{"id":1132,"date":"2023-04-05T17:41:22","date_gmt":"2023-04-05T16:41:22","guid":{"rendered":"http:\/\/wienernachrichten.at\/?p=1132"},"modified":"2023-04-05T17:41:22","modified_gmt":"2023-04-05T16:41:22","slug":"stadtplanung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wienernachrichten.at\/?p=1132","title":{"rendered":"Stadtplanung"},"content":{"rendered":"\n<h1>Gro\u00dfbaustellen, die Wien zu Wien machten<\/h1>\n\n\n\n<p>Gro\u00dfbaustellen, die Wien zu Wien machten teilen<a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?tags=Geschichte\/Zeitgeschichte\">Zeitgeschichte<\/a><a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?tags=Kultur\">Kultur<\/a><a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?tags=%C3%96sterreich\">\u00d6sterreich<\/a><a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?tags=Geschichte\">Geschichte<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>23. Februar 2022, 12:00 UhrDieser Beitrag ist \u00e4lter als ein Jahr<\/p>\n\n\n\n<p>Was gibt es Spannenderes, als Baustellenschauen? Das kann man jetzt am Baustellenzaun \u2013 und zwar in doppelter Hinsicht: Das Wien Museum zeigt am Rande der eigenen Baustelle gro\u00dfformatige Luftaufnahmen von den wichtigsten Baustellen der Wiener Nachkriegsmoderne, wie etwa jenen der Wiener Stadthalle, der UNO-City, des Wohnparks Alterlaa und der Donauinsel. Der Bauboom von damals erinnert an jenen von heute.<a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?authors=Simon+Hadler\">Simon Hadler<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Aber was ist eigentlich so toll an Baustellen, warum k\u00f6nnen so viele Menschen nicht an ihnen vorbeigehen, ohne zumindest verstohlen zu gaffen? Sandor Bekesi, einer der beiden Kuratoren der Ausstellung, erkl\u00e4rt sich das im Interview mit ORF.at so: Baustellen, gerade bei Gro\u00dfprojekten, seien eine St\u00f6rung, sie w\u00fcrden Ver\u00e4nderung bedeuten. Und dann all die gewaltigen Maschinen, die man so noch nie gesehen habe!<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade nach dem Krieg ver\u00e4nderte sich die Stadt, sie wurde zweigeteilt. Hier die Gr\u00fcnderzeitviertel, dort die Per-Albin-Hansson-Siedlung, die Gro\u00dffeldsiedlung, der Rennbahnweg, der Wohnpark Alterlaa. Die Bausubstanz der Gr\u00fcnderzeith\u00e4user verfiel, das Alte verlor an Attraktivit\u00e4t. Diese gravierende \u00c4nderung im Stadtbild wollte man sehen. Oder die Bagger, die die Donauinsel schaufelten. Oder die gr\u00f6\u00dfte Baugrube Europas am Wiener Karlsplatz. F\u00fcr solche Megabaustellen gab es schon damals \u2013 wie zuletzt in Wien beim Bau des Hauptbahnhofs \u2013 eigene T\u00fcrme zum Beobachten. Die Baustellen waren echte Attraktionen.<strong><\/strong>01:54<\/p>\n\n\n\n<p>Die Baustelle der Wiener Stadthalle<\/p>\n\n\n\n<h2>Stadtentwicklung im Zoom<\/h2>\n\n\n\n<p>Aber die Ausstellung widmet sich nicht nur der Lust am Schauen. Initiiert wurde sie vom Stadt- und Umwelthistoriker Friedrich Hauer, der zuvor auf die spektakul\u00e4ren Schr\u00e4gluftaufnahmen gesto\u00dfen war. W\u00e4hrend Bilder von oben einen Stadtplancharakter vermitteln, sieht man in der Schr\u00e4ge etwas von den Geb\u00e4uden, man zoomt sich in eine 3D-Landschaft und kann viele Details erkennen, vor allem bei den riesigen Blow-ups am Baustellenzaun des Wien Museums. Dort sind auch analytische \u201eLesehilfen\u201c der Stadt in die Bilder eingeschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Schnell ist klar: Es gibt Phasen, in denen eine Stadt regelrecht geformt wird. Die Gr\u00fcnderzeit im 19. Jahrhundert, deren Bauten bis heute die Innenstadtbezirke Wiens und Teile der Au\u00dfenbezirke pr\u00e4gen, war so eine Zeit. Und auch die Wirtschaftswunderjahre nach dem Zweiten Weltkrieg schrieben sich tief in die Stadt ein. So wie auch heute das Stadtbild der Zukunft gepr\u00e4gt wird. Solche Phasen haben etwas gemeinsam: Es passt der Mix aus wirtschaftlichen und politischen Faktoren: Das Geld ist da, die Zinsen stimmen \u2013 und die politische Situation.