{"id":1027,"date":"2023-03-31T16:28:23","date_gmt":"2023-03-31T15:28:23","guid":{"rendered":"http:\/\/wienernachrichten.at\/?p=1027"},"modified":"2023-03-31T16:28:23","modified_gmt":"2023-03-31T15:28:23","slug":"fehlende-standards","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wienernachrichten.at\/?p=1027","title":{"rendered":"Fehlende Standards"},"content":{"rendered":"\n<h1>Periodenprodukte bergen Risiko<\/h1>\n\n\n\n<p>Periodenprodukte bergen Risiko teilen<a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?tags=Gesundheit\">Gesundheit<\/a><a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?tags=Konsumentenschutz\">Konsumentenschutz<\/a><a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?tags=Wissenschaft\">Wissenschaft<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>23. Februar 2023, 11:31 Uhr<\/p>\n\n\n\n<p>Binden und Tampons sind nach wie vor die beliebtesten Periodenprodukte. Menstruationstassen und -unterw\u00e4sche werden aber immer popul\u00e4rer \u2013 und haben eine kleine Revolution ausgel\u00f6st (siehe Video). Doch egal ob Einweg- oder Mehrwegprodukte: Ihre Sicherheitsstandards sind in Europa kaum reguliert und liegen auf dem Niveau von Taschent\u00fcchern. Ein neues Forschungsprojekt von Chemikerinnen in Wien will das nun \u00e4ndern und f\u00fcr mehr Sicherheit sorgen.<a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?authors=Lukas+Wieselberg\">Lukas Wieselberg<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eTaschent\u00fccher und Periodenprodukte sind beide gesetzlich \u00e4hnlich reguliert, auch die Empfehlungen f\u00fcr sie sind sehr \u00e4hnlich\u201c, sagt Elisabeth Mertl vom \u00d6sterreichischen Forschungsinstitut f\u00fcr Chemie und Technik (OFI) in Wien. \u201eDabei haben Taschent\u00fccher nur ein paar Sekunden Kontakt mit der Nase, Menstruationsprodukte hingegen tagelang mit den vaginalen Schleimh\u00e4uten.\u201c Das gesundheitliche Risiko sei also ein ungleich gr\u00f6\u00dferes, so die Biotechnologin.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch gelten Menstruationsartikel in den meisten europ\u00e4ischen L\u00e4ndern nicht als medizinisches Produkt, im Gegensatz etwa zu den USA. Das hat zur Folge, dass es dort strengere Sicherheitsstandards gibt \u2013 und damit auch mehr geforscht werden muss, etwa zur Keimbelastung und zur Ver\u00e4nderung des Materials von Mehrwegprodukten im Laufe der Zeit.<\/p>\n\n\n\n<h2>Fehlende gesetzliche Standards<\/h2>\n\n\n\n<p>In \u00d6sterreich stehen Periodenprodukte im Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz und gelten als \u201eGegenst\u00e4nde, die bestimmungsgem\u00e4\u00df \u00e4u\u00dferlich mit dem menschlichen K\u00f6rper oder den Schleimh\u00e4uten in Ber\u00fchrung kommen\u201c. Im Lebensmittelhandbuch (!) sind zwar mikrobiologische und chemische Standards definiert \u2013 etwa Grenzwerte f\u00fcr bestimmte Keime \u2013 dabei handelt es sich aber um keine gesetzlichen Anforderungen, wie es von der \u00d6sterreichischen Agentur f\u00fcr Gesundheit und Ern\u00e4hrungssicherheit (AGES) hei\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Das bedeutet konkret: Menstruationsartikel, deren Keimbelastung \u00fcber den Grenzwerten liegt, sind nur schwer vom Markt zu nehmen. Zust\u00e4ndig f\u00fcr die Kontrolle ist die AGES, die auf Wunsch der Lebensmittelaufsicht Proben bewerten kann.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/soph-assets.orf.at\/sis\/image\/ad3010c4-6035-40ec-ba1b-e9a7c90941e5\/AAABhlTdQc4\/AAABhKSy4UM\/topos_bigpicture_16_9\/menstruationsprodukte136.jpeg\" alt=\"Menstruationstassen in verschiedenen Gr\u00f6\u00dfen, Formen und Farben\" title=\"Menstruationstassen werden immer beliebter\"\/><figcaption>Menstruationstassen werden immer beliebter<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In Schwerpunktaktionen hat die AGES das zuletzt zweimal getan: Bei 33 Tampons, Binden und Slipeinlagen wurde 2020 \u00f6sterreichweit nur ein Artikel beanstandet, dieser wies eine zwar nicht gesundheitssch\u00e4dliche, aber deutlich \u00fcberh\u00f6hte Keimbelastung auf. Bei einer \u00dcberpr\u00fcfung von 23 Menstruationstassen beanstandete die AGES 2021 gleich sechs davon, in einem Fall fand sie (gesundheitlich nicht bedenkliche) Weichmacher, in den restlichen F\u00e4llen waren die Nutzungsanleitungen mangelhaft.<\/p>\n\n\n\n<h2>Lange Tabu und M\u00e4nnerdom\u00e4ne<\/h2>\n\n\n\n<p>Das hei\u00dft auch: Nach allem, was bekannt ist, sind Menstruationsartikel in \u00d6sterreich mehr oder weniger sicher. Aber: Es ist eben nicht alles bekannt. Da es keine gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsstandards und auch keine EU-weite Regulierung gibt, wurde dazu bisher auch relativ wenig geforscht. Das liege zum einen daran, dass es lange ein Tabu war, \u00fcber die Periode zu reden, und die Forschung sehr lange m\u00e4nnerdominiert war, meint OFI-Biotechnologin Mertl (siehe zweites Video). \u201eZum anderen suggeriert uns die Werbung, dass Menstruationsprodukte sicher sind. Da geht es aber meistens um den Auslaufschutz \u2013 dass es also sicher ist, wenn man eine wei\u00dfe Hose anziehen will. Das hat aber nichts mit gesundheitlicher Sicherheit zu tun.