{"id":1002,"date":"2023-03-22T18:26:25","date_gmt":"2023-03-22T17:26:25","guid":{"rendered":"http:\/\/wienernachrichten.at\/?p=1002"},"modified":"2023-03-22T18:26:25","modified_gmt":"2023-03-22T17:26:25","slug":"vulkane","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wienernachrichten.at\/?p=1002","title":{"rendered":"Vulkane"},"content":{"rendered":"\n<h1>Warten auf ein Jahrhundertereignis<\/h1>\n\n\n\n<p>Warten auf ein Jahrhundertereignis teilen<a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?tags=Wissen\">Wissen<\/a><a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?tags=Wissenschaft\">Wissenschaft<\/a><a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?tags=Wissenschaft\/Naturwissenschaft\">Naturwissenschaft<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>15. Januar 2023, 06:00 Uhr<\/p>\n\n\n\n<p>Am Sonntag vor einem Jahr ist der Unterwasservulkan Hunga Tonga-Hunga Ha\u2019apai ausgebrochen. Es war die st\u00e4rkste Vulkanexplosion seit drei\u00dfig Jahren. Der Ausbruch dauerte wenige Stunden, h\u00e4tte er l\u00e4nger angehalten, w\u00e4ren die Konsequenzen weit verheerender gewesen. Ob so starke Ausbr\u00fcche vorhersehbar sind und wie man mit dem Risiko umgehen kann, erkl\u00e4ren Experten gegen\u00fcber ORF Topos.<a href=\"https:\/\/topos.orf.at\/filter?authors=Katharina+Gruber\">Katharina Gruber<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Es war die h\u00f6chste Aschewolke, die je bei einem Vulkanausbruch gemessen wurde, als der Hunga Tonga-Hunga Ha\u2019apai letztes Jahr am 15. J\u00e4nner ausbrach. 57 Kilometer ragte sie in die H\u00f6he. Beim letzten Vulkanausbruch vergleichbarer St\u00e4rke \u2013 dem Ausbruch des Pinatubo auf den Philippinen 1991 \u2013 waren es 40 Kilometer gewesen. Der Hunga Tonga-Hunga Ha\u2019apai verursachte Tsunamis, die auch die K\u00fcsten Japans sowie Nord- und S\u00fcdamerikas erreichten.<\/p>\n\n\n\n<h2>Vorhersage w\u00e4re m\u00f6glich gewesen<\/h2>\n\n\n\n<p>In der N\u00e4he des Vulkans gab es keinen einzigen Seismografen, der auf ungew\u00f6hnliche Bodenbewegungen hinweisen h\u00e4tte k\u00f6nnen, sagt G\u00f6tz Bokelmann, Seismologe an der Universit\u00e4t Wien: \u201eDer Ausbruch kam \u00fcberraschend, weil es keine Instrumente gab, die ihn h\u00e4tten vorhersagen k\u00f6nnen. Man wusste zwar, dass ein Ausbruch bevorstand, aber der genaue Zeitpunkt war vollkommen unklar.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/soph-assets.orf.at\/sis\/image\/b9fc9bfa-e3b8-435d-8cbb-1c52b1b03b69\/AAABhaqDv2s\/AAABhKSyzMw\/topos_body_16_9\/vulkane118.jpeg\" alt=\"Aschewolke \u00fcber der Insel Tonga\" title=\"Aschewolke \u00fcber der Insel Tonga\"\/><figcaption>Aschewolke \u00fcber der Insel Tonga<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die n\u00e4chsten Seismometer standen in 800 bzw. 2.000 Kilometer Entfernung, erkl\u00e4rt er: \u201eDas ist besonders schmerzhaft, weil es gerade in dieser Gegend, die stark von Vulkanismus und Erdbeben betroffen ist, gro\u00dfe L\u00fccken gibt. Durch Seismometer auf den Inseln und die entsprechende Datenauswertung h\u00e4tte man Menschenleben retten k\u00f6nnen.