{"id":1015,"date":"2023-03-31T16:15:44","date_gmt":"2023-03-31T15:15:44","guid":{"rendered":"http:\/\/wienernachrichten.at\/?p=1015"},"modified":"2023-03-31T16:15:44","modified_gmt":"2023-03-31T15:15:44","slug":"kabelsalat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wienernachrichten.at\/?p=1015","title":{"rendered":"Kabelsalat"},"content":{"rendered":"\n<h1>Wie \u00d6sterreich die Glasfaser verschlief<\/h1>\n\n\n\n<p>Wie \u00d6sterreich die Glasfaser verschlief teilen<a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?tags=Geschichte\">Geschichte<\/a><a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?tags=Technologie\">Technologie<\/a><a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?tags=Technologie\/IT\">IT<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>25. M\u00e4rz 2023, 06:00 Uhr<\/p>\n\n\n\n<p>\u00d6sterreich hinkt in Sachen Glasfaserkabel im EU-Vergleich hinterher. Nun wird wieder gegraben und verlegt. Diesmal muss der EU wegen einer F\u00f6rderung bewiesen werden, dass etwas weitergeht \u2013 im Gegensatz zu den letzten beiden Breitbandinitiativen. \u00d6sterreichs Zaudern erinnert an jenes beim Telefon zu Kaisers Zeiten. Das bisschen Glasfaser, das verlegt ist, ist nicht zuletzt der Universit\u00e4t Wien gedankt.<a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?authors=Mariann+Unterluggauer\">Mariann Unterluggauer<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Seit 2003 wird im Parlament \u00fcber Breitbandinitiativen diskutiert. Mit dem Erfolg, dass sich \u00d6sterreich auch nach der Breitbandinitiative 2020 im EU-Vergleich immer weiter von der n\u00e4chsten Generation schnellen Internets entfernt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>2021 nutzten gerade einmal 3,3 Prozent der Haushalte einen Glasfaseranschluss. Im EU-Vergleich liegt \u00d6sterreich damit an drittletzter Stelle. Ein Grund daf\u00fcr ist, dass \u00d6sterreich als einziges EU-Land auch den mobilen Zugang zum Internet als Breitbandzugang definiert hat. Doch auch der Mobilfunk braucht mehr als Luft, damit die Daten ihr Ziel erreichen. Am Antennenmast angekommen, wird das Signal per Leitung weitertransportiert.<\/p>\n\n\n\n<h2>Ein 5G-Netz braucht die Glasfaser<\/h2>\n\n\n\n<p>Der beste Datenleiter daf\u00fcr ist die Glasfaser, die optische \u00dcbertragung \u00fcber Lichtwellenleiter. Dar\u00fcber sind sich die Telekommunikationsunternehmen einig. Seit 1972 wissen sie \u00fcber die Vorz\u00fcge der optischen Daten\u00fcbertragung Bescheid. Und seitdem wird das Ende der Kupferkabel von so manchen ehemaligen Post- und Telegraphenverwaltungen hinausgeschoben. Dass es auch anders geht, hat die Universit\u00e4t Wien bereits in den 1980er Jahren bewiesen.<\/p>\n\n\n\n<h2>Die Suche nach der schnellen Leitung<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Zentrale Leitungskataster der MA 28 in Wien ver\u00f6ffentlicht \u2013 f\u00fcr alle zug\u00e4nglich \u2013 die Pl\u00e4ne der Leitungen unter den Stra\u00dfen und Gehsteigen der Stadt. Spannend am Kartenmaterial sind nicht unbedingt die eingezeichneten Markierungen, sondern all jene, die in der Darstellung fehlen, meint Hermann Steinringer.