{"id":1174,"date":"2023-04-08T17:32:38","date_gmt":"2023-04-08T16:32:38","guid":{"rendered":"http:\/\/wienernachrichten.at\/?p=1174"},"modified":"2023-04-08T17:32:38","modified_gmt":"2023-04-08T16:32:38","slug":"ganz-persoenlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wienernachrichten.at\/?p=1174","title":{"rendered":"\u201eGANZ PERS\u00d6NLICH\u201c"},"content":{"rendered":"\n<h1>\u201eSonst verlassen die Frauen die Kirche\u201c<\/h1>\n\n\n\n<p><strong>Anna Rosenberger ist als Vorsitzende der katholischen Frauenbewegung eine der pr\u00e4gendsten Frauen in der Di\u00f6zese St. P\u00f6lten. Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber das Fest der Hoffnung, den Kampf der Frauen und die Urkraft des Glaubens.<\/strong>Online seit heute, 16.12 UhrTeilen<\/p>\n\n\n\n<p>Anna Rosenberger ist seit 2010 Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung (kfb) in der Di\u00f6zese St. P\u00f6lten, von 2012 bis 2015 war sie auch stellvertretende Vorsitzende der kfb \u00d6sterreich. Die 61-J\u00e4hrige ist verheiratet, Mutter von drei T\u00f6chtern und Gro\u00dfmutter von acht Enkelkindern. Sie war und ist in der Pfarre Oed (Bezirk Amstetten) und in der Gemeinde in verschiedenen Funktionen ehrenamtlich engagiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Glaube und die Kirche bezeichnet Rosenberger als ihre Heimat. Die Kirche muss sich aus ihrer Sicht \u00f6ffnen, sonst werde sie weiter Mitglieder, vor allem Frauen, verlieren. \u201eWir waren schon mal weiter\u201c, sagt sie im ORF-N\u00d6-Interview.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>noe.ORF.at: Anna Rosenberger, morgen ist Ostersonntag, wie wichtig ist dieser h\u00f6chste Feiertag im Kirchenjahr f\u00fcr Sie?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Anna Rosenberger: Enorm wichtig. Weihnachten ist zwar auch ein ganz bedeutsames Fest, aber es ist lieblicher, famili\u00e4rer. Ein kleines Kind wird geboren, von dem man zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, was aus diesem Kind einmal wird. Aber Ostern, das ist die gro\u00dfe Auferstehung Jesu Christi.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><em><strong>noe.ORF.at.: Es ist das Fest der Hoffnung, aber was kann das konkret bedeuten, angesichts der vielen Krisen, die wir haben?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Rosenberger: Ich glaube, gerade mit der Karwoche und dem Osterfest wird jedes Jahr widergespiegelt, was aufgrund der Krisen, die auf der ganzen Welt vorkommen, erlebt wird. Man begeht sozusagen das Leiden Christi, mit dem Kreuzweg, mit der Kreuzigung am Karfreitag. Das ist so ein Durchtauchen durch Leid und Krisen. Und das k\u00f6nnte man auch \u00fcbertragen auf die Situation, die jetzt in der Welt vorherrscht und sehr, sehr viele Menschen betrifft. Und dann kommt die Auferstehung. Dann gehen die Lichter an und alle Glocken l\u00e4uten wieder und die Orgel spielt das feierliche Halleluja und der Chor singt. Das ist so ein erhebendes Gef\u00fchl. Und genau das l\u00e4sst uns hoffen. Das kann uns Symbol sein f\u00fcr das Durchtauchen von Krisen.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/oekastatic.orf.at\/mims\/2023\/14\/49\/crops\/w=1280,q=90\/1745106_bigpicture_646849_230408_gp_anna_rosenberger_kath_frauenbewegung_00_03_43_04.jpg?s=5408a6146f94318602b881010bef3fd0e6a0e448\" alt=\"Anna Rosenberger\"\/><figcaption>Rosenberger ist seit 13 Jahren Vorsitzende der katholischen Frauenbewegung in der Di\u00f6zese St. P\u00f6lten<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2>Den Glauben ohne Kirche leben<\/h2>\n\n\n\n<p><em><strong>noe.ORF.at.: Viele Menschen ber\u00fchrt der Glaube nicht mehr so wie Sie. Die Zahl der Austritte steigt weiter. Rennen der Kirche die Leute weg?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Rosenberger: Ja, leider. Ich glaube, die Menschen haben verlernt, den Glauben zu leben, die Liturgie mitzufeiern. Corona hat das seine dazugetan. Da haben viele gesehen: Okay, mir passiert nichts, wenn ich nicht in die Kirche gehe, wenn ich nicht mitmache. Viele sagen sich, sie k\u00f6nnen ihren Glauben leben, wenn sie einen Spaziergang machen oder ein kurzes Sto\u00dfgebet schicken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><em><strong>noe.ORF.at.: Ist das so?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Rosenberger: Ja, ich glaube schon. Ich kenne das von mir, wenn ich eine gr\u00f6\u00dfere Runde drehe und einfach Gott loben kann aufgrund der Sch\u00f6nheit, die da ist. Aber Teil der Kirche sein geht anders in die Tiefe. Wenn ich bei einem Verein dabei bin, aber nicht an den Sitzungen teilnehme, dann werde ich nicht ganz mit dabei sein. Wenn ich aber teilnehme, dann lebe ich ganz anders in dieser Gemeinschaft mit. Rituale empfinde ich als st\u00e4rkend.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<h2>Leitende Personen m\u00fcssten mehr geschult werden<\/h2>\n\n\n\n<p><em><strong>noe.ORF.at.: F\u00fcr viele sind die Missbrauchsskandale ein Grund auszutreten. Wie kommen Sie damit zurecht?