{"id":1047,"date":"2023-03-31T16:51:37","date_gmt":"2023-03-31T15:51:37","guid":{"rendered":"http:\/\/wienernachrichten.at\/?p=1047"},"modified":"2023-03-31T16:51:37","modified_gmt":"2023-03-31T15:51:37","slug":"klimts-wasserschlangen-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wienernachrichten.at\/?p=1047","title":{"rendered":"Klimts \u201eWasserschlangen II\u201c"},"content":{"rendered":"\n<h1>Vom Zollfreihafen zur\u00fcck ins Museum<\/h1>\n\n\n\n<p>Vom Zollfreihafen zur\u00fcck ins Museum teilen<a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?tags=Geschichte\/Zeitgeschichte\">Zeitgeschichte<\/a><a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?tags=Kultur\">Kultur<\/a><a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?tags=Kultur\/Kunst\/Bildende+Kunst\">Bildende Kunst<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>29. Januar 2023, 19:30 Uhr<\/p>\n\n\n\n<p>Zuletzt hat \u201eWasserschlangen II\u201c, das teuerste Bild Gustav Klimts, rund um einen Kunsthandelsprozess mit Beteiligung des russischen Oligarchen Dmitri Rybolowlew Schlagzeilen gemacht. Nach 59 Jahren ist es erstmals wieder in Wien im Rahmen einer Ausstellung im Belvedere zu sehen, wie die ZIB berichtete.<a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?authors=Florian+Baranyi\">Florian Baranyi<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWasserschlangen II\u201c (1904-1907), ein \u00d6lbild von 80 mal 145 Zentimetern, ist ein Hauptwerk aus Klimts goldener Periode. Die Deutung \u2013 eine symbolische Darstellung weiblicher Homosexualit\u00e4t wurde immer wieder diskutiert \u2013 fiel nicht nur den Zeitgenossen des Fin de Si\u00e8cle schwer. Insgesamt war Klimt ein Unverstandener, wie es auch die Popul\u00e4rkultur bis heute nachzeichnet \u2013 von Ra\u00fal Ruiz\u2019 \u201eKlimt\u201c (2006), in dem John Malkovich den streitbaren Maler gab, bis hin zu der in diesen Tagen auf Deutsch erscheinenden Graphic Novel \u201eKlimt\u201c von Jean-Luc Cornette und Marc-Renier, deren Handlung genau zur Fertigstellungszeit der \u201eWasserschlangen II\u201c einsetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber Deutungen dieses Werkes kann man sich ab Freitag jedenfalls wieder informiert unterhalten, wenn das Bild erstmals seit fast 60 Jahren wieder in \u00d6sterreich \u00f6ffentlich in der Belvedere-Schau \u201eKlimt. Inspired by Van Gogh, Rodin, Matisse\u2026\u201c zu sehen sein wird. Dann lassen sich auch Details beobachten, auf die Stefanie Jahn, Leiterin der Restaurierung im Belvedere hinweist, wie etwa, dass Klimt bei den \u201eWasserschlangen II\u201c dieselbe Goldtechnik wie im \u201eKuss\u201c angewendet und Gold-, Silber- und Platinbl\u00e4ttchen eingearbeitet hat (siehe Video oben).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/soph-assets.orf.at\/sis\/image\/20d994ed-23f1-4df1-8d9f-4e261a9be887\/AAABhf80_Lo\/AAABhKSzBRA\/topos_body_3_2\/klimt-wasserschlangenII112.jpeg\" alt=\"Ausschnitt aus dem Gem\u00e4lde, auf dem bunte Blumen, Fische und Ornamente zu sehen sind\" title=\"Klimts \u201eWasserschlangen II\u201c (Detail): Das Gem\u00e4lde stammt aus der Phase, in der Klimt mit Edelmetallen experimentiert hat, das sehe man an den Details, sagt Belvedere-Restauratorin Stafanie Jahn. \"\/><figcaption>Klimts \u201eWasserschlangen II\u201c (Detail): Das Gem\u00e4lde stammt aus der Phase, in der Klimt mit Edelmetallen experimentiert hat, das sehe man an den Details, sagt Belvedere-Restauratorin Stafanie Jahn.