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/soph-assets.orf.at\/sis\/image\/d2622d1d-8ef5-4dc7-baf6-6ce889d9cc1a\/AAABhxcjTww\/AAABhKSyRZY\/topos_body_4_3\/glasfaser-verkabelung120.jpeg\" alt=\"Karte des Zentralen Leitungskataster\" title=\"Karte des Zentralen Leitungskatasters\"\/><figcaption>Karte des Zentralen Leitungskatasters<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Und Steinringer muss es wissen, denn er war am Aufbau der Internetinfrastruktur ma\u00dfgeblich beteiligt. Er verlegte in der Stadt bereits die ersten Datenkabel zwischen den Universit\u00e4ten, lange bevor die ersten Provider ihre B\u00fcros er\u00f6ffneten. Was es in den 1970er Jahren gab, war die Post- und Telegraphenverwaltung. Ein staatliches Monopol, das sich um seine Telefonleitungen sorgte, wie einst die k. k. Post und Telegraphenanstalt.<\/p>\n\n\n\n<h2>1881 begann Verkabelung Wiens<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Lizenz daf\u00fcr hatte nicht die k. k. Post- und Telegraphenanstalt, sondern ein Privatunternehmen. Ein Kaufmann und ein ehemaliger Mitarbeiter der Staatstelegrafie glaubten an das Gesch\u00e4ft mit dem \u201eFernsprechen\u201c \u2013 ganz im Gegensatz zum Kaiser und der Beamtenschaft.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/soph-assets.orf.at\/sis\/image\/4e799c14-ff91-434a-8514-ccf309c383fd\/AAABhxOZmno\/AAABhKSydMQ\/topos_body_3_4\/glasfaser-verkabelung130.jpeg\" alt=\"Kaiser Franz Joseph (1901)\" title=\"Kaiser Franz Joseph (1901) | MAGO \/ Gemini Collection\"\/><\/figure>\n\n\n\n<h2>Kaiser Franz Joseph zum Telegraphon (1901)<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Monarch gratuliert und zeigt sich doch unbeeindruckt. \u00d6sterreichische Mediathek\/ Technisches Museum WienAudio<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kaiser hatte zwar ein Telefon, benutzte es aber nicht. Und auch die Telegrafengesellschaften waren weniger am gesprochenen als am geschriebenen Wort interessiert.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMan will keine Steuergelder f\u00fcr etwas vergeuden, das sich vielleicht als Eintagsfliege herausstellt\u201c, schreibt ein deutscher Kommentator. \u00d6sterreichische Medien hingegen mokierten sich dar\u00fcber, dass die Weltmetropole Wien noch immer ohne Telefon auskommen muss, w\u00e4hrend man in Paris und den USA schon vom Photophon tr\u00e4umte.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Man wird dahin gelangen \u2013 wenn auch nicht in unserer, so doch gewiss in einer sp\u00e4teren Zeit \u2013 dass mittels Elektrizit\u00e4t auch das Sehen m\u00f6glich wird und zwei Freunde sich auf diese Weise \u00fcber den Ozean ihre Gr\u00fc\u00dfe zusenden werden. Oder dass man in Budapest den Vorstellungen in der Pariser Oper mit dem Auge und mit dem Ohr wird beiwohnen k\u00f6nnen.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das Photophon, Morgenblatt, 24. Juni 1881<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/soph-assets.orf.at\/sis\/image\/0ec81ee4-24b2-4fca-af03-ea741361ce2f\/AAABhxcjSbY\/AAABhKSzcmk\/topos_body_2_3\/glasfaser-verkabelung116.jpeg\" alt=\"Grafische Darstellung der Verkabelung \u00fcber einer Stra\u00dfe in New York von Verena Repar\" title=\"Grafische Darstellung der Verkabelung \u00fcber einer Stra\u00dfe in New York von Verena Repar\"\/><figcaption>Grafische Darstellung der Verkabelung \u00fcber einer Stra\u00dfe in New York von Verena Repar<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Als \u00d6sterreich den ersten internationalen Vertrag zum grenz\u00fcberschreitenden Datenfluss unterschrieb, waren die Spuren der Nachrichtenkommunikation noch sichtbar. Man setzte auf Luftleitungen. Damit meinte man lange Zeit nicht Funkwellen, sondern Oberleitungen. Aber bereits 1884 war man sich einig: Das Gesch\u00e4ft mit dem Telefon wird nicht in der Luft alleine gemacht.