{"id":1025,"date":"2023-03-31T16:26:58","date_gmt":"2023-03-31T15:26:58","guid":{"rendered":"http:\/\/wienernachrichten.at\/?p=1025"},"modified":"2023-03-31T16:26:58","modified_gmt":"2023-03-31T15:26:58","slug":"sexualitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wienernachrichten.at\/?p=1025","title":{"rendered":"Sexualit\u00e4t"},"content":{"rendered":"\n<h1>Vaginismus \u2013 Schmerzen als Tabu<\/h1>\n\n\n\n<p>Vaginismus \u2013 Schmerzen als Tabu teilen<a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?tags=Gesundheit\">Gesundheit<\/a><a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?tags=Sexualit%C3%A4t\">Sexualit\u00e4t<\/a><a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?tags=Wissenschaft\">Wissenschaft<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>26. Februar 2023, 06:00 Uhr<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber die Sexualfunktionsst\u00f6rung Vaginismus ist wenig bekannt, zum Teil wissen selbst Betroffene nicht, was mit ihnen los ist, wenn die Beckenbodenmuskulatur schmerzt und verkrampft (siehe Erkl\u00e4rvideo oben). Dabei k\u00f6nnte nach Sch\u00e4tzungen jede f\u00fcnfte Frau betroffen sein. Bis eine entsprechende Diagnose gestellt wird, k\u00f6nnen Jahre vergehen. Denn einerseits reden Betroffene aus Scham nicht \u00fcber ihre Symptome, andererseits mangelt es an Wissen und Sensibilisierung beim Fachpersonal.<a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?authors=Lena+Hager\">Lena Hager<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch w\u00fcnsche alles Gute f\u00fcr die Vaginismus-Reise!\u201c \u2013 damit bringt Christina Hopf die Problematik auf den Punkt. Die 38-J\u00e4hrige war selbst 15 Jahre lang von einem prim\u00e4ren Vaginismus betroffen und gr\u00fcndete 2019 die Selbsthilfegruppe \u201eInvisible Wall\u201c in Wien. Seit Jahresbeginn ist die Gruppe in ganz \u00d6sterreich aktiv. \u201eEs ist teilweise wie eine Blackbox, weil Vaginismus so wenig erforscht ist\u201c, erz\u00e4hlt sie im Gespr\u00e4ch mit ORF Topos. Ein weiteres Problem sei, dass einige \u00c4rztinnen und \u00c4rzte Vaginismus nicht kennen w\u00fcrden. Daher m\u00fcssen Betroffene Geschichten von anderen lesen oder h\u00f6ren, um sich in den Symptomatiken wiederzukennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Vaginismus handelt es sich um eine unwillk\u00fcrliche Verkrampfung der Beckenbodenmuskulatur, wodurch ein gewolltes vaginales Einf\u00fchren nicht m\u00f6glich oder sehr schmerzhaft ist. Penetrativer Geschlechtsverkehr, eine gyn\u00e4kologische Untersuchung oder die Verwendung eines Tampons ist nicht oder kaum m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gyn\u00e4kologin und Sexualmedizinerin Andrea Kottmel betreibt eine Privatpraxis in Wien und ist auf Schmerzthemen spezialisiert. Sie weist darauf hin, dass eine Abgrenzung von Vaginismus zu anderen Schmerzst\u00f6rungen wie Vulvodynie und Dyspareunie in vielen F\u00e4llen schwierig sei. Denn oftmals sei nicht eindeutig erkennbar, ob etwa zuerst der Schmerz einsetzt und dann die Verkrampfung der Beckenbodenmuskulatur folgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei&nbsp;<strong>Vulvodynie<\/strong>&nbsp;erleben Betroffene Schmerzen im Rahmen der Sexualit\u00e4t, aber auch im Alltag, etwa beim Radfahren. Bei&nbsp;<strong>Dyspareunie<\/strong>&nbsp;treten Schmerzen w\u00e4hrend der Penetration auf.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zu wenige Studien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist nicht wie bei einem Blutbild, wo klar ersichtlich ist, dass bestimmte Werte einen gewissen Befund ergeben\u201c, erkl\u00e4rt Michaela Bayerle-Eder, Fach\u00e4rztin f\u00fcr Innere Medizin und Sexualmedizin an der MedUni Wien. Wie viel Unwissenheit noch vorherrscht, zeigt zudem der Blick auf die Zahlen. Denn konkrete Ausk\u00fcnfte, wie viele Vaginismus-Betroffene es gibt, sind schwierig. \u201eEs gibt Angaben von ein bis zehn oder auch 20 Prozent, je nachdem, was dazugerechnet wird\u201c, so Gyn\u00e4kologin Kottmel. Selbsthilfegruppe-Gr\u00fcnderin Hopf kennt Sch\u00e4tzungen, die von einer Dunkelziffer von bis zu 30 Prozent ausgehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Faktor f\u00fcr