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In den letzten Jahrzehnten \u201eWasserschlangen II\u201c eine Geschichte durchgemacht, die emblematisch f\u00fcr den Umgang mit Kunst im 20. Jahrhundert steht: vom Raubkunstfall zum Spekulationsobjekt. Bis Oktober 1938 war das Bild im Besitz von Jenny Steiner. Die Sammlung der F\u00f6rderin Klimts wurde wie ihr gesamtes Verm\u00f6gen \u201earisiert<strong>\u201c<\/strong>. Die \u201eWasserschlangen II\u201c landeten \u00fcber einen Kunsth\u00e4ndler im Besitz des NS-Propagandafilmregisseurs Gustav Ucicky, angeblich<strong>&nbsp;<\/strong>ein<strong>&nbsp;<\/strong>unehelicher Sohn Klimts. Dessen Witwe Ursula Ucicky stellte das Bild 1964 letztmals f\u00fcr die Ausstellung \u201eWien um 1900\u201c zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausstellungshinweis:<br>\u201eKlimt. Inspired by Van Gogh, Rodin, Matisse\u2026\u201c ist von 03. Februar bis 29. Mai 2023 im Wiener Belvedere zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<h2>Vom Privatverkauf zur \u201eduty-free art\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p>Lange Zeit war unbekannt, dass sich das Gem\u00e4lde weiterhin in Ucickys Besitz befand \u2013 bis diese es 2013 unter Vermittlungshilfe von Peter Weinh\u00e4upl, damals kaufm\u00e4nnischer Direktor des Leopold Museums, um 112 Millionen Dollar (rund 103 Mio. Euro) \u00fcber einen vom Auktionshaus Sotheby\u2019s abgewickelten Deal verkaufte. Die H\u00e4lfte des Erl\u00f6ses musste der Erbgemeinschaft Steiners abgegeben werden, damit diese im Gegenzug auf ihre Anspr\u00fcche verzichtete.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie erst sp\u00e4ter publik wurde, verkaufte der K\u00e4ufer Yves Bouvier das Gem\u00e4lde unmittelbar um 183,8 Millionen Dollar (rund 169 Mio. Euro) plus einer Provision von 3,7 Millionen Dollar (rund 3,4 Mio. Euro) an den russischen Oligarchen Rybolowlew weiter. Die \u201eWasserschlangen II\u201c waren dabei nur eines der 37 Bilder, die Bouvier, der zwei Lagerhallen in Zollfreih\u00e4fen betrieb, um die Kunstwerke dort zu lagern, Rybolowlew mit einem geh\u00f6rigen Aufschlag weiterverkaufte, ohne diesem zu sagen, dass er der Besitzer der Werke war \u2013 er gab sich nur als Zwischenh\u00e4ndler aus.<\/p>\n\n\n\n<h2>Zur\u00fcck in die \u00d6ffentlichkeit<\/h2>\n\n\n\n<p>Insgesamt erhielt Bouvier von Rybolowlew \u00fcber zwei Milliarden Dollar, das teuerste Bild dieser Transaktionen war Leonardo da Vincis \u201eSalvator Mundi\u201c, das Rybolowlew f\u00fcr 450,3 Millionen Dollar (rund 414,7 Mio. Euro) nach Saudi-Arabien weiterverkaufte. Auch die \u201eWasserschlangen II\u201c wechselten um 170 Millionen Dollar (rund 156,6 Mio. Euro) wieder den Besitzer. Die rechtlichen Streitigkeiten rund um diese Verk\u00e4ufe sind noch immer nicht beigelegt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/soph-assets.orf.at\/sis\/image\/1c928225-8ca1-43df-ade3-a3176d510ad3\/AAABhfey8bA\/AAABhKSy4UM\/topos_bigpicture_16_9\/klimt-wasserschlangenII114.jpeg\" alt=\"Eine