<strong><\/strong>01:08<\/p>\n\n\n\n<p>Die Baustelle der UNO-City<\/p>\n\n\n\n<h2>Die Stadt wurde dem Auto untertan gemacht<\/h2>\n\n\n\n<p>Auch die Demographie und die gesellschaftliche Gro\u00dfwetterlage m\u00fcssen passen. W\u00e4hrend der Gr\u00fcnderzeit wuchs die Stadt aufgrund des Zuzugs. Und in den Wirtschaftswunderjahren wurde sie dem Auto untertan gemacht. Bekesi erz\u00e4hlt, dass viel von dem, was damals gebaut wurde, dazu diente, dem Autoverkehr freie Bahn zu verschaffen. Der Praterstern etwa. Und auch die unterirdische Karlsplatz-Passage m\u00fcsse man nicht als Baujuwel verkl\u00e4ren. Sie sollte die Fu\u00dfg\u00e4nger von der Oberfl\u00e4che verbannen, genauso das \u201eJonas-Reindl\u201c am Schottentor.<\/p>\n\n\n\n<p>Anderes wiederum war Symbol f\u00fcr die Aufbruchsstimmung, wie etwa die Wiener Stadthalle des Architekten Roland Rainer, mit der die Verantwortlichen zeigen wollten, wie modern die Stadt sein kann. Oder die Donauinsel, an der man Details kritisieren kann \u2013 die aber Wien erstens effektiv vor Hochwasser sch\u00fctzt und zweitens, wie Bekesi betont, als Naherholungsgebiet f\u00fcr die Menschen in Wien bis heute wichtig geblieben ist.<strong><\/strong>01:01<\/p>\n\n\n\n<p>Die Baustelle der Donauinsel<\/p>\n\n\n\n<p>Viel radikaler h\u00e4tte man den Stadtraum damals neu definieren k\u00f6nnen, so Bekesi, aber daf\u00fcr h\u00e4tten der Mut und der politische Wille gefehlt. Man h\u00e4tte auch eine Ausstellung dar\u00fcber machen k\u00f6nnen, was damals alles gerade nicht gebaut wurde. Und von dem, was umgesetzt wurde, habe sich manches bew\u00e4hrt, und manches eben nicht, manches wurde r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht. Von der Wiedner Hauptstra\u00dfe zur Oper kann man heute wieder oberirdisch gehen \u2013 so wie man auch die Ringstra\u00dfe beim Schottentor wieder \u00fcberqueren kann, ohne unter der Erde verschwinden zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<h2>Was bleibt \u2013 und was nicht<\/h2>\n\n\n\n<p>So wie wir heute auf damals zur\u00fcckblicken \u2013 kritisch und mit Distanz \u2013 wird auch auf den beispiellosen Bauboom der heutigen Zeit zur\u00fcckgeblickt werden: von den Hochhausprojekten auf der Donauplatte \u00fcber das Sonnwendviertel und die Seestadt bis hin zum Heumarkt-Projekt und den neuen Bauten entlang des Donaukanals. Schon jetzt etwa w\u00fcrde bei der Seestadt dar\u00fcber diskutiert werden, ob die anf\u00e4nglich gar nicht so geplante Verdichtung eine so gute Idee war und die Stadt in der Stadt als solche wirklich gut funktioniere.<\/p>\n\n\n\n<p>Und schon jetzt, so Bekesi, sei absehbar, dass man in Zukunft beim Blick auf das eine oder andere Hochhaus die H\u00e4nde \u00fcber dem Kopf zusammenschlagen wird. Welche genau er meint, m\u00f6chte er nicht sagen. Aber: Da sei einiges ausgeufert in letzter Zeit, da werde man noch einiges bereuen. Anderes wieder werde auch noch in 40 Jahren \u201esuper funktionieren\u201c. M\u00f6ge der Anteil derer, die im R\u00fcckblick vieles \u201esuper\u201c finden, h\u00f6her sein als der Anteil jener, die die Nase r\u00fcmpfen \u00fcber die 10er und 20er Jahre des 21. Jahrhunderts.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Simon Hadler, ORF Topos<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2>Link:<\/h2>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"https:\/\/www.wienmuseum.at\/de\/ausstellungen\/aktuell\/ansicht\/stadt-luft-bild-grossbaustellen-der-nachkriegsmoderne\">\u201eStadt Luft Bild\u201c<\/a>&nbsp;(Ausstellung im Wien Museum)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>v1.0.4-production (04. April 2023, 12:05:59)<\/p>\n\n\n\n<p>QELLE : ORF.AT <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gro\u00dfbaustellen, die Wien zu Wien machten Gro\u00dfbaustellen, die Wien zu Wien machten teilenZeitgeschichteKultur\u00d6sterreichGeschichte 23. Februar 2022, 12:00 UhrDieser Beitrag ist \u00e4lter als ein Jahr Was gibt es Spannenderes, als Baustellenschauen? 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