\u201c Nach offiziellen Angaben starben in Tonga vier Menschen direkt durch den Vulkanausbruch. Zudem wurde die Hauptinsel des K\u00f6nigreichs mit einer Ascheschicht bedeckt, die die meisten H\u00e4user zerst\u00f6rte und das Trinkwasser verunreinigte.<\/p>\n\n\n\n<h2>Was es f\u00fcr eine gute Vorhersage braucht<\/h2>\n\n\n\n<p>Werden lokale Bodenbewegungen beobachtet, l\u00e4sst sich der Zeitraum, in dem ein Ausbruch stattfinden wird, stark eingrenzen. Bokelmann weist darauf hin, dass f\u00fcr eine exakte Vorhersage aber zus\u00e4tzliche Ger\u00e4te direkt auf dem Vulkan notwendig seien. Sie messen kontinuierlich unter anderem Gasaussto\u00df und Temperatur. Italien \u00fcberwacht so beispielsweise seine Vulkane. Dadurch k\u00f6nnen St\u00e4dte wie Neapel am Fu\u00dfe des Vesuvs im Ernstfall rechtzeitig evakuiert werden. Das erfordert viel Auswertungsarbeit, die von wissenschaftlichem Personal erledigt werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar kommt auch k\u00fcnstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz, doch im Moment f\u00fchrt noch kein Weg an der Auswertung durch Menschen vorbei. In Zukunft werde KI das besser als Menschen k\u00f6nnen, sagt Bokelmann, daf\u00fcr brauche es aber ausreichend Trainingsdaten f\u00fcr die Maschine. Relevanter werden in Zukunft auch Satellitendaten, sie spielen in der Vulkanforschung schon eine gro\u00dfe Rolle, sind aber f\u00fcr die Prognosepraxis noch nicht einsetzbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Moment arbeitet man also haupts\u00e4chlich mit lokalen Ger\u00e4ten. Exakte Vorhersagen sind nur kurz vor dem Ausbruch m\u00f6glich, und die Zeit reicht nur f\u00fcr eine Evakuierung, wenn die Daten st\u00e4ndig ausgewertet werden. Es ist daher in erster Linie eine Finanzierungsfrage, die \u00fcber die Vorhersagbarkeit entscheidet. Global gesehen werden die Menschen also sehr ungleich gesch\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<h2>Wenn es noch schlimmer kommt \u2026<\/h2>\n\n\n\n<p>Im August vergangenen Jahres forderten der Vulkanologe Michael Cassidy und die Risikoforscherin Lara Mani in einem Kommentar in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift \u201eNature\u201c, dass weltweit gr\u00f6\u00dfere Anstrengungen in die Vorhersage von Vulkanausbr\u00fcchen gesteckt werden m\u00fcssten. Aber auch ins Risikomanagement, denn: W\u00e4re der Ausbruch des Hunga Tonga-Hunga Ha\u2019apai nicht nach wenigen Stunden vorbei gewesen oder h\u00e4tte er noch mehr Asche ausgesto\u00dfen, w\u00e4ren die Folgen auf Lieferketten, Nahrungsmittelversorgung und Klima auf der ganzen Welt verheerend gewesen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/soph-assets.orf.at\/sis\/image\/3cdb0638-bd34-4bf0-8407-76acd59d0fe1\/AAABhaqEkfA\/AAABhKSyzMw\/topos_body_16_9\/vulkane102.jpeg\" alt=\"Riesige Aschewolke auf einer Satellitenaufnahme des s\u00fcdpazifischen Inselstaates Tonga\" title=\"Satellitenaufnahme einer Aschewolke \u00fcber Tonga\"\/><figcaption>Satellitenaufnahme einer Aschewolke \u00fcber Tonga<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Ausbruch des Hunga Tonga-Hunga Ha\u2019apai hatte die Stufe 6 und verlief daf\u00fcr vergleichsweise glimpflich. Beim letzten Ausbruch der Stufe 6, dem erw\u00e4hnten