{"id":706,"date":"2023-01-02T17:53:30","date_gmt":"2023-01-02T16:53:30","guid":{"rendered":"http:\/\/wienernachrichten.at\/?p=706"},"modified":"2023-01-06T18:33:54","modified_gmt":"2023-01-06T17:33:54","slug":"nur-der-mann-im-mond-schaut-zu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wienernachrichten.at\/?p=706","title":{"rendered":"NUR DER MANN IM MOND SCHAUT ZU"},"content":{"rendered":"\n<p>RAUMFAHRT<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wettlauf ins All erlebt eine Renaissance &#8211; pl\u00f6tzlich will man wieder &#8222;zur\u00fcck zum Mond&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie ist so gro\u00df wie ein Fu\u00dfballfeld. Mit ihren 450 Tonnen kreist sie alle 93 Minuten mit einer Geschwindigkeit von 28.000 Stundenkilometern einmal um die Erde. Die Internationale Raumstation (ISS) gilt seit 24 Jahren als der am weitesten entfernte Au\u00dfenposten der Menschheit. Doch ihre Zukunft ist ungewiss. Sie zeigt Erm\u00fcdungserscheinungen, Risse und altersschwache Teile, f\u00fcr die es keine Herstellergarantie mehr gibt. Ein gleichwertiges multinationales Pendant ist nicht in Planung, daf\u00fcr hat sich die Konkurrenz in der unmittelbaren Nachbarschaft niedergelassen. Der chinesische &#8222;Himmelspalast&#8220; Tiangong ist seit Juni 2022 st\u00e4ndig besetzt und soll vorerst 15 Jahre in der Umlaufbahn bleiben. Nur ein F\u00fcnftel so gro\u00df wie die ISS, wiegt die Raumstation um die 90 Tonnen und hat ebenfalls die Funktion eines Labors. Auch wird die Liste jener L\u00e4nder, die im Weltall mitmischen wollen, immer l\u00e4nger. Entsprechend engagiert sind kommerzielle Unternehmen, die Versorgungsfl\u00fcge in den Orbit ebenso anbieten wie Vergn\u00fcgungsfl\u00fcge f\u00fcr Superreiche.<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich herrscht in der erdnahen Kreisbahn, vor dem Panorama wechselnder Sternenbilder, wandernder Planeten und kreuzender Sternschnuppen, emsiges Treiben. Mehr als 8.800 Satelliten arbeiten derzeit dort aktiv, die H\u00e4lfte davon stammt aus den USA. Auf einer Flugh\u00f6he von 400 Kilometern kreist die ISS, 30 Kilometer darunter die Tiangong. So kommen sie sich nicht in die Quere. Beide sind mit freiem Auge von der Erde aus sichtbar. Erstere ist aufgrund der Gr\u00f6\u00dfe einfacher zu orten. Sie bewegt sich von West nach Ost, \u00e4hnelt im Vorbeiflug der hell leuchtenden Venus und verblasst, wenn sie sich in den Erdschatten bewegt. Bereits in den kommenden sechs Jahren k\u00f6nnte dieses Dauerlicht erl\u00f6schen und kontrolliert auf den einsamsten und unzug\u00e4nglichsten Ort der Welt, genannt &#8222;Point Nemo&#8220;, in den Pazifik st\u00fcrzen. Diesen Punkt zwischen Chile und Neuseeland nennt man &#8222;Friedhof der Raumschiffe&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war der 20. November 1998, als das erste Modul der ISS in die Erdumlaufbahn flog. Zw\u00f6lf Jahre und mehr als 40 Fl\u00fcge waren notwendig, um alle Bauteile zu bef\u00f6rdern und diese im Weltall zusammenzubauen. An diesem multilateralen Projekt sind f\u00fcnf Weltraumagenturen aus der ganzen Welt beteiligt: die US-Raumfahrtbeh\u00f6rde Nasa, die russische Roskosmos, die europ\u00e4ische ESA sowie die kanadische CSA und die japanische Jaxa. Elf europ\u00e4ische L\u00e4nder sind mit dabei. Die Vereinigten Staaten wollten von Anfang an internationale Mitwirkende