{"id":862,"date":"2023-02-24T17:06:20","date_gmt":"2023-02-24T16:06:20","guid":{"rendered":"http:\/\/wienernachrichten.at\/?p=862"},"modified":"2023-02-24T17:06:20","modified_gmt":"2023-02-24T16:06:20","slug":"geschichte-unter-der-haut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wienernachrichten.at\/?p=862","title":{"rendered":"GESCHICHTE UNTER DER HAUT"},"content":{"rendered":"\n<p>TATTOOS<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher verp\u00f6nt, weil nur bei Seefahrern und H\u00e4ftlingen verbreitet, sind T\u00e4towierungen heute l\u00e4ngst keine Subkultur mehr. \u00dcber Trends, Techniken und den langen Weg vom Stigma zum Statussymbol.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob gro\u00dffl\u00e4chig \u00fcber den ganzen R\u00fccken oder nur ein winziges Symbol am Fingerkn\u00f6chel: Tattoos sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2019 sind etwa 27 Prozent der \u00f6sterreichischen Bev\u00f6lkerung t\u00e4towiert, M\u00e4nner und Frauen etwa gleich h\u00e4ufig. Bei den 16- bis 34-J\u00e4hrigen sind es sogar mehr als 40 Prozent. Galten Tattoos fr\u00fcher als Kennzeichen oder sogar Stigma einer bestimmten Bev\u00f6lkerungsschicht, sind sie heute unter der \u00c4rzteschaft genauso zu finden wie in der Chefetage. Die Frage nach dem Ursprung der K\u00f6rperkunst ist jedoch nur schwer zu beantworten.<\/p>\n\n\n\n<h2>Herkunft nicht eindeutig belegbar<\/h2>\n\n\n\n<p>Welches Volk als erstes mit den T\u00e4towierungen angefangen hat, ist nicht genau nachvollziehbar. Der Ursprung des Wortes &#8222;t\u00e4towieren&#8220; beziehungsweise des englischen &#8222;tattoos&#8220; ist in den polynesischen Sprachen zu finden. Im Inselstaat Samoa bedeutet das Wort als Hautverzierung oder Zeichen so viel wie &#8222;richtig [die Haut oder Muster einschlagen]&#8220; oder &#8222;gerade, kunstgerecht&#8220;. James Cook brachte den Begriff 1774 aus Polynesien mit nach England.<\/p>\n\n\n\n<p>Lange war die Wissenschaft der Meinung, dass die \u00e4ltesten \u00fcberlieferten T\u00e4towierungen auf der Haut von \u00d6tzi zu finden sind. Die 5.300 Jahre alte Gletschermumie tr\u00e4gt 61 Tattoos am K\u00f6rper, \u00fcberwiegend geometrische Figuren, Linien und Punkte, die wahrscheinlich aus medizinischen Gr\u00fcnden vorgenommen wurden. Dazu wurden Muster in die Haut eingeritzt und diese in weiterer Folge mit Kohlepulver eingef\u00e4rbt. 2018 fanden Forschende jedoch auf zwei etwa 5.351 Jahre alten Mumien aus Gebelein, einem Ort in Ober\u00e4gypten, ebenfalls T\u00e4towierungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Andernorts sind ebenfalls besonders aufwendige und gro\u00dffl\u00e4chige T\u00e4towierungen bekannt, n\u00e4mlich bei den eisenzeitlichen Skythen, einem Reitervolk der russischen Steppe und des Kaukasus, und in der Mongolei. Die h\u00e4ufig vertretene These, dass das T\u00e4towieren urspr\u00fcnglich aus S\u00fcdwestasien stammt und sich von dort \u00fcber \u00c4gypten nach Polynesien, Australien und Amerika ausgebreitet hat, scheint somit widerlegt zu sein. Bei den alten Griechen oder R\u00f6mern wurden