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Es d\u00fcrfte als Tatsache hingestellt werden, dass auf l\u00e4ngere Zeit, bei der fortschreitenden Entwicklung des Telephonverkehrs in gro\u00dfen St\u00e4dten mit dem jetzigen Systeme der Luftleitungen nicht auszukommen ist.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>C. L. Madsen, \u00dcber Telephonleitungen in gro\u00dfen St\u00e4dten und deren Verbesserung, 1884<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wiener Privat-Telegraphen-Gesellschaft setzte auf Qualit\u00e4t und den neuesten Stand der Technik. Um St\u00f6rger\u00e4usche und das \u00dcberspringen der Signale bei der \u00dcbertragung zu unterbinden, setzte sie auf die Endb\u00fcndelung der Signale, schreibt vor 140 Jahren C. L. Madsen, Direktor der Telephon-Gesellschaft zu Kopenhagen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEin Kabel in der Luft, ein weiteres unter der Erde. Eines diente dem Anrufe, ein weiteres diente dem R\u00fcckruf.\u201c Genutzt hat das dem Wiener Unternehmen wenig. Die Medien waren nicht am neuesten Stand der Technik interessiert, sondern an Zahlen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Leider konnte man statt der angek\u00fcndigten 91 nur sechs \u2013 sage sechs Linien \u2013 dem Verkehr \u00fcbergeben und dies nur, um den Konzessionsbedingungen gen\u00fcge zu tun.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das Telephon in Wien, Morgen-Post am Samstag, 3. Dezember 1881<\/p>\n\n\n\n<h2>Von privat zum Staat<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Wiener Privat-Telegraphen-Gesellschaft wurde entsch\u00e4digt und die Konzessionen und Leitungen vom Staat abgekauft. Das hatte durchaus Vorteile. Wien drohte bereits damals ein Wildwuchs an Netzwerken, in denen netzwerk\u00fcbergreifendes Telefonieren von den Investoren nicht vorgesehen war: Der \u201ewalled garden\u201c ist also keine Erfindung von Apple, Google &amp; Co., sondern eine Kopie einer alten Gesch\u00e4ftsidee.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Staatsmonopol hingegen hat an einer derartigen Einschr\u00e4nkung der Dienste wenig Interesse. Sein Markt ist das Staatsgebiet. Und die Nachrichten\u00fcbermittlung eine Staatsangelegenheit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Ende der Post- und Telegrafenmonopole in Europa<\/strong><br><br>1984: Gro\u00dfbritannien, Finnland<br><br>1996: \u00d6sterreich<br><br>1998: Deutschland, Frankreich<\/p>\n\n\n\n<h2>100 Jahre Stillstand<\/h2>\n\n\n\n<p>Nachdem die ersten Kupferleitungen Wien mit Br\u00fcnn verbanden, hatte man es mit der Versorgung der Bev\u00f6lkerung nicht mehr allzu eilig.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem Bericht f\u00fcr die amerikanische Telekommunikations- und Informationsverwaltung aus dem Jahr 1983 brachte der Autor Ronald S. Eward die Situation in \u00d6sterreich auf den Punkt: Die Datenfern\u00fcbertragung sei in \u00d6sterreich nicht untersagt, aber die Post- und Telegraphenverwaltung zeige daran kein Interesse. F\u00fcr den \u201eDatenfernverkehr\u201c sei eine Firma namens Radio Austria AG zust\u00e4ndig.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/soph-assets.orf.at\/sis\/image\/1bc95d63-3184-497d-8858-7815dcc2656b\/AAABhxcjVaM\/AAABhKSzcmk\/topos_body_2_3\/glasfaser-verkabelung112.jpeg\" alt=\"Logo von Radio Austria\" title=\"Das Logo von Radio Austria\"\/><figcaption>Das Logo von Radio Austria<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Gegr\u00fcndet wurde das Unternehmen 1922 vom Funkpionier Guglielmo Marconi. Verstaatlicht wurde es 1955, nach dem Ende der Besatzungszeit in \u00d6sterreich.