haben. Solche die zwar nicht gleichberechtigt sind, aber mit verschiedenen Komponenten einen Beitrag leisten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Beachtliche Erfolgsbilanz<\/p>\n\n\n\n<p>Bisher waren 263 Astronauten aus 20 Nationen auf der Raumstation. Aber auch immer wieder Weltraumtouristen. Zuletzt teilten sich Jeff Bezos, Elon Musk und Richard Branson das Gesch\u00e4ft mit regelm\u00e4\u00dfigen Ausfl\u00fcgen in die Schwerelosigkeit, erst letztes Jahr hat auch Russland wieder damit begonnen, vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan Touristen zu bef\u00f6rdern. Abgewickelt werden die Reisen \u00fcber die Weltraumbeh\u00f6rde Roskosmos. Das ist jene, von der es im Juli 2022 hie\u00df, dass sie sich ganz aus der ISS zur\u00fcckziehen werde. Roskosmos-Direktor Juri Borissow k\u00fcndigte an, Russland werde die ISS verlassen und den Bau einer eigenen Raumstation anstreben. Sergej Krikalew, der Chef des Programms f\u00fcr bemannte Raumfahrt, ruderte aber bald zur\u00fcck und sagte, dass man auch nach 2024 bleiben werde, da es in der nahen Gegenwart keine Alternativen gebe. Eine gewisse Unsicherheit bleibt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img alt=\"\" width=\"-328\" height=\"-530\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die ISS befindet sich seit 24 Jahren im All. In rund 400 Kilometer H\u00f6he kreist sie in 93 Minuten einmal um die Erde.- \u00a9 getty images \/ Science Phot \/ Sebastian Kaulitzki<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Entsprechend symboltr\u00e4chtig und \u00fcberaus harmonisch angelegt war dann auch im Oktober der erste gemeinsame Flug der USA und Russlands seit dem Ukraine-Krieg. Eine SpaceX-Kapsel, besetzt mit einer russischen Kosmonautin und drei Astronauten, erreichte planm\u00e4\u00dfig nach einer 30-st\u00fcndigen Reise die ISS. Als Mitte Dezember ein Leck am angedockten Sojus-Raumschiff MS-22 auftrat, war die friedvolle Zusammenarbeit der gesamten Crew notwendig. Sie funktionierte reibungslos.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso solidarisch verbrachte der ehemalige Nasa-Astronaut Scott Kelly mit dem russischen Kosmonauten Mikhail Kornienko ganze 340 Tage im All. Seither ist der inzwischen pensionierte Kelly eine Ber\u00fchmtheit und tats\u00e4chlich vom erdnahen All in der kriegsgepr\u00e4gten Realit\u00e4t auf der Erde angekommen. Er ist Botschafter f\u00fcr die Fundraising-Plattform United24 und engagiert sich auf internationaler Ebene f\u00fcr die Ukraine.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinsichtlich der j\u00fcngsten Entwicklungen sagte Kelly vor kurzem in einem Interview, dass Wladimir Putin die ISS brauche. &#8222;Es geht vor allem um Russlands Prestige in der bemannten Raumfahrt&#8220;, erkl\u00e4rte der Weltraum-Veteran. Au\u00dferdem k\u00f6nne man die russischen Komponenten der ISS nicht vom Rest l\u00f6sen. Es \u00fcberwiegen pragmatische \u00dcberlegungen, denn die Systeme an Bord h\u00e4ngen voneinander ab. Auch sei sowohl die russische als auch die Nasa-Expertise erforderlich. Man bed\u00fcrfe sich also gegenseitig, um einen unproblematischen Ablauf zu garantieren. Faktisch ist die Internationale Raumstation der letzte gro\u00dfe Bereich, in dem Russland noch mit westlichen L\u00e4ndern zusammenarbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Kelly machte gleichzeitig \u00f6ffentlich deutlich, dass sich seine Freunde innerhalb des russischen Raumfahrtprogramms, darunter aktuelle und ehemalige Kosmonauten, f\u00fcr den russischen Krieg sch\u00e4men. Eine \u00e4hnliche Beobachtung hat der zweite deutsche Astronaut im All, Matthias Maurer, auf Twitter geteilt. Er kehrte im Mai auf die Erde zur\u00fcck. &#8222;Als wir \u00fcber Europa geflogen sind, dachte ich: Da fehlt ein Land. Die Ukraine war total schwarz.