{"id":1033,"date":"2023-03-31T16:37:48","date_gmt":"2023-03-31T15:37:48","guid":{"rendered":"http:\/\/wienernachrichten.at\/?p=1033"},"modified":"2023-03-31T16:37:48","modified_gmt":"2023-03-31T15:37:48","slug":"serie-der-schwarm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wienernachrichten.at\/?p=1033","title":{"rendered":"Serie \u201eDer Schwarm\u201c"},"content":{"rendered":"\n<h1>Die Tiefsee sinnt auf Rache<\/h1>\n\n\n\n<p>Die Tiefsee sinnt auf Rache teilen<a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?tags=Kritik\">Kritik<\/a><a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?tags=Kultur\/Film\">Film<\/a><a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?tags=Natur\">Natur<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>06. M\u00e4rz 2023, 12:09 Uhr<\/p>\n\n\n\n<p>Aggrokrabben, Flutwellen und mutierte Meeresw\u00fcrmer: Vor fast 20 Jahren lehrte Bestsellerautor Frank Sch\u00e4tzing mit seinem Science-Fiction-Roman \u201eDer Schwarm\u201c sein Publikum Respekt vor den Ozeanen. Der gleichnamige TV-Achtteiler mit \u00f6sterreichischer Beteiligung greift vieles davon auf. Der Moment daf\u00fcr k\u00f6nnte nicht besser passen.<a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?authors=Magdalena+Miedl\">Magdalena Miedl<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir haben keine Zeit, vorsichtig zu handeln!\u201c, schreit die Meeresbiologin und Doktorandin Charlie (gespielt von Leonie Benesch) ihre Professorin (Barbara Sukowa) an. Dabei hat diese nur Bedenken angemeldet, die These einer die Menschheit gef\u00e4hrdenden Bedrohung sei doch zu steil, man m\u00f6ge bitte mit Bedacht agieren. Nicht zuf\u00e4llig klingt Charlie in diesem Moment wie eine Aktivistin der \u201eLetzten Generation\u201c, wie \u00fcberhaupt die ganze \u201eSchwarm\u201c-Saga eine gro\u00dfe Umweltzerst\u00f6rungs- und Klimakatastrophen-Parabel ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Vieles in der Serie wirkt wie die Bebilderung aktueller Nachrichten, seien es \u00dcberschwemmungen, gestrandete Wale oder Scharen von Quallen an der Adria. Dabei ist der Stoff ganz und gar nicht neu. 2004 legte Sch\u00e4tzing, Bestsellerautor mit Wurzeln in der Werbebranche, seinen bisher gr\u00f6\u00dften Erfolg vor: In \u201eDer Schwarm\u201c schildert er auf fast tausend Seiten, wie Forscherinnen und Forscher auf der ganzen Welt seltsames Verhalten bei Walen, Eisw\u00fcrmern, Krabben und anderen Spezies aus dem Meer beobachten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/soph-assets.orf.at\/sis\/image\/c53e22f4-abf1-4dfc-b439-36f757c14da4\/AAABhradBy0\/AAABhKSyzMw\/topos_body_16_9\/derschwarm124.jpeg\" alt=\"Ein bleicher Wurm auf einer Objektplatte, mit einer Pinzette festgehalten, offenbar im Labor\" title=\"Wehr dich doch! Aggroeiswurm im Rampenlicht\"\/><figcaption>Wehr dich doch! Aggroeiswurm im Rampenlicht<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Nach und nach wird deutlich, dass das Verhalten der Tiere in Zusammenhang steht, und tats\u00e4chlich eine unbekannte Schwarmintelligenz aus den Ozeanen einen Krieg gegen die Menschheit zu entfesseln beginnt.<\/p>\n\n\n\n<h2>Frutti di Mare auf dem Kriegspfad<\/h2>\n\n\n\n<p>Ob der Krieg eine Aggression oder vielmehr eine dringend notwendige Verteidigung ist, ist eine der ethischen Fragen, die das Buch aufwirft. Die Protagonistinnen und Protagonisten sind nicht viel mehr als Stellvertreter f\u00fcr bestimmte Positionen, die auch etwas emotionale Fallh\u00f6he mitbringen, um zu verdeutlichen, dass vor allem Regungen wie Liebe und Solidarit\u00e4t es wert sind, dass diese Menschheit vielleicht doch noch ein paar Generationen weiterleben darf.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sendungshinweis<\/strong><br>Die ersten beiden Folgen der mit dem ORF koproduzierten achtteiligen Serie \u201eDer Schwarm\u201c sind am Montag ab 20.15 Uhr in ORF1 zu sehen.<br>Die Doku \u201eDie Rache der Ozeane\u201c l\u00e4uft im Anschluss um 21.55 Uhr in ORF1 und erkl\u00e4rt die wissenschaftlichen Hintergr\u00fcnde zur Serie.