Person im Dunkeln betrachtet das beleuchtete Gem\u00e4lde, das auf einer Staffelei steht\" title=\"Raubkunst, Spekulationsobjekt und jetzt zur\u00fcck in der \u00d6ffentlichkeit: Die \u201eWasserschlangen II\u201c\"\/><figcaption>Raubkunst, Spekulationsobjekt und jetzt zur\u00fcck in der \u00d6ffentlichkeit: Die \u201eWasserschlangen II\u201c<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Kunsttheoretikerin und K\u00fcnstlerin Hito Steyerl las diese Entwicklung am Kunstmarkt \u2013 eine kleine Gruppe von Superreichen, Investoren und H\u00e4ndlern entzieht Kunstwerke der \u00d6ffentlichkeit in eine unkontrollierte Sph\u00e4re der zollfreien Lagerhallen \u2013 als kulturanalytisches Zeichen: Die Kunst werde in den Zollfreilagern von ihrem Zweck als Teil einer kulturellen Identit\u00e4t befreit, aber sie sei dann keineswegs zweckfrei. Ihre Aufgabe ist es, zum \u201eAsset\u201c, zum Verm\u00f6genswert zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der derzeitige Besitzer d\u00fcrfte im Klimt-Bild erfreulicherweise mehr sehen als ein Anlageobjekt. Waren die \u201eWasserschlangen II\u201c zuletzt im Amsterdamer Van Gogh Museum im Rahmen von \u201eGolden Boy Gustav Klimt\u201c zu sehen, wandert die gemeinsam mit dem Belvedere entwickelte Ausstellung, die Klimt dessen wesentlichen Vorg\u00e4ngern gegen\u00fcberstellt, unter dem Titel \u201eKlimt. Inspired by Van Gogh, Rodin, Matisse\u2026\u201c nach Wien.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Florian Baranyi (Text), ORF Topos, Tatjana Berlakovich (Gestaltung), ORF TV-Kultur, Bernhard H\u00f6fer (Kamera), Paul Krehan (Schnitt), beide f\u00fcr ORF Topos<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sendungshinweis: ZIB 1, 29.01.2023<\/p>\n\n\n\n<h2>Links:<\/h2>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"https:\/\/www.belvedere.at\/klimt-inspired-van-gogh-rodin-matisse#Termine\">\u201eKlimt. Inspired by Van Gogh, Rodin, Matisse\u2026\u201c (Belvedere)<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.bahoebooks.net\/buch\/klimt\/\">Jean-Luc Cornette und Marc-Renier: \u201eKlimt. Graphic Novel\u201c (Bahoe Books)<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.diaphanes.de\/titel\/duty-free-art-5387\">Hito Steyerl: Duty Free Art (Diaphanes)<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.newyorker.com\/magazine\/2016\/02\/08\/the-bouvier-affair\">\u201eNew Yorker&#8220;-Artikel \u00fcber Yves Bouvier und Dmitri Rybolowlew<\/a><\/li><li>&#8222;<a href=\"https:\/\/www.derstandard.at\/story\/2000038649219\/gustav-klimts-wasserschlangen-ii-schneller-60-millionen-profit\">Standard\u201c-Artikel \u00fcber \u201eWasserschlangen II\u201c<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>v1.0.4-production (14. March 2023, 10:02:17)<\/p>\n\n\n\n<p>QELLE : ORF.AT TOPOS <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom Zollfreihafen zur\u00fcck ins Museum Vom Zollfreihafen zur\u00fcck ins Museum teilenZeitgeschichteKulturBildende Kunst 29. Januar 2023, 19:30 Uhr Zuletzt hat \u201eWasserschlangen II\u201c, das teuerste Bild Gustav Klimts, rund um einen Kunsthandelsprozess mit Beteiligung des russischen Oligarchen Dmitri Rybolowlew Schlagzeilen gemacht. 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