&#8220; Er habe Blitze gesehen und gewusst, dass dort Raketen einschlagen. Die gesamte Crew sei entsetzt gewesen. Momentan besteht die Mannschaft aus je drei amerikanischen und russischen Raumfahrern sowie einem japanischen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im All verschwinden nationale Grenzen. Ungeachtet ihrer Herkunft erleben viele Astronauten eine gewisse kognitive Ver\u00e4nderung, bekannt als &#8222;\u00dcbersichtseffekt&#8220;. Damit ist jene tiefgreifende Erkenntnis gemeint, die die Erde aus der Ferne als ein zerbrechliches System aussehen l\u00e4sst. Dieses Ph\u00e4nomen erlebte auch Neo-Raumfahrer William Shatner alias Captain T. Kirk als 90-J\u00e4hriger auf seiner ersten Reise in den echten Weltraum. Er umschrieb seine Eindr\u00fccke so: &#8222;Der Kontrast zwischen der unerbittlichen K\u00e4lte des Weltraums und der n\u00e4hrenden Erde unter mir erf\u00fcllte mich mit \u00fcberw\u00e4ltigender Traurigkeit. Jeden Tag zerst\u00f6ren wir mit unseren H\u00e4nden den Planeten: Meine Reise ins Weltall sollte ein Fest werden; stattdessen f\u00fchlte es sich wie eine Beerdigung an.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Sowohl die Sch\u00f6nheit als auch die Zerst\u00f6rung auf der Erde sind am besten aus der Cupola, dem Weltraumfenster auf der ISS, zu beobachten. Die Fotos der Nasa zeugen umfangreich von ihrem Zustand: Sie dokumentieren das sterbende Korallenmeer in der N\u00e4he von Australien, fangen w\u00fctende Hurrikans ein, aber auch den \u00c4tna an der K\u00fcste der italienischen Insel Sizilien, bevor er ausbricht. Die Bilder dokumentieren \u00d6lkatastrophen, W\u00fcstenbildung, schmelzende Gletscher, Wirbelst\u00fcrme und den Raubbau an der Natur und Umwelt. Erg\u00e4nzt wird sie nun von jenen Aufnahmen, die vom chinesischen Konterpart, der Tiangong und den Shenzhou-14-Astronauten, kommen. Der kleinere Himmelsbeobachter schickt beispielsweise Bilder von der Sahara, dem Qinghai-See und der Stra\u00dfe von Hormus.<\/p>\n\n\n\n<p>Offiziell hat sich auch Chinas orbitaler Au\u00dfenposten der friedlichen Nutzung des Weltraums verschrieben. Zur Teilnahme an Experimenten wurden andere Nationen eingeladen, bisher hat Peking neun Projekte aus 17 L\u00e4ndern ausgew\u00e4hlt. Wegweisend f\u00fcr das bisherige Machtgef\u00fcge war das &#8222;Wolf-Amendment&#8220;, benannt nach dem republikanischen Kongressabgeordneten Frank Wolf. Das vom US-Kongress 2011 verabschiedete Gesetz untersagt jegliche Zusammenarbeit der Nasa mit China und damit verbundenen Organisationen. Davon betroffen sind seitdem auch SpaceX, Axiom und Blue Origin, da sie Bundesmittel erhalten. China blieb seither nichts anderes \u00fcbrig, als an einer eigenen Weltraumstrategie zu t\u00fcfteln. Erste Anstrengungen gab es schon vor drei Jahrzehnten und es scheint, dass dieser lange Weg von Erfolg gekr\u00f6nt ist: Die Tiangong wird ausschlie\u00dflich in China gebaut, betrieben und entsprechend verwaltet.