Tattoos zur Kennzeichnung genutzt, etwa von Sklaven, oder als Erinnerung an einen Sieg in einer Schlacht. Auch in Japan haben sie eine jahrhundertelange Tradition, wurden dann jedoch als Brandmarkung der kriminellen &#8222;Yakuza&#8220; eingesetzt und sp\u00e4ter verboten, was ihren Ruf nachhaltig besch\u00e4digte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/www.wienerzeitung.at\/_em_daten\/_cache\/image\/1xz6MRGCgqJHbDvCtaFb8TmKpw2TN7dbm533SErwEOXi2a4o3wLZy_DkWXmsIJImcw0HQOoFyCdY5u-oDS9pM1BwtDGvcGQW0uXprCeCzcP14\/230224-1308-lance-reis-wixlrx6vdlc-unsplash.jpg\" alt=\"Bei den Maori dominieren geometrische Muster - sie geben unter anderem Aufschluss \u00fcber die Stammeszugeh\u00f6rigkeit und die geografische Herkunft. \n- \u00a9 Lance Reis Wix \/ Unsplash\"\/><figcaption>Bei den Maori dominieren geometrische Muster &#8211; sie geben unter anderem Aufschluss \u00fcber die Stammeszugeh\u00f6rigkeit und die geografische Herkunft.<br>&#8211; \u00a9 Lance Reis Wix \/ Unsplash<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2>Weltweite Verbreitung<\/h2>\n\n\n\n<p>Im Mittelalter kam der &#8222;Tattoo-Trend&#8220; auch bei den Christen an: Die Kreuzritter stachen sich ein lateinisches Kreuz in die Haut und f\u00fcr einige Zeit hatten christliche T\u00e4towierungen so einen hohen Stellenwert, dass die Kirche Nicht-Gl\u00e4ubigen Tattoos verbot.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den indigenen V\u00f6lkern Polynesiens, den Maori, hatten T\u00e4towierungen hingegen immer schon eine gro\u00dfe soziale Bedeutung und gaben unter anderem Aufschluss \u00fcber die Stammeszugeh\u00f6rigkeit und geografische Herkunft. Auch wurden sie als Initiationsritual durchgef\u00fchrt, um das Ende der Kindheit und den \u00dcbergang in das Erwachsenenleben zu kennzeichnen. Mit zunehmenden Lebensjahren kamen immer mehr Tattoos hinzu, um den aktuellen Stand und neue Errungenschaften abzubilden. Manchmal wurden die Symbole auf der Haut auch zur Einsch\u00fcchterung von Gegnern verwendet. Die jahrtausendealte Tradition fand mit der Ankunft Thomas Cooks und der christlichen Missionare, die die heidnische K\u00f6rperkunst verboten, vor etwa 150 Jahren ein Ende. Erst in den 1980er Jahren kam es in Polynesien zu einem Wiederaufleben der T\u00e4towierung und einer R\u00fcckbesinnung auf die Traditionen der Indigenen. Gleichzeitig mit den Reisen der gro\u00dfen Entdecker kamen T\u00e4towierungen auch bei Seefahrern in Mode, die auch oft ihre eigenen Tattoostudios in Hafenst\u00e4dten er\u00f6ffneten. In einer Hafenkneipe soll sich \u00fcbrigens auch Kaiserin Elisabeth 1888 ihren Anker auf die Schulter t\u00e4towieren haben lassen.