{"id":1059,"date":"2023-04-05T16:47:43","date_gmt":"2023-04-05T15:47:43","guid":{"rendered":"http:\/\/wienernachrichten.at\/?p=1059"},"modified":"2023-04-05T16:47:43","modified_gmt":"2023-04-05T15:47:43","slug":"rom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wienernachrichten.at\/?p=1059","title":{"rendered":"ROM"},"content":{"rendered":"\n<h1>Hoffnung im Kampf gegen ewige Probleme<\/h1>\n\n\n\n<p><strong>Seit sechzehn Monaten ist Roberto Gualtieri B\u00fcrgermeister von Rom, seine bisherige Bilanz ist durchwachsen. Die ewigen Probleme mit dem M\u00fcll und dem unzul\u00e4nglichen \u00f6ffentlichen Verkehr bestehen nach wie vor, wurden teils noch schlimmer. Doch die Zeit arbeitet f\u00fcr ihn: In den kommenden vier Jahren steht dem Sozialdemokraten ein Budget von 13 Milliarden Euro zur Verf\u00fcgung, um die Stadt zu revitalisieren.<\/strong>Online seit heute, 6.17 UhrTeilen<\/p>\n\n\n\n<p>Neben Geldern aus Italiens Nationalem Aufbau- und Resilienzplan (Piano Nazionale di Ripresa e Resilienza, PNRR) kann die Stadt Mittel aus dem Postpandemiefonds der EU sowie Einnahmen f\u00fcr die Ausrichtung des katholischen Jubil\u00e4umsjahres im Jahr 2025 abrufen. Weitere sechs Mrd. Euro k\u00f6nnten flie\u00dfen, wenn es Rom gelingen w\u00fcrde, die saudi-arabische Hauptstadt Riad auszustechen und den Zuschlag f\u00fcr die Weltausstellung 2030 zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir f\u00fchren das gr\u00f6\u00dfte Investitionsprogramm des letzten Jahrzehnts durch, um die Stadt zu modernisieren\u201c, sagte B\u00fcrgermeister Gualtieri dieser Tage in einem Interview mit Bloomberg. Ziel sei es, \u201enicht nur die Dienstleistungen der Stadt effizienter zu machen, was in den letzten Jahren etwas vernachl\u00e4ssigt wurde, sondern Rom auch an die Spitze punkto Digitalisierung, technologischer Innovation und Nachhaltigkeit zu bringen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/assets.orf.at\/mims\/2023\/11\/84\/crops\/w=1280,q=90\/1712819_bigpicture_633284_rom_finanzen_body02_r.jpg?s=cf206445d286031e6ceda4216729aaeff76d26ba\" alt=\"Roberto Gualtieri\"\/><figcaption>In medialen Analysen wird die bisherige Amtszeit Gualtieris als nicht sonderlich gegl\u00fcckt bezeichnet<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2>Milliardenspritze f\u00fcr marode Metro<\/h2>\n\n\n\n<p>Mehrere Milliarden Euro sollen in die Modernisierung des \u00f6ffentlichen Nahverkehrs in Rom flie\u00dfen. Bis 2033 sollen die Verl\u00e4ngerung der drei U-Bahn-Linien und die \u00dcberarbeitung eines alten, bis dato nicht realisierten Projekts \u2013 die Errichtung einer vierten Linie \u2013 abgeschlossen sein. Gualtieri ist dabei sehr um die Zusammenarbeit mit Italiens rechter Regierung bem\u00fcht, wie die Onlinezeitung Il Post unl\u00e4ngst schrieb. Sowohl im Dezember als auch Anfang Februar besuchte Verkehrsminister Matteo Salvini die Baustelle der Metro C in Begleitung von Gualtieri.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger Roms ist das fraglos ein erfreulicher Ausblick, derzeit \u00fcberwiegt aber noch der Unmut: Aufgrund langwieriger und strukturell unerl\u00e4sslicher Renovierungsarbeiten wurde die U-Bahn-Linie A mehrere Monate lang um 21 Uhr geschlossen, die Linie B ist das voraussichtlich noch das ganze Jahr. Das \u00fcbrige Verkehrsnetz der Stadt ist zu k\u00e4rglich, um den Ausfall kompensieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/assets.orf.at\/mims\/2023\/11\/88\/crops\/w=1280,q=90\/1712834_bigpicture_633288_rom_finanzen_body03_im.jpg?s=a4cde2b10c716af1dfa03d7647bd25dcacec4584\" alt=\"U-Bahn-Station