<\/p>\n\n\n\n<h2>Tiangong ist autonom<\/h2>\n\n\n\n<p>F\u00fcr China ist die Tiangong somit zum Aush\u00e4ngeschild f\u00fcr absolute Eigenst\u00e4ndigkeit geworden und sie ist bereits ein bedeutender Mitspieler hinsichtlich der sich ver\u00e4ndernden Machtkonstellationen im All. Die Station selbst besteht aus drei Modulen, die separat gestartet und im Weltraum verbunden wurden. Im Vergleich dazu hat die ISS 16 Module. Vom Design her orientiert sich China an der Sowjetzeit, die Tiangong gleicht der Raumstation Mir aus den 1980er Jahren, nat\u00fcrlich modernisiert und auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Nach der Fertigstellung im November 2022 beherbergte sie w\u00e4hrend der Rotation der Crew erstmals f\u00fcr f\u00fcnf Tage eine Besatzung von sechs Personen. Sie soll 15 Jahre im Orbit bleiben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/www.wienerzeitung.at\/_em_daten\/_cache\/image\/1x0y0DN_Gyn5Lyo782-LWnRd1HEkvp_fdl5Sz6x7sD3q2mHYxWiNWlEOw6bJWREwwEWa87znxr4DeiQVg-cA4dU3xdkgWz9HTzru9pdrDRFal4pdmLugxPGA\/221230-1613-948-0900-415888-20221221china.jpg\" alt=\"Die seit 5. Juni st\u00e4ndig besetzte chinesische Raumstation Tiangong (&quot;Himmelspalast&quot;) ist nur etwa ein F\u00fcnftel so gro\u00df wie die ISS. Sie soll etwa 15 Jahre lang in Betrieb bleiben. \n- \u00a9 getty images \/ gremlin\"\/><figcaption>Die seit 5. Juni st\u00e4ndig besetzte chinesische Raumstation Tiangong (&#8222;Himmelspalast&#8220;) ist nur etwa ein F\u00fcnftel so gro\u00df wie die ISS. Sie soll etwa 15 Jahre lang in Betrieb bleiben.<br>&#8211; \u00a9 getty images \/ gremlin<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Dezember 2023 plant China den Start eines neuen Weltraumteleskops namens Xuntian. Es soll ein noch einen viel breiteren Blickwinkel als das Hubble-Weltraumteleskop haben. Es entfaltet sich folglich eine neue \u00c4ra im Weltraum: Die Tiangong-Station beginnt ihr Leben genau zu jenem Zeitpunkt, an dem es erste Pl\u00e4ne gibt, die ISS in den Ruhestand zu schicken. Jedenfalls hat sich China nun mit diesem Erfolg neben den USA und Russland in die Liga der Weltraumsuperm\u00e4chte katapultiert. Als lachender Dritter, der zwar autark und autonom ist, aber doch andere ins Boot locken will.<\/p>\n\n\n\n<p>Bisher wurde der Kampf ums All immer zwischen den USA und Russland ausgetragen: 1957 kam es zum Sputnik-Schock, als Moskau damit punktete, dass der Satellit Sputnik 1 als Erster um die Erde kreiste. Und auch die Nase vorne hatte, als 1959 die H\u00fcndin Laika als erstes Lebewesen die Erde umkreiste. Oder im gleichen Jahr, als Luna 2 als erstes Objekt auf dem Mond einschlug. Und der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin 1961 den ersten bemannten Raumflug schaffte. Der ehemalige US-Pr\u00e4sident John F. Kennedy reagierte schlie\u00dflich und rief dazu auf, dass der erste Mann auf dem Mond ein US-Amerikaner sein m\u00fcsse. Die historische Mission der Apollo 11 erreichte 1969 nach drei Tagen den Mond: Mit an Bord: Neil Armstrong, Michael Collins und Edwin Aldrin. Am 21. Juli um 3:51 Uhr MEZ betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wienerzeitung.at\/nachrichten\/reflexionen\/vermessungen\/2171674-Der-letzte-Mann-auf-dem-Mond.