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Um diese Sicherheitsaspekte zu untersuchen, brauche es grundlegende Analyseverfahren \u2013 und viele davon fehlen, sagt die Biotechnologin. Mit ihrem Team arbeitet sie deshalb seit Kurzem im Forschungsprojekt LEIFS (\u201eLet it flow safely\u201c) an Methoden, um den toxikologischen und mikrobiologischen Eigenschaften der Periodenprodukte besser nachgehen zu k\u00f6nnen \u2013 etwa was das Potenzial von allergischen Reaktionen oder Infektionen betrifft. Eine relativ bekannte Folge ist das Toxische Schocksyndrom: ein schweres Kreislaufversagen, das in seltenen F\u00e4llen durch eine bakterielle Infektion verursacht werden kann, ausgel\u00f6st etwa durch Tampons.<strong><\/strong>02:39<\/p>\n\n\n\n<p>Die Chemikerin Elisabeth Mertl (OFI) spricht \u00fcber die Forschung zu Menstruationsprodukten<\/p>\n\n\n\n<h2>Simulation des K\u00f6rpers im Labor<\/h2>\n\n\n\n<p>In ihrem Labor simuliert Mertl deshalb etwa das Blut und die Menstruationsfl\u00fcssigkeit von Frauen und untersucht, wie diese auf die Bestandteile von Tampons, Binden und Co. reagieren. Bei Mehrwegprodukten wie Menstruationstassen oder Periodenunterw\u00e4sche geht es neben dem Material auch um die ideale Reinigung. \u201eNat\u00fcrlich muss ich die Produkte reinigen. Aber wenn ich das l\u00e4nger mache, ver\u00e4ndert sich das Material \u2013 und dadurch ver\u00e4ndern sich auch seine gesundheitsrelevanten Eigenschaften\u201c, sagt Mertl. Zwar empfehlen viele Herstellerinnen und Hersteller eine maximale Tragedauer, worauf diese Empfehlungen beruhen, sei aber unklar.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr all diese Aspekte m\u00f6chten Mertl und ihr Team Grundlagen erarbeiten. Zum Schluss soll eine Art Teststrategie stehen, die eine systematische Sicherheitsbewertung von Menstruationsprodukten erm\u00f6glicht. \u201eUnd zwar, wenn man tr\u00e4umen darf, auf internationaler Ebene\u201c, sagt Mertl. In der Internationalen Organisation f\u00fcr Normung (ISO) gebe es, sp\u00e4t aber doch, mittlerweile eine Gruppe, die sich mit dem Thema auseinandersetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mertl ist Teil dieser Gruppe und m\u00f6chte ihre Forschungsergebnisse in zuk\u00fcnftige internationale ISO-Normen einflie\u00dfen lassen. Bis dahin ist sie zwiegespalten \u2013 einerseits \u201eals Frau ver\u00e4rgert, dass bis jetzt so wenig zu dem Thema geforscht wurde, als Wissenschaftlerin andererseits erfreut dar\u00fcber, wie viel es da noch zu entdecken gibt\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Das OFI ist Teil des Forschungsnetzwerks ACR, an der Forschung zu den Menstruationsartikeln beteiligen sich auch die Lebensmittelversuchsanstalt und das Industriewissenschaftliche Institut.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Lukas Wieselberg (Text und Gestaltung), science.ORF.at, Anette K\u00f6nig (Kamera), f\u00fcr ORF Topos, Marlene Mayer (Schnitt), f\u00fcr ORF Topos<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2>Links:<\/h2>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"https:\/\/www.acr.ac.at\/science-story\/ofi-tabus-brechen-fuer-mehr-sicherheit\/\">Forschungsprojekt LEIFS<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.ofi.at\/\">OFI<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/erdbeerwoche.com\/\">Erdbeerwoche<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.acr.ac.at\/\">ACR<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.ages.at\/mensch\/schwerpunkte\/schwerpunktaktionen\/detail\/ueberpruefung-von-menstruationstassen\">AGES-\u00dcberpr\u00fcfung von Menstruationstassen<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.ages.at\/mensch\/schwerpunkte\/schwerpunktaktionen\/detail\/untersuchung-von-monatshygieneartikeln\">AGES-Untersuchung von Monatshygieneartikeln<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.ris.bka.gv.at\/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Gesetzesnummer=20004546\">Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.lebensmittelbuch.at\/lebensmittelbuch\/gebrauchsgegenstaende\/5-unterkapitel-hygieneprodukte.html\">Hygieneprodukte im Lebensmittelhandbuch<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>v1.0.4-production (14. March 2023, 10:02:17)<\/p>\n\n\n\n<p>QELLE : ORF.AT TOPOS <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Periodenprodukte bergen Risiko Periodenprodukte bergen Risiko teilenGesundheitKonsumentenschutzWissenschaft 23. Februar 2023, 11:31 Uhr Binden und Tampons sind nach wie vor die beliebtesten Periodenprodukte. Menstruationstassen und -unterw\u00e4sche werden aber immer popul\u00e4rer \u2013 und haben eine kleine Revolution ausgel\u00f6st (siehe Video). 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