{"id":1057,"date":"2023-04-05T16:46:26","date_gmt":"2023-04-05T15:46:26","guid":{"rendered":"http:\/\/wienernachrichten.at\/?p=1057"},"modified":"2023-04-05T16:46:26","modified_gmt":"2023-04-05T15:46:26","slug":"experten-fordern-reformen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wienernachrichten.at\/?p=1057","title":{"rendered":"EXPERTEN FORDERN REFORMEN"},"content":{"rendered":"\n<h1>Warnung vor \u201eCrash\u201c im Gesundheitswesen<\/h1>\n\n\n\n<p><strong>Im \u00f6sterreichischen Gesundheitswesen droht ohne Reformen im Detail und im Gro\u00dfen ein \u201eCrash\u201c. Diese Warnung \u00e4u\u00dferten am Mittwoch Expertinnen und Experten und erg\u00e4nzten: Ausbau der Versorgung und Neustrukturierung von Patientenverteilung, Leistungen und Finanzierung m\u00fcssen jetzt schnell und in Kombination angegangen werden.<\/strong>Online seit heute, 14.38 UhrTeilen<\/p>\n\n\n\n<p>Die demografische Entwicklung mit dem Altwerden der Babyboomer und zuletzt die Coronavirus-Pandemie haben offenbar zu einer starken Versch\u00e4rfung von Engp\u00e4ssen, Personalproblemen und strukturellen Schwierigkeiten gef\u00fchrt, hie\u00df es bei der Vorstellung des Jahrbuchs der Praevenire-Gesundheitsinitiative in Wien weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Beispiel sind Kinder- und Jugendgesundheit, und hier speziell die psychiatrische Versorgung, sagte der Leiter der Wiener Universit\u00e4tsklinik f\u00fcr Kinder- und Jugendpsychiatrie, Paul Plener. \u201eIm Vergleich zu vor der Pandemie haben wir im vergangenen Jahr dreimal so viele Patienten nach Suizidversuchen zu versorgen gehabt\u201c, so Plener.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gesundheitswesen, so der Experte, m\u00fcsse umfassend reagieren. Es brauche den Ausbau der ambulanten psychiatrischen Versorgung, mehr auf Krankenkosten bezahlte Psychotherapieangebote f\u00fcr Kinder- und Jugendliche und schlie\u00dflich eine Verdoppelung der Zahl der station\u00e4ren Betten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, um in \u00d6sterreich auf einen \u201eeurop\u00e4ischen Standard\u201c zu kommen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/tvthek.orf.at\/profile\/Report\/11523134\/Report\/14174114\/Medizinerflaute-Kein-Ende-in-Sicht\/15370860\">Report, 4.4.2023<\/a><strong>Medizinerflaute: Kein Ende in Sicht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2>Ruf nach Staatssekretariat f\u00fcr Kindergesundheit<\/h2>\n\n\n\n<p>Markus Wieser, Pr\u00e4sident der nieder\u00f6sterreichischen Arbeiterkammer (AK), verwies auf die Bedeutung der Rehabilitation im Bereich Kinder- und Jugendgesundheit. Hier habe es Fortschritte gegeben. Doch jetzt m\u00fcsse man Eltern und Angeh\u00f6rigen von Kindern und Jugendlichen in diesen Einrichtungen durch bezahlte Freistellungen die M\u00f6glichkeit geben, diese auch in der Rehabilitation zu begleiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieser forderte die Einrichtung eines \u201eStaatssekretariats f\u00fcr Kinder- und Jugendgesundheit im Gesundheitsministerium\u201c und eine \u201eKinder- und Jugendgesundheits-Milliarde\u201c an Budgetmitteln. Schlie\u00dflich m\u00fcsse man f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen von kranken Kindern und Jugendlichen mit hohem Betreuungsaufwand auch den Begriff von \u201eSekund\u00e4rpatienten\u201c als Folge der Belastungen schaffen und ihnen helfen.<\/p>\n\n\n\n<h2>\u201eBetonw\u00e4nde zwischen den Sektoren\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p>Wesentlich, so die Experten, sei auch eine Neustrukturierung in der Patientenversorgung vom niedergelassenen bis zum station\u00e4ren Bereich. Karl Lehner, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der O\u00d6 Gesundheitsholding: \u201eDie Spit\u00e4ler sind die Spitze der Pyramide des Gesundheitswesens. Wir m\u00fcssen wesentlich mehr daf\u00fcr sorgen, dass wir die Sektorengrenzen im Gesundheitswesen \u00fcberschreiten. Wir haben Betonw\u00e4nde zwischen den Sektoren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Man k\u00f6nnte sich zum Beispiel viele Kosten und Ineffizienzen ersparen, wenn Spitalsambulanzen und niedergelassene Medizin aus einem Topf finanziert, geplant und gesteuert w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<h2>\u201eVom Bettendenken zum Funktionsdenken\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p>Drastisch formulierte den Reformbedarf Wilhelm Marhold, ehemals Chef der st\u00e4dtischen Wiener Spit\u00e4ler: \u201eEs vergeht kein Tag, an dem nicht M\u00e4ngel im \u00f6sterreichischen Spitalswesen in den Medien aufscheinen. Es macht keinen Sinn, mit dem \u201aFlammenwerfer\u2018 herumzugehen und einmal die \u00c4rzteschaft, einmal die Krankenkassen anzugreifen. (\u2026) Wenn wir so weitermachen wie bisher, f\u00e4hrt das System an die Wand.