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Die US-Flagge wurde gehisst<\/a>. Es war in erster Linie eine Demonstration amerikanischer \u00dcberlegenheit gegen\u00fcber der Sowjetunion. In den Jahren danach betraten weitere US-Astronauten den Mond, bis die Begeisterung f\u00fcr den Trabanten aufgrund anderer Gewichtungen wieder abflaute.<\/p>\n\n\n\n<h2>Den Mond im Visier<\/h2>\n\n\n\n<p>Es gab zwar viele Versuche und \u00dcberlegungen, doch erst seit kurzem ist der Mond wieder zum Sehnsuchtsort geworden. Die Nasa selbst bezeichnet 2022 als ein \u00fcberaus produktives Jahr. Es werde als eines der erfolgreichsten f\u00fcr Nasa-Missionen in die Geschichtsb\u00fccher eingehen, hie\u00df es von Nasa-Administrator Bill Nelson. Auch im Jahr 2023 gebe es so viel, worauf man sich freuen k\u00f6nne: Weitere atemberaubende Entdeckungen des Webb-Teleskops, Klimamissionen, die den Zustand der Erde dokumentieren, die Wahl der ersten Astronauten, die seit \u00fcber 50 Jahren nun zum Mond fliegen sollen, und mehr. Nelson betonte, dass die Nasa endlich beweisen k\u00f6nne, dass die Reichweite der Menschheit schier grenzenlos sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele L\u00e4nder wollen \u00f6ffentlichkeitswirksam dabei sein, um die Karten neu zu mischen: 2023 m\u00f6chte die ESA den Satelliten &#8222;Juice&#8220; auf den Weg zum Jupiter schicken und die &#8222;Sentinel-1C&#8220; f\u00fcr Pr\u00e4zisionsbilder von der Erdoberfl\u00e4che entsenden. Die asiatische Hightech-Nation Japan und die Raumfahrtagentur Jaxa will den Mond und den Mars erkunden und peilt eine erstmalige Landung eines eigenen Astronauten auf dem Mond an. Eine Mars-Erkundungsmission steht 2024 bevor. Indien macht sich startklar zu einer Mission zur Sonne und einem ersten Mondlandeversuch. Angedacht sind auch der Mars und die Venus. Hingegen investieren die Arabischen Emirate in den n\u00e4chsten zehn Jahre 800 Millionen Euro in die Raumfahrt und setzen dabei auf eine Mischung aus staatlichen und privaten Projekten. Auf dem Programm stehen neben dem Mars auch die Venus und der Asteroideng\u00fcrtel.<\/p>\n\n\n\n<p>China hat sich vorgenommen, bis 2025 ein wiederverwendbares Raumschiff zum Einsatz zu bringen. Man will au\u00dferdem Gesteinsproben von den Polarregionen des Mondes zur Erde holen, 2028 Proben vom Mars auswerten und 2029 den Jupiter erkunden. Auch wird mit Russland an Pl\u00e4nen f\u00fcr eine Forschungsstation auf dem Mond gearbeitet. Geplant ist zudem die Landung auf einem erdnahen Asteroiden. Am bemerkenswertesten ist, dass China Pl\u00e4ne zum Bau einer gemeinsamen Mondbasis mit Russland angek\u00fcndigt hat &#8211; obwohl kein Zeitplan f\u00fcr diese Mission festgelegt wurde. Trotz der internationalen Isolation seit dem Ukraine-Krieg plant Russland, Mitte 2023 die Raumsonde &#8222;Luna 25&#8220; zum Mond zu bringen, die eigentlich schon l\u00e4ngst unterwegs sein sollte. Nach vielen technischen Problemen soll es Roskosmos-Angaben zufolge nun zwischen Juni und Oktober so weit sein. &#8222;Luna 25&#8220; ist Teil des russischen Mondprogramms, das schon seit l\u00e4ngerer Zeit die Errichtung einer Basis auf dem Erdtrabanten vorsieht. Beachtlich ist der Griff Israels nach dem Mond. Nach dem Scheitern der &#8222;Beresheet&#8220; 2019 arbeitet man an einer erfolgreichen Umsetzung.