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Rosenberger: Mich belastet das manchmal sehr. F\u00fcr mich ist meine Kirche Heimat und daher kann ich es manchmal wirklich nicht verstehen, was da ist. Ich kann nur lernen, es annehmen. Es ist auf alle F\u00e4lle nicht in Ordnung, was da passiert. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich ist es aber kein Grund auszutreten. Ich glaube, das sind Menschen wie du und ich und es k\u00f6nnen einfach Fehler passieren. Und wer, wenn nicht wir als Kirche, m\u00fcssten eigentlich barmherzig sein?<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><em><strong>noe.ORF.at.: Ich glaube, viele haben ein Problem damit, dass die Kirche oft versucht hat, F\u00e4lle zu vertuschen.<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Rosenberger: Ich glaube, dass auch die leitenden Personen in der Amtskirche ganz gro\u00dfe Probleme damit haben, damit umzugehen. Vielleicht m\u00fcsste hier mehr geschult werden. Im Nachhinein k\u00f6nnen wir ganz viele Fehler feststellen.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><em><strong>noe.ORF.at.: Die katholische Frauenbewegung gibt es seit vielen Jahrzehnten, seit mehr als 70 Jahren. Aber noch immer haben Frauen keinen Zugang zu Weihe\u00e4mtern, noch immer gibt es keine Gleichberechtigung. Wie geht es Ihnen damit?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Rosenberger: Wir sind auf dem Weg. Wir sind immer noch auf dem Weg. Es gibt diese Momente, wo ich mir denke, das kann nicht sein, wo stehen wir? Waren wir nicht schon einmal weiter? Ich kenne diese Momente wirklich pers\u00f6nlich, auch in letzter Zeit. Und viele Frauen verlassen die Kirche. Frauen werden m\u00fcde zu k\u00e4mpfen. Da waren schon ganz gro\u00dfe Aufbr\u00fcche in den 80er- und 90er-Jahren. Aber ich sage immer zu meinen Frauen: Bitte bleiben wir dran, wir d\u00fcrfen nicht aufgeben. Ich habe Hoffnung. Irgendwann, irgendwann kommt es. Wir sind schon viele Schritte weiter.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<h2>Gleiche W\u00fcrde f\u00fcr Mann und Frau<\/h2>\n\n\n\n<p><em><strong>noe.ORF.at.: W\u00fcrden Sie sich als Feministin bezeichnen?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Rosenberger: Ja, doch. Sobald ich mich f\u00fcr Frauen einsetze, ist das eigentlich feministisch.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><em><strong>noe.ORF.at.: Wie gehen Feminismus und Kirche zusammen?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Rosenberger: Ich finde immer wieder im Evangelium Texte, die begr\u00fcnden, dass ich eine geliebte Tochter Gottes bin. Mann und Frau erschuf Gott als sein Ebenbild. Und da kann ich nur ableiten dass ich, so wie ich bin, als Frau einfach die gleiche W\u00fcrde habe. Die Amtskirche tut sich halt schwer damit.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><em><strong>noe.ORF.at.: Muss sich die Kirche Ihrer Meinung nach \u00e4ndern oder mehr \u00f6ffnen?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Rosenberger: Ja, unbedingt. Denn sonst verlassen die Frauen die Kirche, weil sie Gef\u00fchl haben, keinen Platz zu haben.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/radiothek.orf.at\/podcasts\/noe\/ganz-persoenlich\">ORF N\u00d6\u201eGanz Pers\u00f6nlich&#8220; als Podcast nachh\u00f6ren<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>noe.ORF.at.: Wie wichtig sind Ihnen im Alltag christliche Rituale?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Rosenberger: Wir leben in der Gro\u00dffamilie. Wir pflegen das Tischgebet. Wenn ich die Enkelkinder ins Bett bringe, dann beten wir. F\u00fcr die Enkelkinder ist es ganz normal, mit der Oma und dem Opa zu beten. Der Glaube ist f\u00fcr uns ganz selbstverst\u00e4ndlich. Ich habe unz\u00e4hlige B\u00fccher mit sch\u00f6nen Texten, die mich umgeben. So gehe ich schon in den Tag und ich glaube, dass sich das im Alltag auswirkt, wie wir miteinander umgehen oder welche Gedanken mich begleiten. Und das sind positive Gedanken und nicht angstmachende oder bedrohliche, sondern frohmachende und st\u00e4rkende.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><em><strong>noe.ORF.at.: Wenn Sie einen Begriff w\u00e4hlen m\u00fcssten, der Ihren Glauben beschreibt, welchen w\u00fcrden Sie w\u00e4hlen?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Rosenberger: Urkraft. Eine Urkraft, die immer da ist, auch dann, wenn es gerade nicht so intensiv gelebt wird, aber dennoch immer in mir schlummert.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte Eva Steinkellner-Klein, noe.ORF.at<\/p>\n\n\n\n<p>QELLE : ORF.AT <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSonst verlassen die Frauen die Kirche\u201c Anna Rosenberger ist als Vorsitzende der katholischen Frauenbewegung eine der pr\u00e4gendsten Frauen in der Di\u00f6zese St. P\u00f6lten. 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