<\/p>\n\n\n\n<h2>Industrialisierung bei T\u00e4towierungen<\/h2>\n\n\n\n<p>Einer gr\u00f6\u00dferen Bev\u00f6lkerungsschicht zug\u00e4nglich wurden Tattoos endg\u00fcltig mit der Erfindung der elektrischen T\u00e4towiermaschine. Samuel O\u2019Reilly lie\u00df 1891 als erster einen sogenannten &#8222;Tattaugraphen&#8220; in New York patentieren, f\u00fcr den er zwei Patente (&#8222;Stencil Pen&#8220; genannt) von Thomas Edison weiterentwickelt hatte. Gerade einmal zwanzig Tage sp\u00e4ter lie\u00df Tom Riley in London unabh\u00e4ngig von O\u2019Reilly die erste T\u00e4towiermaschine patentieren. Die Entw\u00fcrfe zu diesen elektrischen T\u00e4towiermaschinen existieren heute noch und das Funktionsprinzip hat sich im Laufe der Jahre nicht wesentlich ver\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erfindung f\u00fchrte zu einem Tattoo-Aufschwung, auch Adelige lie\u00dfen sich nun vermehrt t\u00e4towieren. Jedoch wendete sich das Blatt schnell wieder, da auch Kriminelle und Prostituierte auf den Tattoo-Zug aufsprangen, was den Adeligen wiederum missfiel. Eines der d\u00fcstersten Kapitel in der Geschichte der T\u00e4towierungen ist jenes der Nationalsozialisten, die einerseits den Insassen des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau H\u00e4ftlingsnummern und der Waffen-SS ihre Blutgruppen t\u00e4towierten.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst in den 1970er Jahren kam der erneute Aufschwung, vor allem in der Punk- und Rock\u2019n\u2019Roll-Szene. Sp\u00e4testens seit den 1990ern erfreuen sich Tattoos gr\u00f6\u00dferer Beliebtheit. Beigetragen haben hierzu auch Stars, die in der \u00d6ffentlichkeit damit auftraten und das Image der K\u00f6rperkunst wieder aufpolierten. Auch heute gelten gewisse Muster und Symbole auf der Haut jedoch noch als Code und Sprache innerhalb krimineller Organisationen.<\/p>\n\n\n\n<h2>Schwalben, Tribals oder asiatische Zeichen<\/h2>\n\n\n\n<p>Genauso wie in der Mode gibt es auch bei Tattoos Trends, jedoch wechseln diese eher alle paar Jahre. In den 90ern dominierten vor allem Tribals (Muster nach der Tradition der Maori) und bei jungen Frauen besonders das &#8222;Arschgeweih&#8220;, aber auch asiatische Schriftzeichen \u2013 wahlweise mit unbeabsichtigten Fehlern. In den 2000ern waren Old-School-Motive wie Sterne, Schwalben, Anker oder Herzen wieder angesagt. Die 2010er hingegen waren die Zeit der Unendlichkeitszeichen, Pusteblumen und Lebensweisheiten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.wienerzeitung.at\/_em_daten\/_cache\/image\/1xlwdiBaVqbDp0K8nl4dwUngCCXH5ayZ7VWIrIVekuK7e3zMjBcfD8QIM7RPUzm-zBtr2ijJ_yzHszhgeyzVSNkuBMziQ2gkOQt-4GbFvyeJ_sZW66VMENAA\/230224-1304-dylan-sauerwein-j4n6xtkvjyy-unsplash-be.jpg\"><img src=\"https:\/\/www.wienerzeitung.at\/_em_daten\/_cache\/image\/1xz6MRGCgqJHYDkKxAWMyFvfVKNfHDRemnm4bpCBC0HbY3IJWOOjMwXOKFSJSrWWB8UHkIpb-tc-FUke5Wc_jHOyUstZZWfHAkt9o2Gd90RIQG5ylcLhk2XQ\/230224-1304-dylan-sauerwein-j4n6xtkvjyy-unsplash-be.jpg\" alt=\"Ein komplett t\u00e4towierter K\u00f6rper erfordert Mut - und eine geringe Schmerzempfindlichkeit... \n- \u00a9 Dylan Sauerwein \/ Unsplash\"\/><\/a><figcaption>Ein komplett t\u00e4towierter K\u00f6rper erfordert Mut &#8211; und eine geringe Schmerzempfindlichkeit&#8230;- \u00a9 Dylan Sauerwein \/ Unsplash<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Heute scheint die \u00c4ra gro\u00dffl\u00e4chiger Tattoos vorbei zu sein (Ausnahmen best\u00e4tigen die Regel): Popul\u00e4rer sind nun minimalistische Motive (davon jedoch meist