in Rom\"\/><figcaption>\u00c4rger \u00fcber den \u00f6ffentlichen Verkehr geh\u00f6rt in Rom zum Alltag<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2>Kampf den M\u00fcllbergen<\/h2>\n\n\n\n<p>Weitere Finanzierungspl\u00e4ne Gualtieris sehen die Installation einer modernen 5-G-Infrastruktur f\u00fcr die ganze Stadt vor. Au\u00dferdem will er die Neugestaltung von Parks und historischen G\u00e4rten beauftragen und virtuelle M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Touristen und Touristinnen schaffen, das reiche historische Erbe Roms zu erkunden. In den Niederungen der Politik schwelt aber sein gr\u00f6\u00dftes Reformprojekt, das gleichzeitig auch sein wichtigstes Wahlkampfversprechen war: die italienische Hauptstadt endlich von ihren M\u00fcllbergen zu erl\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Problem besteht seit vielen Jahren. Bis 2013 wurden die knapp 5.000 Tonnen Abfall, die damals t\u00e4glich in Rom anfielen, auf die offene Deponie Malagrotta vor den Toren der Stadt gefahren. Dann musste Europas gr\u00f6\u00dfte M\u00fclldeponie schlie\u00dfen, sie widersprach allen EU-Normen und war restlos \u00fcberf\u00fcllt. Ein neues Entsorgungskonzept lag aber nicht vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gro\u00dfteil des M\u00fclls wird seitdem in vier TMB (Trattamento meccanico-biologico; mechanisch-biologische Verarbeitung)-Anlagen nahe Rom gekarrt. Dort werden biologische Abf\u00e4lle aussortiert, was \u00fcbrigbleibt, wird zu M\u00fcllverbrennungsanlagen gebracht. Der Haken dabei: Rom verf\u00fcgt \u00fcber keine einzige einer solchen Anlage, der M\u00fcll muss in diverse St\u00e4dte Italiens exportiert werden, bis vor f\u00fcnf Jahren landete er teils auch in \u00d6sterreich.<\/p>\n\n\n\n<h2>Wildschweine auf den Stra\u00dfen<\/h2>\n\n\n\n<p>Als im Juni letzten Jahres eine der TMB-Anlagen auf dem Areal der ehemaligen Riesendeponie Malagrotta abbrannte, wallte der M\u00fcllnotstand wieder auf. Der Unrat kehrte auf die Stra\u00dfen, zumindest au\u00dferhalb des Zentrums, zur\u00fcck, und mit ihm die Wildschweine, die l\u00e4ngst zur Plage geworden und mittlerweile zum Abschuss freigegeben sind.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/assets.orf.at\/mims\/2023\/11\/85\/crops\/w=1280,q=90\/1712815_bigpicture_633285_rom_finanzen_body_afp.jpg?s=8fb1c8428271d487b57f2ed8b4d7791bc7adc6f4\" alt=\"\u00dcbergehende Mistk\u00fcbel in Rom\"\/><figcaption>Die M\u00fcllberge konnten bisher nicht aus Roms Stadtbild vertrieben werden<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Noch ehe das M\u00fcllproblem im Sommer 2022 wieder eskalierte, versprach Gualtieri den Bau einer M\u00fcllverbrennungsanlage f\u00fcr Rom, um das Problem ein f\u00fcr alle Mal zu l\u00f6sen. \u201eEs ist Zeit, die Geschichte zu beenden, die schon viel zu lange dauert\u201c, sagte Gualtieri, der rund eineinhalb Jahre auch italienischer Finanzminister war.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Vorhaben war lange Zeit umstritten, die Vorg\u00e4ngerverwaltung der F\u00fcnf-Sterne-Politikerin Virginia Raggi verweigerte den Bau und bekam dabei Unterst\u00fctzung von Umweltverb\u00e4nden: Prim\u00e4res Ziel m\u00fcsse stattdessen sein, den Anteil von Trennm\u00fcll zu erh\u00f6hen. Das Gegenargument lautet, dass die Abfallsituation in Rom so dramatisch sei, dass eine eigene M\u00fcllverbrennungsanlage die einzig m\u00f6gliche L\u00f6sung darstelle.