<\/p>\n\n\n\n<h2>Truppe mit Auftrag<\/h2>\n\n\n\n<p>Sowohl die Ingenieure und Investoren der Telefonie als auch die Internetpioniere im ehemaligen EDV-Zentrum der Universit\u00e4t Wien hatten einen gro\u00dfen Auftrag. Nachdem die ersten Gro\u00dfrechner an die Universit\u00e4ten kamen, dachte man bald auch an ihre Verkabelung. Schlie\u00dflich waren die Maschinen nicht nur gro\u00df, sondern auch teuer, und man konnte ihnen beim Rechnen zuschauen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/soph-assets.orf.at\/sis\/image\/81e1ea4a-ee98-4b6d-98c3-f779edb15cd9\/AAABhxOc2yo\/AAABhKSydMQ\/topos_body_3_4\/glasfaser-verkabelung132.jpeg\" alt=\"Archivaufnahme des Burroughs 205 Datatron an der Universit\u00e4t Wien\" title=\"Archivaufnahme des Burroughs 205 Datatron an der Universit\u00e4t Wien | Universit\u00e4t Wien\"\/><\/figure>\n\n\n\n<h2>Peter Paul Sint \u00fcber den ersten Rechner der Uni Wien<\/h2>\n\n\n\n<p>(Auszug aus einem Gespr\u00e4ch mit der Autorin, 2015)Audio<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/soph-assets.orf.at\/sis\/image\/f9c38d03-1e86-465f-8ac8-72b2f3317fb2\/AAABhxOtdu4\/AAABhKSy4UM\/topos_bigpicture_16_9\/glasfaser-verkabelung104.jpeg\" alt=\"Archivaufnahme des Burroughs 205 Datatron an der Universit\u00e4t Wien\" title=\"Archivaufnahme des Burroughs 205 Datatron an der Universit\u00e4t Wien\"\/><figcaption>Archivaufnahme des Burroughs 205 Datatron an der Universit\u00e4t Wien<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2>Jedes Bit war sichtbar<\/h2>\n\n\n\n<p>\u201eJedes einzelne Bit konnte man sehen\u201c, erz\u00e4hlt Peter Paul Sint. Er war damals Student. Sp\u00e4ter arbeitete er an der Akademie der Wissenschaften, am Institut f\u00fcr Sozio\u00f6konomie, und er ist Mitherausgeber des Buches \u201eGrenz\u00fcberschreitender Datenflu\u00df und \u00d6sterreich\u201c, erschienen in der Schriftenreihe der \u00d6sterreichischen Computer Gesellschaft 1986. Wie in den USA plante man auch in Wien an den Universit\u00e4ten nicht, teuer Rechner zu mieten, sondern stattdessen Prozessorleistung zu teilen.<\/p>\n\n\n\n<p>Daf\u00fcr brauchte man eine Kabelverbindung zwischen den Geb\u00e4uden und ein neues Universit\u00e4tsorganisationsgesetz, das die Zusammenarbeit der akademischen Rechenzentren erst erlaubte. 1974 lag es auf dem Tisch. Erstmals tauchen in einem Gesetzestext W\u00f6rter wie \u201eDatenverarbeitung\u201c auf. Und die ersten Hinweise auf eine \u201eDigitalisierung der Verwaltung\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedoch, ein Gesetz zu formulieren ist eine Sache, es umzusetzen jedenfalls eine Herausforderung. Dass ein EDV-Zentrum sich auch um die Verwaltung k\u00fcmmern sollte, war neu und sorgte f\u00fcr Unmut.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Nun hei\u00dft es, die Kapazit\u00e4t der Rechenzentren sei so zu bemessen, dass die Priorit\u00e4t bei der Verwaltung liegt und Forschung und Lehre folgt. Das Rechenzentrum betrachtet diese Entwicklung als nicht im Interesse unserer Ben\u00fctzer.