mehrere am K\u00f6rper verteilt) wie zum Beispiel kleine Blumen, Bl\u00e4tter, Tiere, Autos oder Flugzeuge. Auch Allt\u00e4gliches wie Einkaufsw\u00e4gen oder Essen findet seinen Weg unter die Haut \u2013 vorbei scheint der Wunsch nach Tiefgr\u00fcndigem, der &#8222;Ignorant Style&#8220; setzt eher auf provokante Motive. Auch die bevorzugten K\u00f6rperstellen sind heute andere als fr\u00fcher. Statt am Stei\u00df, R\u00fccken oder Oberarm werden nun gerne Unterarme, Fingerkn\u00f6chel, Waden und F\u00fc\u00dfe gew\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<h2>Nicht nur elektrisch<\/h2>\n\n\n\n<p>Bei der Art und Weise, wie die Farbe unter die Haut gelangt, gibt es unterschiedliche M\u00f6glichkeiten. Grunds\u00e4tzlich geht es immer darum, die Haut zu punktieren und gleichzeitig ein Farbmittel in die mittlere Hautschicht (Dermis) einzubringen. Wichtig ist, dass dabei weder zu oberfl\u00e4chlich noch zu tief gearbeitet wird. Wenn nicht tief genug gestochen wird, f\u00fchrt die Erneuerung der Epidermis dazu, dass die Farbpartikel mit der Zeit abgesto\u00dfen werden und das Motiv wieder ausbleicht. Wird zu tief gestochen, waschen sich die Farben durch auftretende Blutungen ebenfalls aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei einer elektrischen T\u00e4towiermaschine werden, je nach Effekt und Technik, mehrere tausend Stiche pro Minute vorgenommen. Bei den meisten neuen Maschinen k\u00f6nnen sowohl Tiefe als auch Geschwindigkeit und St\u00e4rke des Stichs eingestellt werden. In modernen Tattoostudios wird heute meist mit Maschinen gearbeitet, teilweise k\u00f6nnen sogar vorab 3D-Visualisierungen des Ergebnisses angefertigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine viel traditionellere M\u00f6glichkeit ist das Einschneiden der Haut und anschlie\u00dfende Einreiben des Schnittes mit Tinte, Asche oder anderen farbgebenden Stoffen, das auch Ink-Rubbing genannt wird. Beim Hand-Poke, das heute immer beliebter wird, wird hingegen von Hand mit einem spitzen, in Farbe getauchten Gegenstand gestochen. In Japan hei\u00dft diese Technik Tebori.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies war vor der Erfindung der elektrischen T\u00e4towiermaschine die g\u00e4ngige Methode, zum Einsatz kamen (vor allem bei indigenen V\u00f6lkern) angespitzte Knochenfragmente oder Bambusst\u00f6cke, auf Tahiti nachgewiesenerma\u00dfen Haifischz\u00e4hne, bei den Azteken und Maya hingegen Dornen und Kakteenstacheln. Bei den V\u00f6lkern Polynesiens war ein T\u00e4towierkamm \u00fcblich, der aus Pflanzenteilen oder Knochen hergestellt wurde und an einem langen Stab befestigt war, der durch rhythmisches Schlagen auf den Griff Linien \u2013 niemals Punkte \u2013 auf der Haut hinterlie\u00df. Die Inuit wiederum arbeiteten mit ru\u00dfigen F\u00e4den, die narben\u00e4hnliche Markierungen hinterlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<h2>Farbenverbot<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.wienerzeitung.at\/_em_daten\/_cache\/image\/1xlwdiBaVqbDplOrm37XbaA88j4R9rK1b3tmdA2JrWY9tMuK-bPIb8IjwAknhBqPeHXpylf8HaAIiAmW4j71AirjbivMqyu1SQ\/230224-1311-gettyimages-627652962.jpg\"><img