<\/p>\n\n\n\n<p>Fast 20 Jahre nach dem Erscheinen des Romans sind einige dieser Fragen l\u00e4ngst keine Science Fiction mehr. Ein kurzer R\u00fcckblick in die Nachrichten der vergangenen Monate und Jahre macht das deutlich, und dass Sch\u00e4tzings j\u00fcngstes Buch \u201eWas, wenn wir einfach die Welt retten? Handeln in der Klimakrise\u201c (2021) kein Roman mehr, sondern ein Sachbuch ist, wirkt wie eine logische Fortsetzung.<\/p>\n\n\n\n<p>L\u00e4ngst ist also der richtige Zeitpunkt f\u00fcr eine massentaugliche Adaption des Stoffs im Serienformat. \u201eGame of Thrones\u201c-Showrunner Frank Doelger hat das Projekt unter seine Fittiche genommen, die Geldgeber kommen aus Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, \u00d6sterreich, Schweden und der Schweiz, in Zusammenarbeit mit Sch\u00e4tzing teilte Doelger den Roman auf acht Teile auf.<\/p>\n\n\n\n<h2>Plantschen im Tank<\/h2>\n\n\n\n<p>Regie f\u00fchrten bei den ersten beiden Folgen der Brite Luke Watson (\u201eBritannia\u201c), Episode drei bis sechs inszenierte die \u00f6sterreichische Regisseurin Barbara Eder (\u201eCopStories\u201c), die beiden letzten Folgen verantwortete Philip St\u00f6lzl (\u201eSchachnovelle\u201c). Es ist nicht der erste Versuch, den Stoff zu verfilmen, schon 2006 sprach Sch\u00e4tzing in Interviews \u00fcber Anfragen aus Hollywood, Uma Thurman wurde als Produzentin und eine der Hauptdarstellerinnen genannt, das Projekt scheiterte jedoch.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun ist es eine Serie im Event-TV-Format geworden, mit einem 40-Millionen-Euro-Budget. Doch auch das war nicht zwingend, so Eder im Gespr\u00e4ch mit Topos (siehe Video): \u201eDu k\u00f6nntest aus dem Schwarm verschiedenste Versionen machen, du k\u00f6nntest sogar einem Experimental- oder Kunstfilm machen.\u201c Geworden ist es das Gegenteil: viele ruhige Bilder monumentaler Meer- und K\u00fcstenlandschaften, dann wieder Unterwasserszenen, im Studiotank gefilmt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/soph-assets.orf.at\/sis\/image\/7fdeeb58-c413-4554-990c-df48fe98d22d\/AAABhradA1Q\/AAABhKSyzMw\/topos_body_16_9\/derschwarm126.jpeg\" alt=\"Zwei M\u00e4nner betrachten besorgt einen Computerbildschirm\" title=\"Wenig Action: M\u00e4nner, die auf Bildschirme starren (Alexander Karim, Oliver Masucci)\"\/><figcaption>Wenig Action: M\u00e4nner, die auf Bildschirme starren (Alexander Karim, Oliver Masucci)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Vor allem die Folgen von Watson nehmen deutliche Horroranleihen, von \u201eDer wei\u00dfe Hai\u201c bei der Inszenierung aggressiver Orcas, die ihrem altmodischen Namen \u201eKillerwale\u201c alle Ehre machen, bis zu \u201eAlien\u201c angesichts unappetitlicher Schalentiere. Diese trashigen Momente sind die, in denen die Serie den gr\u00f6\u00dften Spa\u00df macht. Wo es hakt, sind die Figuren, deren Entwicklung flach bleibt.<\/p>\n\n\n\n<h2>Walforscher und Bildschirmarbeiter<\/h2>\n\n\n\n<p>Da ist etwa die franz\u00f6sische Molekularbiologin C\u00e9cile Roche (C\u00e9cile de France), deren Schicksal bei der Entdeckung eines t\u00f6dlichen Bakteriums im Trinkwasser durch ihre halbw\u00fcchsigen Kinder etwas an Fallh\u00f6he gewinnt. Da ist auch der norwegische Gutachter Sigur Johanson (Alexander Karim), der in seine Kollegin Tina Lund (Krista Kosonen) verliebt ist, und mit ihr gemeinsam die Eiswurminvasion entdeckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann ist da noch die junge deutsche Doktorandin Charlie, die auf einer der Shetland-Inseln einsam auf einer Forschungsstation sitzt und sich mit einem h\u00fcbschen Fischer anfreundet. Spannendste Figur ist der kanadische Walforscher Leon Anawak (Joshua Odjick), gespalten zwischen seiner First-Nation-Herkunft und der Aufgabe, das seltsam aggressive Verhalten der Wale analytisch zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/soph-assets.orf.at\/sis\/image\/fbb7afd5-03ba-446b-adf1-b2709145bc6d\/AAABhrac7ug\/AAABhKSyzMw\/topos_body_16_9\/derschwarm128.jpeg\" alt=\"Panorama \u00fcber Venedig, der Canal Grande voller Quallen\" title=\"Idyll mit Untiefen: Venedigs Sch\u00f6nheit ist in Gefahr\"\/><figcaption>Idyll mit Untiefen: Venedigs Sch\u00f6nheit ist in Gefahr<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Personal der Serie ist umfangreich und prominent besetzt, aus \u00d6sterreich ist etwa Franziska Weisz als \u00c4rztin an Bord, aus Deutschland Oliver Masucci und Klaas Heufer-Umlauf, doch die meisten von ihnen bekommen nicht viel zu tun. Menschen starren mit gerunzelter Stirn auf Bildschirme, auf denen unterschiedliche graugr\u00fcne Formationen zu sehen sind, ein Lichtschein, Graphen von Ton- und Lichtfrequenzen, doch die Bedeutung davon erschlie\u00dft sich erst im nachfolgenden Dialog.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/soph-assets.orf.at\/sis\/image\/d28794da-9bd4-47af-aa79-95ee444df594\/AAABhrawSho\/AAABhKSydMQ\/topos_body_3_4\/derschwarm132.jpeg\" alt=\"Ein Mann unter Wasser, in einem Strudel von Fischen\" title=\"ORF\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Die Vorteile von Schwarmintelligenz<br><\/strong>In \u201eDer Schwarm\u201c handelt es sich um Fiktion \u2013 aber zugrunde liegt die Idee der Schwarmintelligenz. Warum bestimmte Lebewesen im Schwarm besser \u00fcberleben k\u00f6nnen, erkl\u00e4rt ein Experte in&nbsp;<a href=\"https:\/\/science.orf.at\/stories\/3217977\/\">https:\/\/science.orf.at\/stories\/3217977\/<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2>Ungerechter \u201ePilcher\u201c-Vorwurf<\/h2>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das, was unter Wasser geschieht, finden die Serienmacher oft keine Bilder, und auch f\u00fcr die zwischenmenschlichen Fragen nur gelegentlich. Sch\u00e4tzing selbst war ebenfalls nicht begeistert, wie er im Interview mit der deutschen Wochenzeitung \u201eDie Zeit\u201c sagte. \u201eEs pilchert mehr, als es schw\u00e4rmt\u201c ist die plakative Kurzanalyse, mit der er allerorts zitiert wird. Das wiederum ist ungerecht, schlie\u00dflich ist schon Sch\u00e4tzings Vorlage auch nicht ganz frei von gef\u00fchligen Schilderungen und oberfl\u00e4chlichen Beziehungskisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verfilmung wird dem Buch also durchaus gerecht, auch wenn einiges neu erfunden wurde. Misslungen ist \u201eDer Schwarm\u201c durchaus nicht, wenn auch nicht so aus einem Guss wie von vergleichbaren Miniserien gewohnt. Je nachdem, wie es l\u00e4uft, gibt es auch die Option einer Fortsetzung, wie Eder im Topos-Interview sagt: \u201eAm Ende ist sowas wie ein T\u00fcrchen ge\u00f6ffnet, das es m\u00f6glich macht, dass es weitergeht. Aber mehr darf ich ja nicht verraten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Magdalena Miedl (Text und Gestaltung), ORF Topos, Laura Russo (Schnitt), f\u00fcr ORF Topos<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sendungshinweis: ZIB1, 5.3.2023<\/p>\n\n\n\n<h2>Links:<\/h2>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"https:\/\/tv.orf.at\/program\/orf1\/derschwarm102.html\">Der Schwarm<\/a>&nbsp;im ORF<\/li><li><a href=\"https:\/\/www.fischerverlage.de\/buch\/frank-schaetzing-der-schwarm-9783596164530\">Der Schwarm<\/a>&nbsp;(Buch)<\/li><li>&#8222;<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2023\/08\/frank-schaetzing-der-schwarm-fernsehserie\">Zeit&#8220;-Artikel<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>v1.0.4-production (14. March 2023, 10:02:17)<\/p>\n\n\n\n<p>QELLE : ORF.AT TOPOS<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Tiefsee sinnt auf Rache Die Tiefsee sinnt auf Rache teilenKritikFilmNatur 06. M\u00e4rz 2023, 12:09 Uhr Aggrokrabben, Flutwellen und mutierte Meeresw\u00fcrmer: Vor fast 20 Jahren lehrte Bestsellerautor Frank Sch\u00e4tzing mit seinem Science-Fiction-Roman \u201eDer Schwarm\u201c sein Publikum Respekt vor den Ozeanen. 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