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Heisser Draht #1, Oktober 1972, Hrsg.: Abteilung f\u00fcr Digitalrechenanlagen, Technische Hochschule Wien<\/p>\n\n\n\n<h2>Zu den Daten radeln<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn ein Statistiker der Universit\u00e4t Wien schnell seine Berechnungen ben\u00f6tigte, dann sendete er seine Daten von der Uni Wien an die Technische Universit\u00e4t. Er schwang sich aufs Rad und holte das Ergebnis pers\u00f6nlich ab, in 2,5 km Entfernung, an der Technischen Hochschule in der Gu\u00dfhausstra\u00dfe 27\u201329.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war zu Anfang der Datenfern\u00fcbertragung noch allemal schneller, als in der Universit\u00e4tsstra\u00dfe auf einen Ausdruck zu warten. Die Anf\u00e4nge, so Hermann Steinringer, waren \u201em\u00fchsam, aber herrlich\u201c. 1972 nahm er den Job eines EDV-Operateurs an. Ein paar Jahre sp\u00e4ter war er der erste \u201eDatenverarbeitungsbeauftragte\u201c der Universit\u00e4t Wien.<\/p>\n\n\n\n<h2>Vom Zimmer \u00fcber die Stra\u00dfe zum n\u00e4chsten Stock<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Vernetzung der Universit\u00e4ten begann mit der Vernetzung von Peripherieger\u00e4ten. Die standen nicht im selben Raum, sondern nebenan.<\/p>\n\n\n\n<p>Als n\u00e4chster Schritt wurden Stockwerke und Institute miteinander verbunden. Erstaunlicherweise ging der Weg daf\u00fcr \u00fcber die Stra\u00dfe. Vorschrift ist Vorschrift, meinte die Post- und Telegraphenverwaltung, und dachte im Grunde nur an neue Geb\u00fchren. Schlie\u00dflich war \u00d6sterreich damals noch in drei Telefonzonen eingeteilt. Es gab B\u00fcrozeiten, Nachtzeiten und einen eigenen Tarif f\u00fcr das Wochenende. Und an den Universit\u00e4ten gab es eben Stockwerke.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/soph-assets.orf.at\/sis\/image\/b40edbc7-5197-4137-99d7-74c7bff82bbb\/AAABhxPMU3A\/AAABhKSydMQ\/topos_body_3_4\/glasfaser-verkabelung134.jpeg\" alt=\"Hermann Steinringer\" title=\"Hermann Steinringer | Sol Haring\"\/><\/figure>\n\n\n\n<h2>Hermann Steinringer \u00fcber die Anfangszeit der Verkabelung<\/h2>\n\n\n\n<p>Audio<\/p>\n\n\n\n<h2>Staat und Privatanbieter am Tauschen<\/h2>\n\n\n\n<p>Als in den 1980er Jahren Universit\u00e4tsgeb\u00e4ude noch per Stand- und W\u00e4hlleitung an die Rechenzentren angeschlossen waren, wusste man: Die \u201eStaatsleitungen\u201c der Post liegen auf der einen Seite, die der Privatanbieter gegen\u00fcber. Privat wurde gesplei\u00dft, um in Geb\u00e4ude abbiegen zu k\u00f6nnen. Und es kam zum Tauschhandel: Ich gebe dir vier Fasern hier, du gibst mir vier Fasern dort. Kein Wunder, dass die Kl\u00e4rung der Eigentumsverh\u00e4ltnisse der Telekommunikationsleitungen unter der Erde heute schwierig ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Anhand von Stra\u00dfennarben, mehr oder minder notd\u00fcrftig geflicktem Asphalt, erkennt man an manchen Stellen noch die Spuren der fr\u00fchen Verkabelung Wiens. In manchen Stra\u00dfenz\u00fcgen enden sie vor Hausmauern, in anderen biegen sie in eine neue Stra\u00dfe ein. Auch die Gr\u00f6\u00dfe eines Schachtdeckels kann ein Hinweis \u00fcber den Verlauf einer Leitung sein. Einst war das ein Zeichen daf\u00fcr, dass das Kabel ums Eck gelegt wurde. Aber das Stadtbild ver\u00e4ndert sich. Stra\u00dfenbel\u00e4ge werden erneuert und Schachtdeckel verschwinden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/soph-assets.orf.at\/sis\/image\/57eb3a4f-3310-4795-a457-294f506adc5c\/AAABhxcjUlQ\/AAABhKSzRtc\/topos_bigpicture_3_2\/glasfaser-verkabelung118.jpeg\" alt=\"Kanaldeckel der European Telecom\" title=\"Kanaldeckel der European Telecom\"\/><figcaption>Kanaldeckel der European Telecom<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Namen wie GTS, European Telecom oder COLT verweisen noch auf die Anf\u00e4nge der Kommunikationsnetzwerke in Wien. COLT steht f\u00fcr City of London Telecom und war einer der ersten kommerziellen Anbieter in Wien. Hinter European Telecom verbirgt sich das einstige spanische Postmonopol Telef\u00f3nica.