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die USA haben sich hohe Ziele gesetzt. Sie wollen sp\u00e4testens bis 2024 wieder einen Astronauten auf dem Mond haben. Am 11. Dezember raste die unbemannte Orion-Kapsel der Nasa um den Mond und zur\u00fcck durch den Weltraum und beendete die Er\u00f6ffnungsmission des&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wienerzeitung.at\/nachrichten\/wissen\/forschung\/2171393-Erfolgreicher-Test-fuer-NASA-Mondmission.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Artemis-Mondprogramms<\/a>&nbsp;auf den Tag genau 50 Jahre nach der letzten Mondlandung von Apollo. Das Projekt, einen autarken Lebensraum auf dem Mond zu bauen, stehe allen Nationen offen, so die Nasa. Bisher sind 19 L\u00e4nder als Partner beigetreten. China tut dem gleich mit einer quasi &#8222;\u00f6ffentlichen&#8220; Aufforderung einer gemeinsamen Mondmission. Die wirklich entscheidende Frage ist, wer wen \u00fcberholen und der Erste sein wird. Bisher ist es nur staatlichen Programmen gelungen, auf dem Mond zu landen. Bereits seit Jahren wollen aber auch private Unternehmen auf den Mond. Dabei legen sie ein wahrhaft erstaunliches Tempo vor: Mitte Dezember ist eine Rakete vom Typ Falcon 9 des US-Raumfahrtunternehmens SpaceX mit einem kommerziellen japanischen Mondlander in Richtung Mond gestartet. &#8222;<a href=\"https:\/\/www.wienerzeitung.at\/nachrichten\/chronik\/welt\/2171293-Kommerzieller-Japan-Lander-zum-Mond-gestartet.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Hakuto&#8220; (Bedeutung im Japanischen: &#8222;Wei\u00dfer Hase&#8220;) hob vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral a<\/a>b. Sie soll bis Ende April 2023 ankommen.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Startl\u00f6chern stehen auch die US-Firmen Astrobotic und Intuitive Machines. Sie kl\u00fcgeln an einem direkteren und k\u00fcrzeren Weg zum Mond. Ob sie der Hakuto zuvorkommen, ist noch ungewiss. Der Chef von ispace, Takeshi Hakamada, sieht das gelassen: &#8222;Uns ist es ziemlich egal, wer zuerst ankommt&#8220;, sagte er im Magazin &#8222;New Scientist&#8220;. Hakamada hat eine besondere Vision f\u00fcr 2040: Eine kleine Stadt auf dem Mond namens &#8222;Moon Valley&#8220; mit 1.000 Bewohnern samt Infrastruktur zu bauen. Jedes Jahr sollen tausende Besucher angelockt werden. Falls dieser Zukunftstraum umgesetzt wird, ist er im Moment noch so wenig fassbar wie die ISS, als sie vor Jahrzehnten auf dem Rei\u00dfbrett konzipiert wurde. Niemand h\u00e4tte ahnen k\u00f6nnen, dass die unwahrscheinlichste Maschine, die die Menschheit jemals gebaut hat, so lange \u00fcber uns im Nachthimmel schweben w\u00fcrde, von der beachtlichen Gr\u00f6\u00dfe eines Fu\u00dfballfelds.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>RAUMFAHRT<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Artikel, vollst\u00e4ndig \u00fcbernommen<\/strong> wiener zeitung<\/p>\n\n\n\n<p>______WNat______<\/p>\n\n\n\n<p>werbung : <a href=\"http:\/\/www.kurtosmester.com\/\">www.kurtosmester.com<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>______WNat______<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>RAUMFAHRT Der Wettlauf ins All erlebt eine Renaissance &#8211; pl\u00f6tzlich will man wieder &#8222;zur\u00fcck zum Mond&#8220;. Sie ist so gro\u00df wie ein Fu\u00dfballfeld. Mit ihren 450 Tonnen kreist sie alle 93 Minuten mit einer Geschwindigkeit von 28.000 Stundenkilometern einmal um die Erde. 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