src=\"https:\/\/www.wienerzeitung.at\/_em_daten\/_cache\/image\/1xz6MRGCgqJHYMXzHgMtOvqAZZURhDkfbcePt9QFm8fIOYCFNAVTob-8i7HjE6JEUh1MBEu5yvKE98Mz99kXpX_ucINpnAkSIk\/230224-1311-gettyimages-627652962.jpg\" alt=\"Wer ein farbiges Tattoo will, muss mitunter auf eine bestimmte Farbe verzichten \u2013 dank eines EU-Gesetzes... \n- \u00a9 Oli Scarff \/ afp \/ Getty\"\/><\/a><figcaption>Wer ein farbiges Tattoo will, muss mitunter auf eine bestimmte Farbe verzichten \u2013 dank eines EU-Gesetzes&#8230;- \u00a9 Oli Scarff \/ afp \/ Getty<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Moderne \u00f6sterreichische T\u00e4towierer und T\u00e4towiererinnen stehen seit Anfang 2022 vor einem Problem, mit dem sich traditionellere Berufskollegen und -kolleginnen auf anderen Kontinenten nicht besch\u00e4ftigen m\u00fcssen. Seit dem letzten Jahr sind in der gesamten EU gewisse bunte Tattoofarben verboten, da sie als potenziell gef\u00e4hrlich oder nicht ausreichend erforscht gelten. Seither darf nur noch mit Farben t\u00e4towiert werden, die den Anforderungen der Tattoo-REACH entsprechen \u2013 also auf bestimmte Inhaltsstoffe verzichten, Grenzwerte einhalten und Pflichtangaben auf ihren Etiketten tragen. &#8222;REACH&#8220; steht f\u00fcr &#8222;Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals&#8220;, also Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschr\u00e4nkung von Chemikalien und ist eines der strengsten Chemikaliengesetze der Welt. Seit J\u00e4nner 2023 sind mit &#8222;Pigment Blue 15:3e&#8220; und &#8222;Pigment Green 7&#8220; zwei weitere Farben, die in vielen anderen Farben enthalten sind, von dem Verbot betroffen. Insgesamt wurden laut European Chemicals Agency (ECHA) etwa 4.000 chemische Substanzen verboten, f\u00fcr die es jedoch unbedenkliche \u2013 wenn auch teurere \u2013 Alternativen gibt. Der Aufschrei in der Tattoo-Branche war dennoch gro\u00df.<\/p>\n\n\n\n<h2>Die Qual der Wahl<\/h2>\n\n\n\n<p>Wer sich t\u00e4towieren lassen will, muss sich meist nicht nur f\u00fcr einen Ort und das Motiv selbst, sondern auch f\u00fcr einen Stil entscheiden \u2013 vor allem, wenn mehrere Tattoos in Planung sind. Und der Stile gibt es viele. &#8222;Geek- oder Nerd&#8220;-Tattoos zeigen Figuren oder Szenen aus Computerspielen, Filmen oder Serien. &#8222;Biomechanik&#8220;-Tattoos lassen im wahrsten Sinne des Wortes tief blicken, da dabei der Bereich unter der Haut, also Muskeln, Organe oder auch Maschinenteile abgebildet werden. Ein Tattoo-Stil, der besonders vom Handpoking profitiert, ist &#8222;Dot Work&#8220;, bei dem Motive wie Ornamente oder Mandalas aus Punkten unterschiedlichen Gr\u00f6\u00dfe gestochen werden. Bei &#8222;Black and Grey&#8220; kommen dunkle Outlines (Randlinien) mit feinen Schattierungen zum Einsatz, Farben werden jedoch nicht verwendet. Bei &#8222;Realistic&#8220;-Tattoos werden Tiere, Landschaften oder Gesichter so realistisch wie auf einer Fotografie gestochen. &#8222;Blackwork&#8220; wird, wie der Name schon sagt, in reinem\u202fSchwarz gehalten