Pinatubo-Ausbruch 1991, starben je nach Angaben zwischen 700 und 900 Menschen. Die Autorin und der Autor des \u201eNature\u201c-Kommentars argumentieren, dass sich die Welt aber auch auf einen Ausbruch der Stufe 7 einstellen m\u00fcsste, der nach neueren Berechnungen durchschnittlich alle 625 Jahre stattfindet, zuletzt 1815 in Indonesien, als der Tambora ausbrach. Am Ausbruch und den Folgen starben sch\u00e4tzungsweise 100.000 Menschen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es noch dieses Jahrhundert zu einem solchen Ausbruch der Stufe 7 kommt, liege bei eins zu sechs, daher m\u00fcsse sich die Welt darauf vorbereiten, so Cassidy und Mani.<\/p>\n\n\n\n<h2>Mit dem Unvorhergesehen umgehen<\/h2>\n\n\n\n<p>Thomas Glade, Geograf und Risikoforscher an der Universit\u00e4t Wien, sagt, dass Gesellschaften Schwierigkeiten haben, sich auf Ereignisse einzustellen, die die Menschen noch nicht erlebt haben: \u201eMit einem j\u00e4hrlich auftretenden Hochwasser oder einer Lawine, die alle zehn, 15 Jahre abgeht, kann man gut umgehen. Je seltener ein Ereignis, desto schwieriger.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn ein Vulkanausbruch der Stufe 6 global gesehen alle paar Jahrzehnte vorkommen kann, ist er f\u00fcr die jeweilige Region betrachtet eine Seltenheit. Wenn man sich pr\u00e4ventiv orientiere, so Glade, m\u00fcsse man sich auch damit auseinandersetzen, was potenziell passieren kann, selbst wenn das Ereignis in einer Region in den letzten Jahrhunderten nicht aufgetreten ist. Er sagt: \u201eDass man auch mit dem Unvorhergesehen umgehen kann, ist das Entscheidende beim Katastrophenmanagement.\u201c Gerade bei Vulkanausbr\u00fcchen ist das von enormer Bedeutung, denn selbst gute Vorhersage funktioniert eben nur eher kurzfristig.<\/p>\n\n\n\n<p>Wichtig seien daf\u00fcr beispielsweise \u201eRedundanzen im System\u201c, sagt er: \u201eDamit nicht alles kollabiert, wenn eine Sache ausf\u00e4llt.\u201c Das zeigt auch der Ausbruch des Hunga Tonga-Hunga Ha\u2019apai: Weil er Unterwasserkabel zerst\u00f6rte, konnte Tonga tagelang nicht mit der Au\u00dfenwelt kommunizieren. Da w\u00e4ren zus\u00e4tzliche Kommunikationswege n\u00f6tig, die als Back-up dienen. Aber, so Glade: \u201eNat\u00fcrlich muss uns auch klar sein: Ab einer gewissen Ausbruchsst\u00e4rke k\u00f6nnen wir uns auch nicht mehr darauf vorbereiten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Katharina Gruber (Text und Gestaltung), TV-Wissenschaft, f\u00fcr ORF Topos, Marcus Walter (Kamera), f\u00fcr ORF Topos, Sarah Goldschmidt (Schnitt), f\u00fcr ORF Topos, Zita Klimek (Infodesign), ORF Topos<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sendungshinweis: Vulkanausbr\u00fcche und das Klima, ORF3, 27.01.2022<\/p>\n\n\n\n<h2>Link:<\/h2>\n\n\n\n<p>&#8211;\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/d41586-022-02177-x\">Kommentar<\/a>\u00a0in \u201eNature\u201cv1.0.4-production (14. March 2023, 10:02:17)<\/p>\n\n\n\n<p>QELLE : ORF.AT <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warten auf ein Jahrhundertereignis Warten auf ein Jahrhundertereignis teilenWissenWissenschaftNaturwissenschaft 15. 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