/csm_footer-logo-omv_72aadf36ae.png\" alt=\"OMV\" width=\"89\" height=\"67\"\/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musik\u00a0Ludwig van BeethovenText\u00a0Joseph Sonnleithner &amp; Georg Friedrich Treitschke BESETZUNG 25.02.2023 Musikalische LeitungAxel KoberRegieOtto SchenkB\u00fchne nach Entw\u00fcrfen vonG\u00fcnther Schneider-SiemssenKost\u00fcmeLeo BeiDon FernandoMartin H\u00e4\u00dflerDon PizarroJochen SchmeckenbecherFlorestanBrandon JovanovichLeonoreAnja KampeRoccoChristof FischesserMarzellineSl\u00e1vka Z\u00e1me\u010dn\u00edkov\u00e1JaquinoDaniel Jenz INHALT Kurzinhalt:&nbsp;Als Mann verkleidet und unter dem Namen Fidelio arbeitet die zu allem entschlossene Leonore als Gehilfe in einem Gef\u00e4ngnis. 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