und besteht aus grafischen Elementen, vereinfachten Formen und kontrastreichen Linien. &#8222;New school&#8220; besticht durch ausgefallene Farben, extreme 3D-Effekte\u202fund\u202fbreite Umrisse. &#8222;Watercolor&#8220;-Tattoos wirken wie Aquarelle. Beim &#8222;Lettering&#8220;, das gerade extrem beliebt ist, werden W\u00f6rter oder S\u00e4tze besonders fein in die Haut gestochen. Filigran geht es auch beim &#8222;Finelining&#8220; zu, bei dem meist kleine und freistehende Motive kreiert werden. Genauso im Trend liegen gerade &#8222;Geometric&#8220;-T\u00e4towierungen, bei denen unterschiedliche geometrische Formen unter die Haut kommen. Weniger dezent sieht es bei &#8222;Trash Polka&#8220; aus, denn dieser Stil vereint realistische Motive mit Schmierereien, geometrischen Zeichen und Schrift, und das ganze in Rot und Schwarz. Der &#8222;Japanese&#8220;-Stil vereint klassische japanische Motive wie Drachen, Tiger, Fische oder Kirschbl\u00fcten mit kr\u00e4ftigen Farben, oft in Tebori-Technik gestochen.<\/p>\n\n\n\n<p>Genauso wichtig wie die Wahl des Stils und des Motivs ist jedoch auch die des richtigen T\u00e4towierers oder der T\u00e4towiererin. Entsprechend empfiehlt sich eine gr\u00fcndliche Vorab-Recherche online oder der Besuch einer Tattoomesse. Wof\u00fcr man sich auch entscheidet: Wenn das Kunstwerk nach einiger Zeit doch nicht mehr gef\u00e4llt, bleibt den Betroffenen neben dem aufwendigen und schmerzhaften Lasern noch die M\u00f6glichkeit eines &#8222;Cover-ups&#8220;. Dabei wird das urspr\u00fcngliche Tattoo durch ein anderes, gr\u00f6\u00dferes \u00fcberdeckt.<\/p>\n\n\n\n<h2>Die Frage nach dem Warum<\/h2>\n\n\n\n<p>Bei all den mannigfaltigen M\u00f6glichkeiten, die die Tattokunst bietet, stehen viele Menschen der K\u00f6rperkunst immer noch skeptisch gegen\u00fcber und hinterfragen den Sinn und Zweck derselben. Ganz objektiv betrachtet k\u00f6nnen T\u00e4towierungen unterschiedlichste Funktionen und Bedeutungen haben und jeder Mensch hat seine individuellen Gr\u00fcnde f\u00fcr ein Tattoo. Heutzutage sind sie vor allem ein Ausdruck der eigenen Pers\u00f6nlichkeit, der Selbstdarstellung, des Protests oder der reinen Abgrenzung von anderen. F\u00fcr manche sind Tattoos auch ganz simpel K\u00f6rperschmuck oder werden zur Verst\u00e4rkung der sexuellen Reize oder als Ausdruck der sexuellen Orientierung verwendet. Warum auch immer man sich daf\u00fcr entscheidet: Die Zeit der Stigmatisierung scheint vorbei und der jahrtausendelange Siegeszug der T\u00e4towierungen unaufhaltsam.<\/p>\n\n\n\n<p>QELLE : https:\/\/www.wienerzeitung.at\/<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>TATTOOS Fr\u00fcher verp\u00f6nt, weil nur bei Seefahrern und H\u00e4ftlingen verbreitet, sind T\u00e4towierungen heute l\u00e4ngst keine Subkultur mehr. \u00dcber Trends, Techniken und den langen Weg vom Stigma zum Statussymbol. Ob gro\u00dffl\u00e4chig \u00fcber den ganzen R\u00fccken oder nur ein winziges Symbol am Fingerkn\u00f6chel: Tattoos sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. 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