<\/p>\n\n\n\n<h2>Lasche Verwaltung als Bremsklotz<\/h2>\n\n\n\n<p>An mangelnden Geldern sollten Gualtieris weitreichende Pl\u00e4ne nicht scheitern, vielmehr droht ein weiteres altbekanntes \u00dcbel Roms: die Unzul\u00e4nglichkeit, die im Haushalt vorgesehenen Mittel auch angemessen auszugeben. Das Problem hat mehrere Ursachen, vor allem aber fehlt es an qualifizierten \u00f6ffentlichen Bediensteten, sprich: Viele \u00c4mter machen ihre Arbeit nicht, schlecht oder langsam.<\/p>\n\n\n\n<p>In seinem 2020 erschienenem Buch \u201eRoma come se\u201c bezeichnet der ehemalige stellvertretende B\u00fcrgermeister der Stadt, Walter Tocci, die Stadtverwaltung als \u201enahe dem Kollaps&#8220;. Das Ergebnis beschreibt Tocci anhand der Stadtfinanzen Roms aus dem Jahr 2018: \u201e545 Millionen Euro, etwa elf Prozent der Einnahmen, wurden nicht f\u00fcr laufende Ausgaben verwendet. Diese Summe, die in der Haushaltsprognose in vollem Umfang zur Verf\u00fcgung stand, h\u00e4tte es erm\u00f6glicht, die Dienstleistungen der Stadt zu erweitern und zu verbessern.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sollte es Gualtieri gelingen, hie\u00df es in Il Post, den Verwaltungsapparat zum Funktionieren zu bringen und die bereits bewilligten oder zugesagten Mittel sinnvoll einzusetzen, best\u00fcnde die Hoffnung, die chronische Unzufriedenheit der R\u00f6mer und R\u00f6merinnen mit ihrer Stadtregierung zu schm\u00e4lern. Der B\u00fcrgermeister selbst ist optimistisch: Die &#8222;Konstellation der Sterne\u201c spreche daf\u00fcr, dass eine Erneuerung der als unregierbar geltenden Stadt gl\u00fccken werde.<\/p>\n\n\n\n<p>aloh, ORF.at<\/p>\n\n\n\n<h2>Links:<\/h2>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"https:\/\/www.comune.roma.it\/web\/it\/home.page\">R\u00f6mische Stadtregierung<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.governo.it\/it\">Italienische Regierung<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/news\/articles\/2023-03-12\/finance-savvy-rome-mayor-has-13-billion-to-revamp-eternl-city\">Bloomberg-Artikel<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.ilpost.it\/2023\/03\">Il-Post-Artikel<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>QELLE : ORF.AT <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hoffnung im Kampf gegen ewige Probleme Seit sechzehn Monaten ist Roberto Gualtieri B\u00fcrgermeister von Rom, seine bisherige Bilanz ist durchwachsen. 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Doch die Zeit arbeitet f\u00fcr ihn: In den kommenden vier Jahren<span class=\"more-link\"><a href=\"https:\/\/wienernachrichten.at\/?p=1059\">Continue Reading<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wienernachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1059"}],"collection":[{"href":"https:\/\/wienernachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wienernachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wienernachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wienernachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1059"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wienernachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1059\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1060,"href":"https:\/\/wienernachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1059\/revisions\/1060"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wienernachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1059"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wienernachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1059"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wienernachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1059"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}