die d\u00fcnne Studienlage sei der Umstand, dass viele Therapien im Einzelsetting angeboten werden, was eine Erhebung erschwere, so Kottmel. Zudem spiele die Finanzierung eine Rolle. Sie berichtet von \u201eviel Kummer und Leid, da oft nicht eine wissenschaftliche Datenlage die Grundlage bietet, f\u00fcr welche Therapie sich Patientinnen letztendlich entscheiden\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fehlendes Wissen und Zeit in der Praxis<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr viele Betroffene seien Gyn\u00e4kologinnen und Gyn\u00e4kologen die erste Anlaufstelle. Doch hier gebe es immer wieder sehr negative Erfahrungen, erz\u00e4hlt Hopf. \u201eViele Betroffene haben einen \u00c4rztemarathon hinter sich, da Vaginismus nicht erkannt oder nicht ernst genommen wurde. Ein Klassiker bei den Empfehlungen ist, man solle zur Entspannung ein Glas Wein trinken\u201c, berichtet Hopf. Eines der gr\u00f6\u00dften Probleme seien Untersuchungen, die \u201ewehtun und bei denen weitergemacht wird\u201c. Eine Anlaufstelle f\u00fcr Betroffene sowie eine Auflistung von Spezialistinnen und Spezialisten k\u00f6nnte die Situation verbessern, meint Hopf.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/soph-assets.orf.at\/sis\/image\/334c6aa4-493a-4d40-ae88-b0da908cc20e\/AAABhoK9V-0\/AAABhKSydMQ\/topos_body_3_4\/vaginismus106.jpeg\" alt=\"Portr\u00e4t von Christina Hopf\" title=\"Natalie Paloma Maierhofer\"\/><\/figure>\n\n\n\n<h2>Hopf: \u201eAustausch mit anderen Betroffenen wichtig\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p>Audio<\/p>\n\n\n\n<p>Dass es zu solch negativen Erlebnissen bei Untersuchungen komme, liege prim\u00e4r am Zeitmangel, der vor allem auch im Kassensystem bestehe, erkl\u00e4rt Gyn\u00e4kologin Kottmel. Die Abwehr- bzw. Angstreaktion im Rahmen einer gyn\u00e4kologischen Untersuchung werde auf den Umstand geschoben, dass hier eine unangenehme Situation vorliege und nicht eine krankhafte Reaktion.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/soph-assets.orf.at\/sis\/image\/0884f4a3-2d98-4812-92c6-851ab04c9431\/AAABhoOICQk\/AAABhKSzRtc\/topos_bigpicture_3_2\/Vaginismus108.jpeg\" alt=\"Junge Frau macht ein Beratungsgespr\u00e4ch bei einer Gyn\u00e4kologin\" title=\"Bei der Diagnose und Behandlung von Vaginismus sind zuh\u00f6ren und ausreichend Zeit entscheidend\"\/><figcaption>Bei der Diagnose und Behandlung von Vaginismus sind zuh\u00f6ren und ausreichend Zeit entscheidend<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Neben ausreichend Zeit sei ein wichtiger Faktor, der Patientin zuzuh\u00f6ren. Sie sehe es als ihre Aufgabe und die ihrer Kollegschaft, zun\u00e4chst nachzufragen, ob die Patientin wirklich untersucht werden m\u00f6chte, wo ihre Grenzen liegen und dass die M\u00f6glichkeit aufgezeigt wird, die Untersuchung zu verschieben, erl\u00e4utert Kottmel.<\/p>\n\n\n\n<p>Oft werden Sexualfunktionsst\u00f6rungen sowohl von Patientinnen als auch von \u00c4rztinnen und \u00c4rzten tabuisiert, erkl\u00e4rt Sexualmedizinerin Bayerle-Eder. \u201eWenn dann dar\u00fcber gesprochen wird, fehlt oftmals die entsprechende Ausbildung.\u201c Sie setzt sich daf\u00fcr ein, dass an der MedUni Wien Sexualmedizin als Wahlfach angeboten wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hohe finanzielle Belastung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Zeit- und teilweise auch Wissensmangel f\u00fchrt dazu, dass Betroffene oftmals auf kostspielige Privatordinationen ausweichen. Zus\u00e4tzlich m\u00fcssen sie f\u00fcr die notwendigen Behandlungen, wie Psycho- und Physiotherapie, aufkommen. Die finanzielle Komponente ist ein gro\u00dfes Thema, so Kottmel, da sich viele Patientinnen \u201ekeine Einzelsetting-Therapie leisten k\u00f6nnen. Hier fehlt es an ausreichenden Angeboten im kassenmedizinischen System\u201c. Auch Hopf w\u00fcnscht sich mehr Unterst\u00fctzung durch die Krankenkasse.