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Marhold muss es dringend zu einer \u201eAmbulantisierung\u201c eines gro\u00dfen Teils der tagesklinisch durchf\u00fchrbaren medizinischen Leistungen kommen. Der Fortschritt von Medizin und Technologie sei dringend in den Strukturen der Krankenh\u00e4user abzubilden. Das erlaube auch ein Arbeitsumfeld, das den aktuellen Erwartungen von \u00c4rzteschaft und Pflegekr\u00e4ften entspreche. \u201eWir m\u00fcssen vom Bettendenken ins Funktionsdenken kommen\u201c, forderte der Experte.<\/p>\n\n\n\n<h2>Verweis auf Arzneimittelengp\u00e4sse<\/h2>\n\n\n\n<p>Die aktuellen Schwierigkeiten in der Arzneimittelversorgung schilderte Erwin Rebhandl, langj\u00e4hriger Hausarzt in Ober\u00f6sterreich und Gr\u00fcnder eines Prim\u00e4rversorgungszentrums: \u201eGerade in den vergangenen zwei, drei Wochen haben wir viele Streptokokken-Infektionen gehabt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Breitband-Antibiotika (Amoxicillin\/Clavulans\u00e4ure) seien nur noch via magistrale Zubereitung in den Apotheken zur Verf\u00fcgung gestanden. Das eigentlich optimal passende Antibiotikum, Penicillin V, habe es nicht mehr gegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Linzer Krankenhausapothekerin und Praevenire-Vorstandsmitglied Gunda Gittler forderte in diesem Zusammenhang gesetzlich verpflichtende Lagerhaltung: \u201eWir haben im intramuralen Bereich (Krankenh\u00e4user; Anm.) gesetzlich verpflichtend Lager f\u00fcr 14 Tage zu halten. Unsere Vorlieferanten haben keine gesetzliche Verpflichtung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2>Deutlich gestiegene Ausgaben<\/h2>\n\n\n\n<p>Alexander Biach, Ex-Chef des damaligen Hauptverbandes der Sozialversicherungstr\u00e4ger und nunmehr Direktor-Stellvertreter der Wirtschaftskammer Wien, verwies auf die unterschiedliche Kostenentwicklung in den einzelnen Sektoren des Gesundheitswesens.<\/p>\n\n\n\n<p>So seien die Ausgaben f\u00fcr die \u00f6ffentlichen und die Ordensspit\u00e4ler von 2012 bis 2021 um 41 Prozent gestiegen, die Aufwendungen f\u00fcr die Spitalsambulanzen aber um 105 Prozent, die Honorarkosten f\u00fcr die niedergelassenen \u00c4rzte im Vergleich dazu um 48 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p>Es sollte also sinnvoll sein, Ambulanzen und niedergelassenen Bereich gemeinsam zu finanzieren und zu planen, um ein Herumschieben von Patientinnen und Patienten bzw. von Leistungen wegen der unterschiedlichen Kostentr\u00e4ger (Spit\u00e4ler: prim\u00e4r Bundesl\u00e4nder; niedergelassener Bereich: prim\u00e4r Krankenkassen) in Zukunft zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n<h2>Etliche Forderungen an Politik<\/h2>\n\n\n\n<p>Zu der im Jahrbuch der Praevenire-Initiative f\u00fcr 2022\/2023 enthaltenen Forderungen an die Politik geh\u00f6rt schlie\u00dflich auch eine durchgehende Digitalisierung des Gesundheitswesens. Dazu kommt der Ruf nach einer verst\u00e4rkten Vorsorge und Fr\u00fcherkennung, Neuordnung der Berufsrechte der Gesundheitsberufe, Konzentrierung von medizinischen Leistungen im Rahmen der Spezialisierung und Ausbau der Disease-Management-Programme f\u00fcr chronisch Kranke.<\/p>\n\n\n\n<h2>SOS-Kinderdorf schl\u00e4gt Alarm<\/h2>\n\n\n\n<p>Auch SOS-Kinderdorf warnte am Mittwoch in einer Aussendung \u201evor den drastischen Auswirkungen einer eklatanten Mangelversorgung in der Kinder- und Jugendmedizin\u201c und rief zu raschem Handeln auf.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir haben es aktuell mit einer dramatischen Lage zu tun, in der es viel zu wenige Kassenpl\u00e4tze gibt und die vorhandenen oft lange Zeit unbesetzt bleiben. Vor allem bei der psychosozialen Versorgung spitzt sich die Situation besonders zu\u201c, erl\u00e4uterte SOS-Kinderdorf-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Christian Moser. Es brauche dringend mehr Aufmerksamkeit, Innovation und budget\u00e4re Mittel von allen Seiten.<\/p>\n\n\n\n<p>red, ORF.at\/<a href=\"https:\/\/orf.at\/stories\/impressum-nachrichtenagenturen\/\">Agenturen<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2>Link:<\/h2>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"https:\/\/praevenire.at\/jahrbuch\/\">Praevenire-Jahrbuch<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>QELLE : ORF.AT <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warnung vor \u201eCrash\u201c im Gesundheitswesen Im \u00f6sterreichischen Gesundheitswesen droht ohne Reformen im Detail und im Gro\u00dfen ein \u201eCrash\u201c. 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