<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal findet man selbst noch Luftkabel, die, ihrem Schicksal \u00fcberlassen, an Masten h\u00e4ngengeblieben sind. Sie haben keine Funktion mehr. Sie sind nur noch ein Symbol f\u00fcr die Anf\u00e4nge der Vernetzung in der Stadt, deren Zentrum f\u00fcr lange Zeit die Universit\u00e4t Wien war und mit Vienna Internet Exchange f\u00fcr Mittel- und Osteuropa immer noch ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Anbindung der Universit\u00e4t Wien von 1974 bis 2001<\/strong><br><br>Geb\u00e4ude: 102<br><br>Anzahl der Computer: 25.000<br><br>Verlegte Kabel zwischen und in den Universit\u00e4tsgeb\u00e4uden: 500 km<\/p>\n\n\n\n<h2>Kritische Infrastruktur<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Postmonopol von einst ist Geschichte, genauso wie die m\u00fchsame Verkabelung. Heute laufen die F\u00e4den der Telekommunikationsnetze bei der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) zusammen. Die Daten, die von der dort angesiedelten zentralen Stelle f\u00fcr Infrastrukturdaten gesammelt werden, sind jedoch nicht f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit bestimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sind \u201eeinsehbar auf Anfrage\u201c f\u00fcr Unternehmen und Gemeinden. \u201eEs muss schon ein berechtigtes Interesse bestehen\u201c, sagt Klaus Steinmauer, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer f\u00fcr den Fachbereich Telekommunikation und Post bei der RTR.<\/p>\n\n\n\n<h2>Welcher Bezirk hat die beste Leitung?<\/h2>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Privatpersonen liefert der Breitbandatlas etwas Orientierung. Damit l\u00e4sst sich feststellen, welche Daten\u00fcbertragungsraten und Technologie f\u00fcr eine Wohnadresse zur Verf\u00fcgung stehen \u2013 \u00f6sterreichweit. Aber selbst wenn ein Glasfaserkabel an der T\u00fcr vorbeif\u00fchrt, hei\u00dft das noch nicht, dass man auch einen Glasfaseranschluss bekommen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein durchg\u00e4ngiges Glasfasernetz in Wien, so Georg Chytil, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Telekommunikationsdienstleisters Next Layer, d\u00fcrfe man sich heute zum Beispiel nicht mehr erwarten. Dieser Zug sei abgefahren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/soph-assets.orf.at\/sis\/image\/38ac940d-73ed-420c-8687-9bc9c43cb498\/AAABhxcjWVs\/AAABhKSyzMw\/topos_body_16_9\/glasfaser-verkabelung110.jpeg\" alt=\"Kabelgewirr in einer Baugrube\" title=\"Klassisches Kabelgewirr in einer Baugrube\"\/><figcaption>Klassisches Kabelgewirr in einer Baugrube<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2>Datenraten am Land erh\u00f6hen<\/h2>\n\n\n\n<p>Aber vielleicht schafft \u00d6sterreich es wenigstens, die Datenraten am Land zu erh\u00f6hen. Dort haben \u2013 laut EU-Kommission \u2013 nur zw\u00f6lf Prozent der Bev\u00f6lkerung Zugang zu einer Internetverbindung, die eine Download-Rate von mindestens 100 Mbit\/s erlaubt.