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn sexuelle Funktionsst\u00f6rungen gelten nicht als Krankheit im Sinn des Sozialversicherungsrechts. Daher habe sie vor zehn Jahren versucht, dass die Sexualmedizin im Kassensystem ber\u00fccksichtigt wird, erz\u00e4hlt Bayerle-Eder im Gespr\u00e4ch mit ORF Topos, doch \u201ekeine Chance\u201c. Sie verweist auf Daten aus den USA, die zeigen, wie die Behandlung von Sexualfunktionsst\u00f6rungen Folgeerkrankungen verhindern k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Behandlungen sehr individuell<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn eine Wahltherapie finanziell nicht m\u00f6glich ist, k\u00f6nnen hybride L\u00f6sungen in Form von Selbsthilfeb\u00fcchern, Onlinekursen und Selbsthilfegruppen eine gute Unterst\u00fctzung bieten, so Kottmel. Jedoch gebe es auch viele schlechte Onlinekurse, es fehle an einer Zertifizierung. Hopf weist darauf hin, dass ein guter Onlinekurs als \u00dcberbr\u00fcckung der Wartezeit auf einen Therapieplatz oder als erste Hilfestellung dienen kann. Sie r\u00e4t dazu, dass Behandlungen in R\u00fccksprache mit einer Expertin oder einem Experten stattfinden. Das gelte auch beim Beckenboden- oder Dilatorentraining.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/soph-assets.orf.at\/sis\/image\/334c6aa4-493a-4d40-ae88-b0da908cc20e\/AAABhoK9V-0\/AAABhKSydMQ\/topos_body_3_4\/vaginismus106.jpeg\" alt=\"Portr\u00e4t von Christina Hopf\" title=\"Natalie Paloma Maierhofer\"\/><\/figure>\n\n\n\n<h2>Hopf: Gesellschaft \u201espielt gro\u00dfe Rolle\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p>Audio<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Thema, das immer wieder aufkommt, ist die Empfehlung, das Hymen entfernen zu lassen, berichtet Hopf. Betroffene w\u00fcrden sich Hoffnungen machen, doch nach der Entfernung sind die Symptome immer noch vorhanden. \u201eDie Begr\u00fcndung f\u00fcr eine gro\u00dfe Anzahl solcher Operationen ist nicht nachvollziehbar\u201c, so Kottmel. Es gebe schon F\u00e4lle, bei denen es zu einem Teilverschluss komme, doch das sei sehr selten. \u201eHier handelt es sich dann um eine Entwicklungsst\u00f6rung der Membran und nicht um eine Sexualfunktionsst\u00f6rung\u201c erkl\u00e4rt die Expertin.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Behandlung mit Botox sei ebenfalls ambivalent zu betrachten. Oft werde dies als ein schneller und kosteneffizienter Weg angesehen, um die Muskelanspannung zu reduzieren. \u201eEs kann einem Teil der Patientinnen helfen, die erste Funktionsh\u00fcrde zu nehmen. Aber Betroffene, die sich eine willk\u00fcrliche Muskelentspannung selbst erarbeiten, haben meiner Meinung nach mehr und l\u00e4ngerfristig Erfolg\u201c, erkl\u00e4rt Kottmel.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbsthilfegruppe-Initiatorin Hopf habe die Erfahrung gemacht, dass eine Behandlung, die physische und psychische Komponenten beinhaltet, sehr hilfreich sein kann. Das muss jedoch nicht auf jede zutreffen. Denn: \u201eVaginismus ist in seinen Ursachen, Symptomatiken und Behandlungsmethoden enorm vielf\u00e4ltig. Ganz wichtig ist es, dass jede Betroffene ihren eigenen Weg findet.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Lena Hager (Text und Redaktion), Selina Maurovich (Animation), beide ORF Topos<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2>Links:<\/h2>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/invisible.wall.vienna\/?hl=de\">Selbsthilfegruppe \u201eInvisible Wall\u201c auf Instagram<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.sexualmedizin.or.at\/\">\u201eSexualmedizin Interdisziplin\u00e4r\u201c \u2013 Kongress der \u00d6sterreichischen Gesellschaft zur F\u00f6rderung der Sexualmedizin und der Sexuellen Gesundheit<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.sexualmedizin-wien.at\/\">Gyn\u00e4kologische Praxis mit Schwerpunkt Sexualmedizin und Vulvaerkrankungen<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>v1.0.4-production (14. March 2023, 10:02:17)<\/p>\n\n\n\n<p>QELLE : ORF.AT TOPOS <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vaginismus \u2013 Schmerzen als Tabu Vaginismus \u2013 Schmerzen als Tabu teilenGesundheitSexualit\u00e4tWissenschaft 26. Februar 2023, 06:00 Uhr \u00dcber die Sexualfunktionsst\u00f6rung Vaginismus ist wenig bekannt, zum Teil wissen selbst Betroffene nicht, was mit ihnen los ist, wenn die Beckenbodenmuskulatur schmerzt und verkrampft (siehe Erkl\u00e4rvideo oben). 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