<\/p>\n\n\n\n<p>An der Universit\u00e4t Wien hingegen redet man bereits vom Quantennetzwerk. Aber vielleicht wird f\u00fcr einen Privathaushalt 2032 alles besser. Versprochen wurde ja bereits im Regierungsprogramm 2017 ein Gigabit-Netz. Viele B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger w\u00e4ren wohl auch mit fl\u00e4chendeckenden 100 MBit\/s zufrieden. Aber dieses Ziel hat in Europa bisher nur ein Land erreicht: Finnland.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Mariann Unterluggauer (Text, Videoredaktion), f\u00fcr ORF Topos, Verena Repar (Video, Grafik), Zita Klimek (Bildredaktion), Simon Hadler (Redaktion), alle ORF Topos<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2>Links:<\/h2>\n\n\n\n<ul><li><a href=\"https:\/\/breitbandatlas.gv.at\/\">Breitbandatlas \u00d6sterreich<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/zid.univie.ac.at\/chronik\/\">Zentraler Informatikdienst (ZID)<\/a>&nbsp;(Universit\u00e4t Wien)<\/li><li><a href=\"https:\/\/eric.ed.gov\/?id=ED258558\">Telecommunication Policies in Seventeen Countries<\/a>&nbsp;(Ronald S. Eward)<\/li><li><a href=\"https:\/\/anno.onb.ac.at\/cgi-content\/anno?aid=mop&amp;datum=18811203&amp;seite=1&amp;zoom=33\">Morgen-Post, 3. Dec 1881, Das Telephon in Wien<\/a>&nbsp;(Projekt Anno)<\/li><li><a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/competition\/state_aid\/cases1\/202213\/SA_63172_9048B77F-0000-CD66-82AC-6DC76F57F1EC_87_1.pdf\">European Commission, State Aid SA.63172 (2021\/N) \u2013 Austria RRF \u2013 Broadband Austria 2030<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20230107160139\/https:\/\/info.bml.gv.at\/service\/publikationen\/telekommunikation\/evaluierung-der--breitbandinitiative-bmlrt-2017-2018.html)\">Evaluierung Breitbandinitiative 2020<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>v1.0.4-production (14. March 2023, 10:02:17)<\/p>\n\n\n\n<p>QELLE : TOPOS ORF.AT<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie \u00d6sterreich die Glasfaser verschlief Wie \u00d6sterreich die Glasfaser verschlief teilenGeschichteTechnologieIT 25. M\u00e4rz 2023, 06:00 Uhr \u00d6sterreich hinkt in Sachen Glasfaserkabel im EU-Vergleich hinterher. Nun wird wieder gegraben und verlegt. Diesmal muss der EU wegen einer F\u00f6rderung bewiesen werden, dass etwas weitergeht \u2013 im Gegensatz zu den letzten beiden Breitbandinitiativen.<span class=\"more-link\"><a href=\"https:\/\/wienernachrichten.at\/?p=1015\">Continue Reading<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wienernachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1015"}],"collection":[{"href":"https:\/\/wienernachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wienernachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wienernachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wienernachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1015"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wienernachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1015\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1016,"href":"https:\/\/wienernachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1015\/revisions\/1016"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wienernachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1015"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wienernachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1015"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wienernachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1015"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}